Startseite Software und Technologie Edge Computing fordert die Rechenzentren heraus

Edge Computing fordert die Rechenzentren heraus

Ein Data Warehouse in einem zentralen Rechenzentrum – so laufen bisher die meisten Analytics-Anwendungen. Künftig wird ein großer Teil Datenhaltung und Auswertungen ans Edge wandern, argumentiert der Speicherspezialist Pure Storage.

Quelle: sdecoret | Adobe Stock

Daten sind zum Motor des Fortschritts geworden. Unternehmen nutzen sie, um Erfahrungen zu optimieren, Abläufe zu straffen, Customer Services zu verbessern und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Regierungen nutzen sie, um die Städte der Zukunft zu bauen, den Verbrauch von Versorgungs- und Energie-Ressourcen zu planen und Krisen wie die Covid-Pandemie zu bewältigen.

91 Prozent der Daten werden heute nach Angaben von Gartner in Rechenzentren verarbeitet, entweder in der Cloud oder on premises. Die Analysten prognostizieren jedoch, dass sich das Gleichgewicht bis zum Jahr 2025 zur Edge verlagern wird, wo dann 75 Prozent aller Datenverarbeitungen stattfinden. „Zentralisierte Datenspeicher werden künftig überflüssig, weil die bisherigen Konzepte für den Zugang zu Ergebnissen weniger gelten“, argumentiert Fred Lherault, Field CTO EMEA bei Pure Storage. „Vorausschauende Organisationen sollten Daten an der Edge analysieren, denn dort werden sie erzeugt.“ Lherault nennt fünf Argumente, warum Unternehmen in Edge Computing investieren sollten.

1. Schnelle Reaktionszeiten

Die Architektur von Edge Computing platziert Anwendungen, Daten und Ressourcen nahe an dem Ort, wo sie erzeugt werden. Vorbei sind die Zeiten, wo Daten in ein Rechenzentrum wandern, das eventuell Hunderte, wenn nicht Tausende von Kilometern entfernt ist.

Werden die Daten an der Edge analysiert, verkürzen sich die Reaktionszeiten und die Unternehmen erhalten die Ergebnisse schnell. Edge-Anwendungen seien in der Lage, Daten vor Ort zu verarbeiten und zu visualisieren, so dass aussagekräftige Informationen sofort verfügbar seien. Diese Fähigkeit bringe in vielen Branchen große Vorteile. Fertigungsunternehmen könnten eine vorausschauende Wartung durchführen und Geräte reparieren, bevor sie abgenutzt werden oder ausfallen. Dienstleister im Gesundheitswesen könnten Sensoren und Überwachungssysteme einsetzen, um die Diagnose und die Behandlung zu verbessern. Die Transportindustrie werde durch autonome Fahrzeuge umgestaltet. Derartige Fahrzeuge müssten die Daten vor Ort verarbeiten. Das Kopieren an einen entfernten Standort stelle ein Risiko dar, weil sich durch die lange Antwortzeit die Reaktionen des Fahrzeugs verzögern. Einen ähnlichen Bedarf für Echtzeit-Berechnungen habe Augmented Reality, eine Edge-Technologie, die Anwendungen im Einzelhandel, im Bildungswesen und in der Unterhaltungsindustrie finde.

2. Höhere Ausfallsicherheit

Ein wichtiger Vorteil des Edge Computing besteht laut Pure Storage in der Business Continuity. Im Falle einer Störung in einem zentralen Rechenzentrum könnten die Edge-Standorte unabhängig weiterarbeiten, da sich die Infrastruktur vor Ort befindet. Edge-Plattformen ermöglichten schnelle, konsistente und zuverlässige Dienste und verbesserten die Erfahrungen von Kunden und Mitarbeitern.

Weithin unbekannt sei die Tatsache, dass Edge Computing nicht zwangsläufig mit dem Internet verbunden sein muss. Das sei in vielen Branchen von Vorteil. So könne ein Edge-System in einer ländlichen Bergbaustätte bei einem Verbindungsabbruch autonom weiterarbeiten und bei Wiederherstellung der Verbindung Daten synchronisieren und übertragen.

3. Kostengünstige Datenübertragung

Bei der Bewertung von der Wirtschaftlichkeit von Edge Computing taucht oft der Begriff „Datengravitation“ auf. Expertenschätzungen gehen davon aus, dass Forbes Global 2000-Unternehmen bis 2024 jede Sekunde 1,1 Millionen Gigabyte an Daten erzeugen. Die Übertragung dieser Daten ist mit einem hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Kosten verursache der Ausbau der Netzwerkbandbreite. Edge Computing könne hier Abhilfe schaffen: Anstatt ständig Daten zu streamen, würden die Informationen an Ort und Stelle verarbeitet und nur die wichtigsten Informationen in die Zentrale übermittelt. So sinken die Verbindungskosten.

4. Sicherheit und Datenhoheit

In den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen Ländern gibt es strenge Vorschriften, die den Datenverkehr über die Landesgrenzen hinweg einschränken. Da Edge Computing die Daten vor Ort verarbeitet, lassen sich derartige Vorschriften damit ohne Probleme einhalten. Unterliegt das Rechenzentrum anderen Gesetzen zur Datensicherheit als der Edge-Standort, ließen sich die Datenpakete vor der Übertragung zum Rechenzentrum verschlüsseln.

5. Innovation

Künstliche Intelligenz und Machine Learning setzen sich nach und nach durch, weil Unternehmen damit ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Edge Computing stärke die Automatisierung sowie Applikationen auf Basis von Künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge, weil es die dazugehörigen Algorithmen mit aktuellsten Daten versorgt.

Sensoren an den Edge-Maschinen könnten schnell auf Machine-Learning-Algorithmen reagieren. Da die Menge der übertragenen Daten auf das Wesentliche schrumpfe und keine Zeit durch Netzwerklatenz verloren gehe, stünden die Erkenntnisse von Machine Learning schnell zur Verfügung.

Ähnliche Vorteile gelten laut Lherault in den Bereichen Automatisierung und verteilte Analytics. Unternehmen, die Edge-Implementierungen verwalten möchten, könnten Container sowie Schichten für Netzwerk und Datenabstraktion nutzen, um sicherzustellen, dass ihre Anwendungen unabhängig vom Standort auf dieselbe Weise bereitgestellt werden. Dies vereinfache den IT-Betrieb und verringere die Zeit für das Verwalten und das Verschieben von Daten.

Ein Gatekeeper erkennt die strategischen Daten

„Künftig ist es nicht mehr nötig, sämtliche Daten zu einem zentralen Standort zu transportieren“, erläutert Lherault. „In einer Welt, in der unstrukturierte Informationen exponentiell zunehmen, kann nicht jeder einzelne Datensatz einen Mehrwert schaffen. Es muss einen Gatekeeper geben – was sowohl ein physisches Gerät als auch eine qualifizierte Person sein kann, die zwischen strategischen und nicht-strategischen Informationen unterscheiden kann, die nicht verschoben werden müssen. Diese Unterscheidung ermöglicht Innovationen und verschafft Wettbewerbsvorteile.“

Edge-Standorte lassen sich nach Aussage des Pure-Storage-CTO automatisiert verwalten: „Infrastructure-as-a-Code kann über viele Standorte hinweg eingesetzt und gewartet werden, unabhängig davon, ob diese sich am Rande oder im Zentrum befinden. Eine Plattform für verteilte Analytics untersucht dann die Daten von jedem beliebigen Standort aus, ohne sie erst an eine Zentrale zu kopieren.“ Jürgen Frisch