Der erste Kundenkontakt entscheidet heute über die Stabilität nachgelagerter Prozesse.
In vielen Unternehmen beginnt dieser Kontakt weiterhin über eine zentrale Rufnummer. Doch das Modell der klassischen Telefonzentrale stößt an Grenzen, wenn Anrufvolumina schwanken, Fachpersonal fehlt und ERP-nahe Abläufe auf strukturierte, belastbare Daten angewiesen sind.

Die klassische Telefonzentrale war lange ein verlässlicher Bestandteil betrieblicher Abläufe. Eine zentrale Rufnummer, dahinter Mitarbeitende, die Anrufe annehmen, Informationen notieren und weiterleiten. Dieses Modell funktionierte, solange Anrufvolumen, Öffnungszeiten und Personal in einem stabilen Verhältnis standen. Diese Voraussetzungen sind heute kaum noch gegeben.
Unternehmen sehen sich mit stark schwankenden Anfragevolumina, Fachkräftemangel und steigenden Erwartungen an Reaktionsgeschwindigkeit konfrontiert. Gleichzeitig wird der erste Kundenkontakt immer relevanter für die Qualität nachgelagerter Prozesse. Wer hier unvollständige oder falsch strukturierte Informationen erzeugt, zahlt später mit Nacharbeit, Medienbrüchen und ineffizienten Abläufen. Gerade im Serviceumfeld zeigt sich, dass Voicebots im ERP nicht nur als Dialogsysteme fungieren, sondern als strukturierende Instanz am Prozesseingang. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Kommunikation und Prozess setzt der Einsatz von Voicebots an.
Telefonie ist ein Prozesseingang, kein Kommunikationskanal
In vielen Organisationen wird Telefonie noch immer als isolierter Kommunikationskanal betrachtet. Aus Prozesssicht ist sie jedoch ein Eingangspunkt für Daten. Und genau dort liegt das Problem. Klassische Telefonzentralen erzeugen Daten in sehr unterschiedlicher Qualität. Informationen werden je nach Person, Erfahrung oder Stresslevel unterschiedlich erhoben und dokumentiert. Für ERP-Systeme bedeutet das inkonsistente, unvollständige oder verspätete Datensätze.
Voicebots verändern diesen Einstiegspunkt grundlegend. Sie fungieren nicht primär als Dialogsysteme, sondern als strukturierende Instanz. Jeder Anruf folgt einem definierten Ablauf. Anliegen werden kategorisiert, relevante Informationen systematisch abgefragt und standardisiert erfasst. Aus einem Gespräch entsteht ein belastbarer Datensatz, der weiterverarbeitet werden kann.
Standardisierung als Voraussetzung für Prozessqualität
Der entscheidende Vorteil von Voicebots liegt nicht in der Automatisierung einzelner Antworten, sondern in der Standardisierung der Datenerhebung. Während menschliche Gespräche naturgemäß variieren, folgt ein Bot einer festen Logik. Das sorgt für gleichbleibende Qualität, unabhängig von Tageszeit, Auslastung oder Personalbesetzung.
Für ERP-nahe Prozesse ist das zentral. Nur standardisierte Eingangsdaten lassen sich effizient weiterverarbeiten. Ob es um Service-Tickets, Rückrufaufträge, Terminvereinbarungen oder Reklamationen geht: Je sauberer der Einstieg, desto stabiler der gesamte Prozess.
Voicebots übernehmen dabei die Vorqualifizierung. Sie klären, worum es geht, wie dringlich das Anliegen ist und welche Informationen intern benötigt werden. Erst danach wird entschieden, ob eine automatische Bearbeitung möglich ist oder ein Mensch eingebunden werden muss.
Voicebots im ERP entfalten ihren Nutzen erst durch Integration
Ein Voicebot entfaltet seinen Mehrwert nur dann, wenn er kein Inselsystem bleibt. Vor diesem Hintergrund ist die Integration in bestehende Systemlandschaften entscheidend. Dazu gehören Cloud-Telefonie, CRM, Ticketsysteme, ERP-Module, Kalender und gruppenbasierte Postfächer.
