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Jeder KI-Agent braucht jetzt einen Business Case

Ein Abo-Modell, das die Arbeit aller KI-Agenten abdeckt – das war einmal. Künftig fällt für das Agentensystem nicht nur eine monatliche Pauschale an, sondern auch nutzungsabhängige Gebühren. Um den Kostenrahmen nicht zu sprengen, braucht nun jeder Anwendungsfall einen Business-Case.

KI-Agenten im Kundenservice
©demaerre | istockphoto.com

Heinzelmännchen: Copilot Cowork ist ein KI-Agentensystem von Microsoft, das eng in das Office-Bundle Microsoft 365 integriert ist. Der klassische Copilot von Microsoft beantwortet hauptsächlich Fragen und erstellt Textentwürfe. Copilot Cowork hingegen führt als agentisches System komplexe und langlaufende Aufgaben autonom über mehrere Applikationen hinweg aus. Mit dieser neuen Arbeitsweise gewinnen auch die KI-Agenten Kosten an Bedeutung.

Seine Stärken spielt Copilot Cowork laut Microsoft bei der Koordination von Aufgaben aus, die bisher manuelle Eingaben in verschiedenen Programmen erforderten. Zum Beispiel das Vorbereiten von Kundenbesuchen: Statt dass der Anwender E-Mails, Besprechungsnotizen und Word-Dateien sichtet, wertet die Künstliche Intelligenz diese Informationen autonom aus, erstellt Briefing-Dokumente sowie eine Präsentation und speichert diese in Microsoft Sharepoint.

Ab sofort kostet jede Abfrage eine Gebühr

Mit dem Ende der Preview-Phase Anfang Juli hat sich für Copilot Cowork eine wichtige Änderung ergeben: zusätzlich zum Abonnement wird nun eine nutzungsbasierte Gebühr fällig. Basis ist das Abonnement für Microsoft 365 Copilot in Höhe von 28 Euro pro Nutzer und Monat. Hinzu kommen die nutzungsabhängigen Gebühren für die Arbeit von Copilot Cowork, die in sogenannten Copilot Credits abgerechnet werden.

Der Preis pro Aufgabe ergibt sich aus vier Faktoren: welches Modell zum Einsatz kommt, wieviel Kontext gesammelt wird, wieviele Tool-Aufrufe nötig sind und wie lange die Aufgabe läuft. Eine kurze Aufgabe auf einem leichten Modell ist günstig, während eine lange Recherche über viele Tools auf einem starken Modell spürbar mehr kostet. „Eine einfache Anfrage kostet 2 bis 3 Dollar, für eine schwierige Recherche können 7 Dollar oder mehr fällig werden“, rechnet Microsoft-Consultant Anni Douberly vor.

Den Hintergrund des Preismodells erläutert Torsten Hufsky, Gründer und CEO des Beratungshauses aithoris GmbH: „Die Phase, in der IT-Anbieter agentenbasierte Arbeit quersubventioniert haben, geht zu Ende. Ein Agent, der minutenlang mit Modellen und Tools arbeitet, verbraucht sehr viel Rechenleistung. Diese Kosten reichen die Hersteller über die verbrauchsabhängige Gebühr an die Kunden weiter.“

Jeder Anwendungsfall braucht einen Business Case

Die Folge des neuen Preismodells beschreibt Hufsky so: „Jeder Anwendungsfall braucht nun einen Business Case.“ Bevor die nutzungsabhängige Gebühr eingeführt wurde, spielte es keine Rolle, ob ein Agent zweimal im Monat oder fünfzigmal am Tag lief. Das Abonnement deckte sämtliche Kosten ab. Künftig kostet jeder Agentenlauf, sodass Unternehmen prüfen müssen, ob sich der jeweilige Use Case wirtschaftlich rechnet.

