Unklare Bestände, manuelle Prüfungen, fehlerhafte Lieferungen – viele Lagerprozesse bremsen die Effizienz. KI-gestützte Bestandskontrolle digitalisiert die Lagerüberwachung und ermöglicht präzise Inventuren in Echtzeit.

Automatisierte Lagersysteme werden immer raffinierter und leistungsstärker. Doch trotz fortschreitender Robotik und Automatisierung erfolgt die Bestandskontrolle häufig noch durch manuelle Prozesse. Vielen Unternehmen fehlt daher ein klarer Überblick über die Artikel in ihren Behältern. Bestandsdaten werden so zu einem „schwarzen Loch“ – einer unsichtbaren Schwachstelle, die Unsicherheiten schafft und hohe Kosten verursacht.
Ein zentrales Problem der händischen Datenpflege liegt im Mangel an zuverlässigen Informationen über den Zustand und die Beschaffenheit gelagerter Waren. Oft ist unklar, ob Artikel beschädigt, falsch verpackt oder für den Versand ungeeignet sind. In solchen Fällen müssen Mitarbeitende vor Ort eingreifen, um Fehler zu beheben, Bestände zu sortieren oder Aufträge neu zu organisieren. Diese Eingriffe erhöhen den Personalaufwand und verlangsamen die Bearbeitungszeiten, was die gesamte Logistikkette beeinträchtigt.
Besonders problematisch wird es bei den Versandkosten: Fehlen präzise Angaben zu Produkteigenschaften wie Größe, Gewicht oder Volumen, werden häufig überdimensionierte Verpackungen genutzt. Die Folge sind unnötig hohe Ausgaben für Versand und Verpackungsmaterial sowie eine Verschwendung wertvoller Ressourcen. Diese Ineffizienzen belasten nicht nur die Kostenstruktur der Unternehmen, sondern auch die gesamte Logistikleistung.
KI-gestützte Bestandskontrolle hat viele Vorteile
Dank der rasanten Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) erleben Bestandskontrollen eine Revolution. Erstmals können Unternehmen ihre Lagerbestände automatisiert und in Echtzeit überwachen. Die KI-gestützte Bestandskontrolle verbessert nicht nur die Datenqualität erheblich, sondern erkennt auch Unstimmigkeiten sofort und reagiert automatisch darauf. Das Resultat: Genauere Bestandsdaten, eine deutliche Fehlerreduktion und spürbare Kostensenkungen.
Durch KI-gestützte Lösungen wird die gesamte Lagerverwaltung effizienter. Systeme können eigenständig Anomalien identifizieren, beispielsweise falsch platzierte oder beschädigte Artikel, und gezielte Maßnahmen einleiten. Dies reduziert den Bedarf an manuellen Eingriffen, beschleunigt Prozesse und minimiert den Aufwand für Inventuren.
Die Vorteile gehen jedoch über Kostenersparnisse hinaus. KI-gestützte Lösungen schaffen eine höhere Transparenz in der Lieferkette und ermöglichen fundiertere Entscheidungen – von der Lagerplanung bis hin zur Optimierung von Versandprozessen. Außerdem tragen sie zu einer nachhaltigeren Logistik bei, indem sie den Einsatz von Ressourcen wie Verpackungsmaterialien und Lagerflächen optimieren.
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Beispielhafte Systeme zur automatisierten Bestandskontrolle
In der Praxis kommen zunehmend Systeme zum Einsatz, die eine lückenlose Echtzeitüberwachung von Lagerbehältern mithilfe von Kameras und KI ermöglichen. Diese Lösungen bestehen in der Regel aus zwei zentralen Komponenten: einer optischen Erfassungseinheit, die den physischen Bestand visuell dokumentiert, und einer Software, die diese Daten mithilfe von künstlicher Intelligenz analysiert.
Dabei können Abweichungen – etwa beschädigte, fehlende oder falsch verpackte Artikel – automatisch erkannt und dokumentiert werden. Ein benutzerfreundliches Dashboard liefert den Anwendern einen Überblick über den aktuellen Lagerzustand und ermöglicht es, gezielt auf potenzielle Probleme zu reagieren.
Ein Beispiel für ein solches System ist „Sereact Lens“: Die Lösung basiert auf einer hochauflösenden Kamera in Kombination mit einer leistungsfähigen KI-Software und ermöglicht es Unternehmen, von einer reaktiven zu einer proaktiven Lagerverwaltung überzugehen.
Einsatzbereiche solcher Lösungen
KI-gestützte Systeme zur Bestandsüberwachung lassen sich an vielen Stellen entlang der Logistikkette einsetzen – vom Wareneingang über das laufende Lager bis zum Warenausgang und Retourenmanagement.
Im Wareneingang prüfen sie den Zustand der Ware, erkennen Anomalien automatisch und dokumentieren den Inhalt visuell – ein wichtiger Beitrag zur Qualitätssicherung. Während des laufenden Betriebs halten sie den Bestand in Echtzeit aktuell und machen manuelle Inventuren überflüssig.
Im Warenausgang ermöglichen sie eine letzte Qualitätskontrolle, bevor Produkte das Lager verlassen, und helfen dabei, Reklamationen zu vermeiden. Auch im Retourenmanagement unterstützen solche Systeme, indem sie Rücksendungen automatisch kategorisieren und differenzierte Folgeprozesse einleiten – von der Wiedereinlagerung bis zur gezielten Prüfung.
In Kombination mit Robotik lassen sich diese Lösungen noch weiter automatisieren: Die KI analysiert kontinuierlich den Lagerbestand, erkennt Auffälligkeiten und übermittelt diese Informationen direkt an automatisierte Fördersysteme. Das Ergebnis sind reibungslose Abläufe, reduzierte Fehlerquoten und eine insgesamt höhere Prozesssicherheit.
Fazit: KI-gestützte Bestandskontrolle schließt die größte Lücke in der Intralogistik
Die automatisierte, KI-gestützte Bestandskontrolle in Software-Systemen adressiert zentrale Schwachstellen der modernen Intralogistik: manuelle Eingriffe, fehlende Bestandsdaten und unzuverlässige Prozesse. Sie sorgen für präzise Echtzeit-Überwachung, reduzieren menschliche Fehler und schaffen verlässliche Transparenz entlang der gesamten Logistikkette. Unternehmen profitieren von geringeren Kosten, effizienteren Abläufen und einer deutlichen Entlastung ihrer Mitarbeitenden. Gleichzeitig führt die verbesserte Bestandskontrolle zu höherer Kundenzufriedenheit, da fehlerhafte Lieferungen minimiert und Retourenprozesse beschleunigt werden.
Der Autor
Lukas Wagenblast ist Strategy & Execution Manager bei Sereact.