Wird ein Anliegen strukturiert erfasst, muss es direkt dort landen, wo es weiterbearbeitet wird. Ein Rückrufauftrag gehört in den Kalender oder ins Ticketsystem. Eine Serviceanfrage in das entsprechende Modul. Nur so entsteht ein durchgängiger Prozess ohne Medienbruch.
Voicebots werden damit zu vorgelagerten Prozessinstanzen. Sie sind kein Frontend im klassischen Sinne, sondern Teil der Prozessarchitektur. Gerade im ERP-Umfeld sorgt das für Transparenz und Steuerbarkeit.
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Entlastung durch klare Arbeitsteilung
Ein weiterer Effekt betrifft die Ressourcennutzung. In vielen Unternehmen beschäftigen sich qualifizierte Mitarbeitende täglich mit Anliegen, die keine Entscheidungskompetenz erfordern. Standardfragen, falsch adressierte Anrufe oder unvollständige Informationen blockieren Kapazitäten.
Voicebots filtern diese Anfragen vor. Sie beantworten einfache Fragen selbst, sammeln fehlende Informationen und geben nur die Fälle weiter, bei denen menschliche Entscheidung, Kulanz oder Fachwissen notwendig sind. Für ERP-Prozesse bedeutet das weniger Unterbrechungen, klarere Zuständigkeiten und stabilere Durchlaufzeiten.
Wichtig ist dabei, dass Automatisierung nicht zur Abschottung führt. Gute Voicebot-Konzepte haben definierte Eskalationspfade. Wer nicht weiterkommt oder bewusst mit einer Person sprechen möchte, wird transparent an einen Menschen übergeben. Der Bot strukturiert, der Mensch entscheidet.
Messbarkeit statt Bauchgefühl
Ein häufig unterschätzter Vorteil von Voicebots ist die Datenbasis. Klassische Telefonzentralen liefern nur begrenzt auswertbare Informationen. Voicebots dagegen erzeugen strukturierte Daten entlang des gesamten Prozesses. Annahmequoten, Abbruchraten, Lösungsquoten, Bearbeitungszeiten und Eskalationen lassen sich präzise messen.
Für Prozessverantwortliche eröffnet das neue Steuerungsmöglichkeiten. Engpässe werden sichtbar, Dialoge können angepasst und Prozesse gezielt optimiert werden. Voicebots werden so nicht nur effizienter, sondern entwickeln sich kontinuierlich weiter.
Voicebots als Teil moderner Servicearchitekturen
Für ERP-nahe Organisationen sind Voicebots im ERP kein Zusatztool, sondern Bestandteil einer stabilen Prozessarchitektur. So endet die Telefonzentrale nicht, weil Telefonie an Bedeutung verliert. Sie endet, weil Erreichbarkeit heute unabhängig von Öffnungszeiten, Schichten und individueller Verfügbarkeit funktionieren muss. Der klassische Vermittlungsplatz wird durch eine Serviceplattform ersetzt, die automatisiert, skalierbar und messbar ist.
Für ERP-nahe Organisationen bedeutet das einen Paradigmenwechsel. Voicebots sind kein Zusatztool, sondern ein Baustein moderner Prozessarchitekturen. Sie sorgen für saubere Eingangsdaten, entlasten Mitarbeitende und stabilisieren Abläufe entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Fazit: Warum Voicebots im ERP über Prozessqualität entscheiden
Voicebots sind kein Selbstzweck und kein reines Effizienzwerkzeug. Ihr eigentlicher Wert liegt in der Qualität der Eingangsdaten. Sie strukturieren den ersten Kundenkontakt und schaffen damit die Grundlage für stabile, durchgängige ERP-Prozesse. Denn ERP-Systeme scheitern selten an Funktionalität – sondern an inkonsistenten oder unvollständigen Daten. Wer den Prozesseingang standardisiert, erhöht Verlässlichkeit, Transparenz und Steuerbarkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Der Autor

Thomas Kress ist einer der profiliertesten IT-Sicherheitsexperten im deutschsprachigen Raum und Geschäftsführer der Deutschen CyberKom. Nach über 25 Jahren in leitenden Rollen bei internationalen IT-Projekten gründete er sein eigenes Unternehmen, das heute unter dem Dach der Deutschen CyberKom IT-Security und Telekommunikation strategisch vereint.


