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SAP-Anwender fordern skalierbare Cloud-Verträge

Mit der Digitalisierung kommen SAP-Anwender voran. Mit dieser Diagnose startete der Jahreskongress der SAP-Anwendervereinigung DSAG in Leipzig. Nachholbedarf bestehe bei Verträgen und Roadmaps für Cloud-Produkte und bei Modellen für hybride Landschaften.

3600 Teilnehmer diskutierten auf dem Jahreskongress der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG, wie sie mit den rasanten Veränderungen Schritt halten. (Quelle: DSAG)

Digitalisierung, Transformation und politische Zeitenwende: Auf dem Jahreskongress der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG suchten 3600 Teilnehmer nach Wegen, wie sie mit diesen Veränderungen Schritt halten. Laut einer aktuellen Umfrage der Anwendergruppen DSAG, Americas SAP Users‘ Group (ASUG) und der Japan SAP Users‘ Group (JSUG), die der DSAG-Vorstandvorsitzende Jens Hungershausen in seiner Keynote vorstellte, gelingt das 85 Prozent der befragten DSAG-Mitgliedsunternehmen gut.

Im Juni 2022 haben 434 DSAG-Mitgliedsunternehmen an der Umfrage im DACH-Raum teilgenommen. Aus Österreich waren es 33 Teilnehmer, aus der Schweiz 41. Befragt wurden CIOs, IT- und CC-Leiter, DSAG-Funktionsträger, aktive Personen und zentrale Ansprechpartner aus Mitgliedsunternehmen. Ihren Hauptsitz haben 81 Prozent der Unternehmen in Deutschland, 9 Prozent in der Schweiz und 8 Prozent in Österreich. Von den ASUG-Mitgliedern gaben 492 Teilnehmer Auskunft, von den JSUG-Mitgliedern 213.

Interne Fähigkeiten und Personalmangel als Hindernisse

Die Unternehmen, die nach eigenen Angaben mit den aktuellen Veränderungen Schritt halten, verfügen über qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, ausreichende Ressourcen, flexible Organisationen und schnelle Entscheidungswege sowie über den vom Management getragenen Willen zur Veränderung. 15 Prozent waren der Meinung, nicht mithalten zu können, aus Mangel an Ressourcen, hoher Komplexität der Business Transformation und fehlender Veränderungsbereitschaft. Von den Teilnehmern der ASUG können 13 Prozent und von den Befragten der JSUG sogar 39 Prozent nicht mithalten. Für die IT-Abteilungen der Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz liegen die Hindernisse im Mangel an internen Fähigkeiten und Personal (63 Prozent), in der Komplexität von IT-Umstellungen (53 Prozent) sowie in Kostenzwängen (42 Prozent) begründet. „Die Fähigkeit der Unternehmen, mit der Geschwindigkeit des Wandels mithalten zu können, steht und fällt mit dem Faktor Mensch“, fasst Hungershausen den Befund zusammen.

Ein Mangel an internen Fähigkeiten und Personal, die Komplexität von IT-Umstellungen und Kostenzwänge: Das sind die von SAP-Anwendern am häufigsten genannten Hindernisse für die Digitalisierung.

On-Premise gefragt – Cloud aber ebenfalls

Damit Unternehmen und Organisationen mit Veränderungen Schritt halten, müssen sie auch ihre IT-Landschaften anpassen. Bei der Frage nach den Softwareanbietern, die für die DSAG-Mitglieder in diesem Zusammenhang am wichtigsten sind, liegt SAP vor Microsoft, gefolgt von Oracle, Salesforce sowie Amazon Web Services und Google. SAP und Microsoft belegen auch bei den Teilnehmern von ASUG und JSUG die ersten beiden Plätze. „Für alle Anbieter lässt sich die klare Anforderung festhalten, ihre Kunden mit zukunftssicheren Lösungen zu unterstützen, um sie angemessen in die vernetzte Welt begleiten zu können“, erläutert Hungershausen.

Bei der Frage nach der Bedeutung von SAP- und Non-SAP-Lösungen, sowohl On-Premise als auch in der Cloud, haben für die derzeitigen IT-Landschaften bei 93 Prozent der befragten DSAG-Mitgliedsunternehmen SAP-On-Premise-Lösungen eine hohe und mittlere Bedeutung. Für Non-SAP-On-Premise-Lösungen trifft diese Aussage bei 75 Prozent der Umfrageteilnehmer zu. Für die Cloud-Lösungen gilt: Non-SAP-Cloud-Lösungen haben für 61 Prozent eine hohe und mittlere Bedeutung, bei SAP-Cloud-Lösungen sind es 42 Prozent.

Geht es um die Bedeutung der Software-Lösungen für die zukünftigen IT-Landschaften, bescheinigen 85 Prozent der befragten DSAG-Teilnehmer den SAP-On-Premise-Lösungen eine hohe und mittlere Relevanz. SAP-Cloud-Lösungen kommen ebenso wie viele Non-SAP-Cloud-Lösungen auf 77 Prozent. Non-SAP-On-Premise-Lösungen folgen mit 67 Prozent.

Hybride SAP-Szenarien haben laut DSAG Potenzial

Nach der Bedeutung der Software-Lösungen für die zukünftigen IT-Landschaften der Unternehmen befragt, bescheinigen von den befragten DSAG-Teilnehmer 85 Prozent den SAP-On-Premise-Lösungen eine hohe und mittlere Relevanz, 77 Prozent den SAP-Cloud-Lösungen und ebenso viele den Non-SAP-Cloud-Lösungen. Non-SAP-On-Premise-Lösungen folgen mit 67 Prozent.

