Am Anfang bestand noch Hoffnung. Auch wenn dem Tech-Giganten Broadcom auf dem Markt nicht der Ruf vorauseilte, mit übernommenen Unternehmen sensibel umzugehen, äußerten sich VMware-Mitarbeitende noch im Dezember 2023 durchaus positiv, dass „die nächsten Schritte sicher überlegt und strategisch angegangen werden“. Nur wenige Monate nach dem spektakulären 61-Milliarden-Dollar-Deal stehen VMware und damit auch die große Kundenbasis vor einem riesigen Scherbenhaufen.
Zunächst kündigte Broadcom mit einigen Ausnahmen alle Lizenzen. Seit dem 1. April steigen die Preise für Kunden in astronomische Höhen, die teilweise zwölfmal so hoch sind wie vorher. Das Kalkül dahinter ist ebenso banal wie berechnend – die Virtualisierungslösung VMware ist für viele Unternehmen und Cloud-Dienste nur schwer oder überhaupt nicht zu ersetzen. Eine Abhängigkeit, die Broadcom eiskalt ausnutzt. Neben dem Zwang zum neuen Abomodell bleibt nicht viel übrig. Selbst die bis dato kostenlose Testversionen wird es künftig nicht mehr geben.
Den Rotstift setzt Broadcom auch bei der Belegschaft an, 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten gehen, weitere dürften folgen. Neben der miserablen Außenwirkung ruft dieses Vorgehen auch Branchenverbände auf den Plan, die Forderungen nach politischer Intervention werden laut. So verlangt etwa der europäische Interessenverband der Clouddienste, CISPE, von Behörden und Gesetzgebern eine strenge Überprüfung der einseitigen Aufhebung von Lizenzbedingungen durch Broadcom.