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Das richtige Tool für jede Datenmigration

Jede IT-Organisation steht regelmäßig vor der Herausforderung, Daten migrieren zu müssen. Ob vom alten Speicher auf einen neuen oder gleich in die Cloud: Wer migrieren will, benötigt dafür ein passendes Tool, sprich, eine Migrationssoftware.

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Quelle: nmedia | shutterstock.com

Bei der Auswahl des passenden Tools stehen Nutzer vor der Qual der Wahl: Neben einer Vielzahl kommerzieller Tools stehen auch einige kostenfreie Tools zur Verfügung. Darüber hinaus bieten manche Hersteller ihre eigenen Tools für ihre Lösungen an: NetApp bietet XCP für CIFS (Common Internet File System) und NFS (Network File System); Dell bietet Emcopy für CIFS. Diese Tools von Hardware-Herstellern haben für Nutzer den Vorteil, dass sie meist im Paket inbegriffen sind und Fehler und Probleme im Rahmen des Support-Vertrages behandelt werden. Komplett kostenfrei sind beispielsweise die Freewares Robocopy und Rsync. Beide Tools haben jedoch jeweils prinzipielle Handicaps: Robocopy hat ein schwer parsebares Log-File und Rsync ist nicht multi-threaded. Bei der Berechnung der Kosten müssen unterschiedliche Lizenzierungsmodelle bereits in der Planungsphase miteinbezogen werden. So berechnen viele Anbieter kommerzieller Kopier-Tools die Lizenzkosten etwa nach Volumen der zu kopierenden Daten oder der Projektlaufzeit. Auch die Kosten für etwaige Schulungen von Mitarbeitern und die Dauer der Migration an sich sollten vorab berücksichtigt werden. Neben diesen grundsätzlichen Bedingungen gibt es bei der Wahl eines geeigneten Migrationstool noch zahlreiche weitere Faktoren zu bedenken.

Datenmigrationen erfordern professionelle Analyse, Planung und Umsetzung und sollten keinesfalls „nebenbei“ erledigt werden. Organisationen und IT-Abteilungen sind gut beraten, zu Beginn eines Migrationsprojektes eine detaillierte Checkliste für die Auswahl eines Migrationstools aufzustellen.” | Ralf Draeger, dynaMigs.net

Funktionsvielfalt bei Migrationstools

Eine der wichtigsten Funktionen, die ein Migrationstool mitbringen sollte, ist die Möglichkeit der Automatisierung. Wenn sich möglichst viele Migrationsprozesse mit dem gewählten Tool automatisieren lassen, bedeutet dies eine schnellere Migration mit hoher Qualität, da durch weniger manuelle Einflüsse weniger Fehler passieren. Darüber hinaus sollte man darauf achten, dass ein Tool die folgenden Funktionen mitbringt:

• Multi-threaded sollte ein Tool sein, da sich hohe Netzwerklatenzzeiten am besten parallelisiert umgehen lassen.
• Ein Tool muss „Purgen“ können. Das heißt, dass Dateien, die auf der Quelle gelöscht wurden auch auf dem Ziel entfernt werden.
• Ein gutes Tool sollte zwecks Automatisierung durch eine CLI (Command Line Interface) steuerbar sein. Das hilft bei größeren Projekten durch gut parsebare Log Files mit der Möglichkeit die Codepage für die Übersetzung der Dateinamen zu wählen.
• Es sollte die Bandbreite des Kopiervorgangs begrenzen können, um die Quelle nicht zu überlasten.
• Es sollte einen Filter für unerwünschte File-Typen haben.
• Sollte DIRs ausschließen können, wie etwa Snapshots.
• Einige Tools bieten einen vollen md5-Check der Daten auf Quelle und Ziel an. Das ist jedoch für die Kopierläufe eher hinderlich, da dann bei jedem Kopierlauf alle Daten gelesen werden müssen, was die Ausfallzeit extrem verlängert.


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Verifizierung der Migration

Neben der Auswahl eines passenden Kopier-Tools ist die Verifizierung der Daten nach der Migration durch ein unabhängiges Tool mit eigenem Algorithmus unerlässlich. In vielen Branchen ist sie sogar vorgeschrieben. Generell zählt die Verifizierung der Migration längst zum festen Bestandteil jeder korrekten Migration. Dabei gilt für die ordnungsgemäße Verifizierung, dass der Algorithmus, der die Richtigkeit der Migration bestätigen soll, nicht der gleiche ist, wie der des eigentlichen Migrationstools. Darüber hinaus sollte das Verifikationstool auch den Datenstand auf Quelle und Ziel zum Zeitpunkt der Umschaltung inklusive der Rechte dokumentieren, damit im Nachhinein die vollständige Migration nachgewiesen werden kann.