Das Bild ist bei allen drei befragten Anwendergruppen ähnlich: On-Premise-Lösungen dürften an Bedeutung verlieren und Cloud-Lösungen an Bedeutung gewinnen – sowohl im SAP- als auch im Non-SAP-Bereich. „Die Bedeutung von SAP-On-Premise-Lösungen wird zwar weiter abnehmen, aber dennoch auf einem hohen Niveau verharren“, erläutert Hungershausen. „Da gleichzeitig die SAP-Cloud-Lösungen wichtiger werden, bestätigt dies die Tendenz, die wir bereits seit ein paar Jahren beobachten: Die Zukunft ist hybrid!“ Dabei sei es wichtig, dass SAP die Unternehmen mit durchgängigen und bezahlbaren Szenarien auf der Basis adäquater Lizenz- und Datenmodelle sowie Prozessen unterstützt.

Für die Cloud fehlen Roadmaps und flexible Verträge

Von SAP wünscht sich die DSAG transparente, flexible und skalierbare Cloud-Verträge mit den entsprechenden Metriken sowie verbindliche Statements und Roadmaps zur Produktstrategie in der Cloud und On-Premise. Zudem bedarf es im Hinblick auf die hybriden Landschaften klarer Modelle für die Integration und den Betrieb. Dazu gehören auch Modelle für die Zusammenarbeit der unternehmensinternen SAP-Abteilungen mit den Hyperscalern. „Durch neue SAP-Lösungen und Hybrid-Ansätze darf kein Prozess-Vakuum entstehen“, erläutert Hungershausen. „SAP sollte dazu beitragen, dieses Vakuum zu verhindern.“ Nachholbedarf sieht der Vorstandsvorsitzende auch in punkto Cloud-Transformation: „RISE with SAP hat aus unserer Sicht noch viel Luft nach oben. Unsere Mitglieder wünschen sich, dass SAP den komplexen Transformationsprozess kundenindividuell begleitet. Dazu gehört auch, die Partner in der Breite schneller und besser einzubinden“.

Für SAP sind auch On-Premise-Lösungen strategisch

Auch SAP-Produktvorstand Thomas Saueressig verweist in seinem Vortrag auf dem DSAG-Jahreskongress auf die anhaltenden Unsicherheiten und Krisen: „Wenn Ausnahmen zur Norm werden, wird Resilienz zum Ziel.“ „Bei einem kontinuierlichen Krisenmanagement ist IT ein wichtiger Hebel zur Unterstützung. Unternehmen brauchen Agilität, eine resiliente Lieferkette und Nachhaltigkeit.“

Die Forderung der SAP-Anwendergruppen nach hybriden IT-Szenarien betrachtet Saueressig als weitgehend erfüllt: „Für SAP sind auch On-Premise-Lösungen weiterhin strategisch. Die Cloud zeigt aber allerdings ein extremes Wachstum. Deshalb haben wir unsere Cloud-Strategie Rise with SAP entwickelt, die zwar erst am Anfang steht, aber dennoch vorankommt.“ Der per Video zugeschaltete SAP CEO Christian Klein hat versprochen, die Lizenzmodelle künftig stärker auf die Kunden zuzuschneiden. Details dazu hat er nicht genannt.

Der Nachfolger des SAP Solution Manager

Eine Neuerung im Support kündigt Andreas Heckmann an, Head of Customer Solution Support and Innovation: das Cloud-basierte Application Lifecycle Management. Es handelt sich hierbei um den Nachfolger der in die Jahre gekommenen Application Management Platform SAP Solution Manager. Application Lifecycle Management basiert auf der Business Technology Platform und soll den gesamten Lebenszyklus von SAP-Applikationen abbilden. Besonders gut eigne sich diese Lösung für hybride IT-Landschaften. Application Lifecycle Management arbeitet mit Künstlicher Intelligenz. „Der Support ist künftig direkt im Produkt enthalten“, erläutert Heckmann.

SAP S/4HANA 2023 bezeichnet Saueressig als das kommende Go-to-Release von SAPs Flaggschiff-Lösung. Disruptive Major Releases will SAP künftig alle zwei Jahre liefern, mit dazwischenliegenden Feature-Packs. Die Cloud-Variante von SAP S/4HANA liefert SAP in zwei Editionen aus: zum einen die Public Edition, die ohne große Anpassungen in der Public Cloud läuft, und zum anderen die Private Edition, die in der Private Cloud läuft und maßgeschneiderte Anpassungen ermöglicht.

Auch ein Beispiel für resiliente Lieferketten hat Saueressig als Präsentation im Gepäck: Die Lösung nennt sich Digital Supply Chain Twin. Es handelt sich dabei um den digitalen Zwilling einer Lieferkette. Die Lösung analysiert den Fortschritt von Logistik-Aktivitäten und warnt, wenn beispielsweise Container in Schiffen festhängen, die sich vor den Häfen stauen. Sie zeigt auf, welche Aufträge von der Verzögerung betroffen sind und welches finanzielle Risiko für das Unternehmen dabei besteht. Im nächsten Schritt schlägt die Applikation im Dialog Alternativen vor, beispielsweise den Umstieg auf Luftfracht, die Lieferung aus einem anderen Lager oder auch einen alternativen Lieferanten. Zum Einsatz kommen beim Digital Supply Chain Twin SAP S/4HANA, SAP Ariba und das SAP Logistics Network. Jürgen Frisch


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Quelle: Andreus | www.istockphoto.com

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