Die KI-Agenten-Kosten sollten deshalb für jeden Anwendungsfall dem erwarteten Nutzen gegenübergestellt werden. „Ein Agent, der einen mühsamen Vertragsvergleich von vier Tagen auf wenige Stunden verkürzt, hat einen klar positiven Return on Investment – auch wenn jeder Lauf Credits kostet“, erläutert Hufsky. „Ein Agent, der eine nette, aber selten genutzte Spielerei automatisiert, rechnet sich vielleicht nicht mehr. Genau diese Fälle gehören jetzt auf den Prüfstand.“

Vertiefung ⇓

microsoft dynamics partner guideMicrosofts Agenten-Ära strategisch einordnen

Microsoft erweitert sein Lösungsportfolio zunehmend um KI-Agenten und cloudbasierte Plattformdienste. Der Microsoft-Partner-Guide bietet Orientierung zu Technologien, Einsatzszenarien und geeigneten Implementierungspartnern. Enthalten sind Fachartikel, Marktübersichten und Partnerinformationen rund um Microsoft Dynamics, Cloud-Lösungen und Künstliche Intelligenz.

Unter anderem enthält er den Beitrag „Volle Fahrt in Richtung KI – Microsoft treibt die Agenten-Ära voran“ von Dr. Karsten Sontow, Vorstandsvorsitzender der Trovarit AG, der die Entwicklung agentischer KI-Systeme und Microsofts KI-Strategie einordnet.

Download | Microsoft Dynamics-Guide

Controlling zur Pflichtdisziplin

Das Kostencontrolling wird beim nutzungsabhängigen Pricing zur Daueraufgabe. Nur wenn Unternehmen die KI-Agenten Kosten kontinuierlich überwachen, lassen sich Budgets einhalten und wirtschaftliche Einsatzszenarien identifizieren. Microsoft hat dafür ein Cost-Management-Cockpit ins Admin-Center von Microsoft 365 integriert. Es zeigt den Verbrauch und die verbleibende Kapazität in Echtzeit an und schlüsselt die Kosten im Detail nach Nutzer, Gruppe, Dienst und eingesetzten Agenten auf.

In den sogenannten Spending-Policies legen Unternehmen ein Monatsbudget fest. Ist das Limit erreicht, verlieren Anwender den Zugriff auf die Agenten und Dienste. Erst zum Monatswechsel stehen wieder neue Credits zur Verfügung. „Copilot ist vielerorts ein fester Teil des Arbeitsablaufs“, erläutert Hufsky. „Sind die Credits aufgebraucht, ist dieses Werkzeug nicht mehr verfügbar. Deshalb sollten Unternehmen idealerweise konservativ starten und die Limits schrittweise für diejenigen Mitarbeiter anpassen, die viel damit arbeiten.“

Credits nicht vorschnell auf Vorrat kaufen

Credits können Unternehmen vorab kaufen, entweder als Capacity-Pack oder im Rahmen eines einjährigen Pre-Purchase-Plans. Beide Pläne bieten Rabatte und wechseln auf Pay-as-you-go, sobald die Kapazität erschöpft ist. Der Haken von Pre-Purchase: Nicht verbrauchtes Guthaben verfällt am Jahresende. „Vorauszahlung lohnt sich erst, wenn Unternehmen ihren ungefähren Verbrauch kennen, nicht am ersten Tag“, warnt Hufsky.

Anni Douberly benennt eine weitere Möglichkeit, Credits zu sparen: „Unternehmen sollten Copilot Cowork nicht für Aufgaben nutzen, die bereits Copilot erledigen kann.“ Fünf Beispiele benennt die Beraterin: Ein Sitzungsprotokoll lässt sich mit Microsoft Teams und Outlook Copilot erstellen. Ein Angebot aus einer Vorlage erstellt der Copilot in Microsoft Word. Das wöchentliche Status-Update liefert ein Prompt in Copilot Chat. Recherchen erledigt ein Recherche-Agent. Jürgen Frisch