Aufrichtige IT-Agenten, digitale Systeme, die Gefühle erkennen und Plattformen, die sich selbst optimieren – das prognostiziert der Technology Foresight Report. Die Studie gibt IT-Herstellern und Unternehmen Hinweise, wie sie ihre Marktstellung verteidigen.

Mass Intelligence: Der übergreifende Technologietrend
Mass Intelligence nennt sich der übergreifende Trend in diesem Jahr. Marktbeobachter gehen davon aus, dass Künstliche Intelligenz bald in der breiten Bevölkerung ankommt und das Leistungspotenzial der Menschen steigert. Viele Unternehmen priorisieren aktuell Investitionen in Tools, die auf Lernen, Anpassungsfähigkeit und autonomes Handeln ausgerichtet sind.
Da sich die Welt der intelligenten Systeme schnell wandelt, müssen Unternehmen mittel- und langfristig orientierte Strategien entwickeln, um ihre Marktposition zu sichern. Hinweise dafür gibt der NTT DATA Technology Foresight Report. NTT DATA selbst nutzt diese Trendanalyse als Leitlinie, um als IT-Dienstleister gemeinsam mit Kunden neue Geschäftsmodelle zu entwerfen und die dazugehörigen Technologien sowie Services zu entwickeln.
📌Lesetipp: KI verändert Geschäftsprozesse
Wie Künstliche Intelligenz bereits heute Geschäftsprozesse und Unternehmenssoftware verändert, analysiert Dr. Karsten Sontow in seinem Beitrag:
➡️ Wie Künstliche Intelligenz Geschäftsprozesse neu definiert – KI und Business Software
Der Fachartikel zeigt, wie KI Funktionen in ERP-, CRM- und anderen Business-Systemen erweitert und welche Auswirkungen das auf Effizienz, Automatisierung und Entscheidungsprozesse hat.
Die diesjährige Ausgabe des Technology Foresight Report analysiert sechs Trends, die die Entwicklung von Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft prägen.
Trend #1: Vom Menschen orchestrierte Autonomie
Intelligente IT-Systeme können mittlerweile größtenteils unabhängig agieren. IT-Agenten sind dafür ein gutes Beispiel. Der Trend geht somit von reiner Automatisierung hin zu echter Autonomie. Es wird allerdings weiterhin wichtig sein, dass die Systeme sich an menschlichen Zielen und Ethikvorgaben orientieren. So entwickelt sich Autonomie zu einem kollaborativen Vorgang, bei dem die Stärken von Mensch und Maschine zusammenspielen. Das Ziel besteht nicht darin, den Menschen zu ersetzen, sondern dessen Urteilsvermögen durch menschlich orchestrierte Künstliche Intelligenz zu skalieren.
Trend #2: Emotional bewusste KI-Systeme
Digitale Systeme entwickeln gerade emotionale Intelligenz, indem sie Empathie und affektives Verständnis in Interaktionen einbetten. IT-Agenten erkennen Tonfall, Gestik und Mimik, passen Kommunikation dynamisch an und fördern so Vertrauen, Loyalität und kooperative Interaktion. Emotionale Rückmeldungen ermöglichen eine wechselseitige Anpassung und Lernprozesse zwischen Menschen und IT. Unternehmen, die Empathie in Software integrieren, vermenschlichen die digitale Transformation und machen emotionale Intelligenz zur Grundlage von Produktivität, Kreativität und sozialer Resilienz.
Trend #3: Vertrauenswürdige Intelligenz
Mit zunehmender Autonomie und emotionaler Intelligenz wird Vertrauen zum wichtigsten Faktor beim Umgang mit digitalen Systemen. Unternehmen müssen sicherstellen, dass intelligente IT-Systeme transparent, nachvollziehbar und an menschlichen Werten ausgerichtet sind. Cybersicherheit entwickelt sich zu adaptiver Intelligenz, die Bedrohungen vorhersagt, Gegenmaßnahmen orchestriert und sowohl Netzwerke als auch die intelligenten IT-Systeme selbst schützt. Mit erklärbaren Algorithmen, Zero-Trust-Architekturen und ethischen Rahmenwerken wird Verantwortlichkeit messbar. So steigt das Vertrauen.
Trend #4: Mitdenkende Infrastruktur
Im Konzept der „Informed Infrastructure“ entwickelt sich die IT-Landschaft zu einer aktiven Grundlage für Innovation. Dank Continuous Intelligence optimieren die IT-Systeme Leistung, prognostizieren die Nachfrage und balancieren Agilität, Kosten, Kontrolle sowie Nachhaltigkeit aus. Das Optimieren erstreckt sich über Inhouse-Geräte, Edge-Systeme und Cloud-Anwendungen und orchestriert die Workloads dort, wo sie den größten Nutzen und die höchste Effizienz liefern.
Trend #5: Souveräne Chip-Ökosysteme
Halbleiterinnovation ist von großer Bedeutung für nationale Resilienz und technologische Souveränität. Staaten bauen durchgängige Chip-Ökosysteme auf, um Lieferketten abzusichern, geistiges Eigentum zu schützen und ihre Führungsposition im Computing zu erhalten. Souveränität bedeutet allerdings keineswegs Isolation. Ideal sind kollaborative Ökosysteme zwischen Regierung, Wissenschaft und Industrie. Nachhaltige Praktiken wie ethische Beschaffung, Recycling und energieeffiziente Fertigung verbinden Unabhängigkeit mit globaler Zusammenarbeit. Kontrolle über Halbleitertechnologie wird in den kommenden zehn Jahren gleichbedeutend mit Kontrolle über Intelligenz und der Gestaltung einer gerechten, resilienten und innovativen digitalen Wirtschaft.
Trend #6: Von trügerischer Effizienz zu Suffizienz
Der Fortschritt legt keinen alleinigen Fokus mehr auf Effizienz, sondern umfasst auch Nachhaltigkeit und Suffizienz. Suffizienz bezeichnet das „richtige Maß“, wenn es um Rohstoffeinsatz und Energieverbrauch geht. Künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge optimieren Ressourcennutzung, befeuern Innovation. Organisationen erkennen zunehmend, dass weniger Komplexität sowie ein geringerer Energie- und Materialeinsatz zu mehr Vertrauen, Kreativität und nachhaltigem Erfolg führen.
„Angesichts von Mass Intelligence verlagern wir unseren Fokus von Beschleunigung hin zu Sinnhaftigkeit“, betont Oliver Köth, Managing Director Technology & Innovation bei NTT DATA DACH. „Kommen emotional bewusste Systeme, souveräne Rechenkapazitäten und vertrauenswürdige Infrastrukturen zusammen, stärkt die Technologie die Resilienz und untermauert die Werte, die unsere gemeinsame Zukunft prägen.“ Jürgen Frisch


