Start Dienstleistungen Colocation: WG im Rechenzentrum bringt Vorteile

Colocation: WG im Rechenzentrum bringt Vorteile

Unternehmen stellen hohe Anforderungen an ihr Rechenzentrum, können sie aber in Eigenregie oft gar nicht erfüllen. Colocation-Kunden sparen Investitionskosten und bekommen skalierbare Lösungen, die sie selbst nie betreiben könnten.

Colocation
Quelle: © Ian Battaglia | unsplash.com

Ein eigenes Rechenzentrum lohnt sich für viele Unternehmen nicht. Zum einen ist allein der Bau mit enormen Kosten verbunden, oft ist auch kein Platz da. Zum anderen fehlt oft das Know-how für den Betrieb und die Wartung. Selbst die Modernisierung oder Erweiterung einer bestehenden Anlage kann zur Herausforderung werden. Darüber hinaus ist für manche Unternehmen der Zugang zu Connectivity und Clouds wichtig, um Entwicklungen und Wachstum voranzutreiben. Daher rückt Colocation immer häufiger ins Blickfeld: Rund 44 Prozent der gesamten Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland entfallen bereits auf derartige Outsouring-Services. Der IT-Dienstleister NTT stellt das Modell vor.

Eigene Sever plus Datenhoheit

Bei einem Colocation-Modell bringen Firmen in der Regel ihre eigene IT-Ausrüstung, einschließlich Server, Storage sowie Netzwerkkomponenten mit und bezahlen den Colocation-Anbieter für den Raum, die Stromversorgung, die Kühlung, die Netzwerkanbindung und die physische Sicherheit. Da die Unternehmen ihr eigenes Equipment einbauen, haben sie weiterhin die Hoheit über ihre Daten und profitieren trotzdem von den Vorteilen eines großen Rechenzentrums bezüglich Skalierbarkeit, Ausfallsicherheit und Redundanz. Gleichzeitig ersetzen Mietkosten die Investitionen und laufenden Betriebskosten, die mit einem eigenen Rechenzentrum verbunden sind. Die Firmen binden demnach kein Kapital und profitieren von direkt absetzbaren Betriebsausgaben, die in vollem Umfang den unternehmerischen Gewinn mindern.

Gemeinschaftsraum oder dedizierte Suite

Den Platzbedarf bestimmt der Kunde: Vom einzelnen Serverrack, einer eigenen Mieteinheit (Cage) in einer geteilten Gemeinschaftsumgebung oder einem dedizierten Raum (Suite) bis zu einer ganzen Etage oder sogar einem eigenen Gebäude ist alles möglich. Unternehmen können individuell benötigte Rechenzentrumsfläche anmieten, ganz nach dem aktuellen IT-Bedarf. Eine Skalierung nach oben oder unten ist jederzeit und sogar während des laufenden Betriebs möglich. Die Colocation-Fläche ist dabei der Raum, in dem die Geräte verschiedener Unternehmenskunden untergebracht sind. Verbindungen zu externen Netzwerkdiensten und Internetknoten sowie zwischen Unternehmenskunden und Cloud-Anbietern werden wiederum in dem sogenannten Meet-Me-Room realisiert. Zum klassischen Leistungsangebot eines Colocation-Rechenzentrums gehören neben Serverracks, redundanter Stromversorgung und Klimatisierung auch die Betriebsunterstützung vor Ort, sogenannte ‚Remote Hands Services‘. Hierbei übernehmen Techniker des Colocation-Anbieters Routine- oder Ad-hoc-Aufgaben, beispielsweise den Tausch von Equipment, das Überprüfen von Statusinformationen oder Anpassungen der Netzwerkverkabelung.