Besonderheiten bei CIFS-Migrationen

Sowohl unter CIFS als NFS gibt es zahlreiche Besonderheiten, die Einfluss auf die Wahl eines Migrationstools haben können. Unter CIFS kann man etwa einen nicht mehr existenten Nutzer nicht als Besitzer einer Datei eintragen. Wird eine Datei eines nicht mehr existierenden Nutzer migriert, so wird dann meist der Name des Admins genutzt unter dem das Kopier-Tool läuft. Deshalb sollte man diesen Account nach der Migration nicht löschen. Da er aber sehr mächtig ist, ist eine Deaktivierung des Accounts zu empfehlen. Wird bei der Migration nach Viren gescannt, so sollte bei der Initialkopie Virus-Checking auf dem Ziel und Scan-On-Read auf der Quelle ausgeschaltet werden, weil sonst die Virus-Checker überlastet werden. Der Virus-Checker sollte auf den Kopier-Hosts generell ausgeschaltet werden. Auch können Virus-Checker bei Kopieraktionen Warnungen für Ransomware hervorrufen. Um dies zu verhindern, müssen Exclude-Listen auf dem Checker angelegt werden. Ein guter Tipp bei Fehlermeldungen (zum Beispiel Error 5): Die Kommandozeile „net helpmsg <Nummer>“ zeigt eine ausführlichere Fehlerbeschreibung an.

Ein gutes Kopier-Tool für die Migration von Daten unter CIFS benötigt folgende Funktionen und sollte:
• mit den Rechten für den Backup-Admin arbeiten können, da sonst nicht alle Dateien migriert werden können.
• Auditing-Informationen mit übertragen können.
• Sid-History übertragen können.
• Reparse Points entdecken können (Links oder andere Absprungpunkte im Filesystem).
• Alternate Data Streams kopieren können.
• lokale Gruppen der Quelle auf das Ziel übertragen können.
• Shares der Quelle auslesen können, um sie gegebenenfalls mit anderem Pfad auf das Ziel zu übertragen.
• einen MMC-Check durchführen können, um zu überprüfen, ob alle Verbindungen der Quelle abgebaut wurden.

Spezielle Hinweise für Migrationen unter NFS

Auch für die Migration unter CIFS gibt es einige, wenn auch weniger Besonderheiten zu beachten. Ein gutes Tool sollte:
• Code-Pages übersetzen können (wenn mit NFSv3 gearbeitet wird).
• Hardlinks erkennen und korrekt behandeln.
• Sparse Files erkennen und korrekt behandeln.
• Posix ACLs behandeln können (Wichtig für NFSv4).

Fazit: Eine detaillierte Checkliste für die Auswahl eines Tools ist notwendig

Migration sind komplexe Projekte, die die Kronjuwelen eines Unternehmens betreffen: Die Daten und damit das Wissen der Organisation. Diese Projekte erfordern professionelle Analyse, Planung und Umsetzung und sollten keinesfalls „nebenbei“ erledigt werden. Neben einer guten Schulung der Mitarbeiter ist die Auswahl der richtigen Tools wichtig. Dazu gehören das Migrations-Tool selbst, Tools zur Verifizierung der migrierten Daten und bei größeren Migrationen Tools zur Automatisierung. Prinzipiell sollte ein Tool möglichst weit verbreitet sein und regelmäßig aktualisiert werden. Denn je mehr es verbreitet und genutzt wird, desto mehr Fehler im Code wurden repariert. Organisationen und IT-Abteilungen sind gut beraten, zu Beginn eines Migrationsprojektes eine detaillierte Checkliste für die Auswahl eines Migrationstools aufzustellen. Anhand dieser kann dann eine entsprechende Software ausgewählt werden. Insbesondere bei komplexen Migrationen kann es sich auch lohnen, Rat bei erfahrenen Daten- und Migrationsexperten einzuholen oder diese für die Migration zu engagieren.


Über den Autor

migrationstoolsRalf Draeger, Mitgründer und technischer Leiter von dynaMigs.net