Unternehmen aller Größen sind Colocation-Kunden

Grundsätzlich kommt Colocation für Unternehmen jeder Größe und Branche in Frage. Kleinere Firmen mit begrenzten IT-Ressourcen profitieren von dieser Lösung, da sie Zugang zu einer professionellen IT-Infrastruktur erhalten, die sie selbst in dieser Qualität nie betreiben könnten. Für Branchen mit hohen Datenschutz– und Datensicherheitsanforderungen wie Finanzdienstleistungen oder Gesundheitswesen bietet Colocation die für die Compliance erforderliche Sicherheit inklusive der notwendigen Zertifizierungen. Unternehmen wiederum, die an mehreren Standorten tätig sind – vielleicht sogar international – können ihre IT in strategisch günstig gelegenen Rechenzentren unterbringen. Damit bekommen sie eine bessere Performance für ihre Anwendungen und Services bei gleichzeitig geringerer Latenz, was beispielsweise bei Szenarien für das Internet der Dinge wichtig ist. Mit Colocation lassen sich auch alternative Disaster-Recovery-Standorte aufbauen, die bei einer Unterbrechung am Primärstandort den Betrieb reibungslos fortsetzen.

24/7-Betrieb mit hoher Redundanz

Nur wenige Unternehmen sind tatsächlich in der Lage, den reibungslosen 24/7-Betrieb eines Rechenzentrums zu gewährleisten. Die Mehrheit operiert aufgrund fehlender Fachkräfte mit dünner Personaldecke und ist bei Problemen häufig nicht in der Lage, umgehend zu reagieren. Colocation-Anbieter verfügen sowohl über ausreichend hochqualifizierte Mitarbeiter als auch über jahrelang erprobte und stetig verbesserte Konzepte für den Betrieb und Schutz der Anlagen. Redundante Kühlsysteme, leistungsstarke Brandschutzanlagen und eine zuverlässige Notstromversorgung zählen zur Basisausstattung. Ein Provider mit einer der höchsten Sicherheitsklassen muss mehrere redundante und getrennte Pfade für die Stromversorgung sowie Internetverbindung vorweisen und Komponenten wie Server und Kühlsysteme doppelt vorhalten. Ein solches fehlertolerantes System ermöglicht zudem Wartungsarbeiten während des laufenden Betriebs. Colocation-Rechenzentren besitzen darüber hinaus eine direkte Verbindung zu Cloud-Providern, Telekommunikationsnetzanbietern und IT-Service-Providern. Die garantierten Bandbreiten und Latenzen erleichtern Unternehmen das Einführen von Software-as-a-Service-Diensten und Hybrid-Cloud-Konzepten. Ein großes Rechenzentrum ist auch nachhaltiger als eine kleine Anlage, da Skalierungseffekte beispielsweise für eine effizientere Kühlung sorgen.

Energiebedarf und Kühlung fordern Betreiber heraus

Betreiber von Rechenzentren erleben gerade zwei grundlegende Veränderungen: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz bringen neue Technologien und Lösungen für Unternehmen hervor. Die optimierte Luftkühlung wird langfristig nicht mehr effizient genug sein, um die extrem hohen Leistungsdichten zu unterstützen. Kühllösungen, die in aktuellen Konfigurationen von bis zu 80 Kilowatt pro Rack unterstützen sollen, werden in Zukunft vermutlich nicht mehr ausschließlich bei den Hyperscalern, sondern auch flächendeckend in Colocation-Rechenzentren zu finden sein. Eine weitere Herausforderung ist der Umstieg auf erneuerbare Energien, was durch die Erderwärmung und weltweite Krisen angetrieben wird. Regulatorische Vorgaben wie das Energieeffizienzgesetz in Deutschland erhöhen die Anforderungen an jeden Betreiber eines Rechenzentrums.

„Jedes Unternehmen muss für sich selbst abwägen, ob und welches Rechenzentrumsmodell für die Umsetzung der eigenen Ziele am besten geeignet ist“, erklärt Sebastian Lai, Head of Commercial Products bei NTT Global Data Centers EMEA. „Colocation-Rechenzentren sind Teil des digitalen Backbones mit direktem Zugang zu Cloud-Plattformen, Peering- und Netzwerkanbietern. Städte wie Frankfurt haben sich als Magnet für die Branche entwickelt, so dass sich dort auch eine vielfältige Community aus den Bereichen Technologie, Netzwerk und IT-Service angesiedelt hat. Mit unseren Colocation- und Connectivity-Lösungen bieten wir Unternehmen ein flexibles und kalkulierbares Leistungsangebot, hohe Verfügbarkeit, geringe Latenz und höchstmögliche Sicherheit für ihre IT-Infrastruktur.“ Jürgen Frisch