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Agentic Commerce: Wie viel Kontrolle geben Kunden wirklich ab?

Künstliche Intelligenz soll künftig nicht nur beraten, sondern selbst einkaufen: Produkte suchen, vergleichen, auswählen und bezahlen – autonom und im Auftrag des Nutzers. Was nach Komfortgewinn klingt, wirft eine zentrale Frage auf: Wie viel Entscheidungsfreiheit sind Verbraucher tatsächlich bereit, einer KI zu überlassen?

Agentic Commerce
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Eine aktuelle Umfrage des Finanzdienstleisters Riverty und der Finanztechnologie-Plattform Adyen zeigt: Das Interesse an sogenanntem Agentic Commerce – also autonom handelnden KI-Agenten im Einkauf – ist vorhanden. Doch das Vertrauen bleibt begrenzt.

Kleine Budgets, große Vorbehalte

Die Hälfte der Befragten würde einer KI ein monatliches Ausgabenlimit von maximal 50 Euro einräumen. Weitere 24 Prozent könnten sich bis zu 100 Euro vorstellen, 15 Prozent sogar bis zu 250 Euro. Hohe Budgets bleiben damit die Ausnahme.
Auffällig sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Während die 55- bis 65-Jährigen besonders zurückhaltend sind, zeigen sich die 25- bis 34-Jährigen am offensten für höhere Budgets. Die Gen Z bewegt sich überwiegend im mittleren Rahmen bis 100 Euro.
Die Zahlen deuten darauf hin, dass Verbraucher zwar neugierig auf KI-gestützte Einkaufsprozesse sind – die Autonomie der Systeme jedoch klar begrenzen wollen.

Transparenz und Eingriffsmöglichkeiten sind entscheidend

93 Prozent der Deutschen möchten KI-Entscheidungen jederzeit einsehen oder stoppen können. Fast jeder Zweite wünscht eine finale Bestätigung durch einen Menschen – insbesondere bei teuren oder sensiblen Produkten. Frauen sprechen sich etwas häufiger für eine zusätzliche Kontrolle aus als Männer.
Die Ergebnisse verdeutlichen: Komfort wird zwar geschätzt, ein Kontrollverlust jedoch klar abgelehnt.
Auch emotional überwiegt Zurückhaltung. 46 Prozent verbinden KI-gestütztes Einkaufen mit Skepsis, 44 Prozent mit einem Gefühl des Kontrollverlusts. Gleichzeitig äußern 33 Prozent Neugier – besonders in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen. Transparenz spielt daher eine zentrale Rolle: 79 Prozent geben an, dass klare Informationen über Datennutzung und Entscheidungslogik ihr Vertrauen stärken würden.

Akzeptanz hängt von der Produktkategorie ab

Nicht alle Warengruppen eignen sich aus Verbrauchersicht gleichermaßen für den KI-Einsatz. Am größten ist die Offenheit bei Unterhaltungsartikeln (63 Prozent). Elektronik, Gadgets und Lebensmittel folgen mit jeweils 60 Prozent Zustimmung.
Deutlich sensibler reagieren Verbraucher bei Kinderspielzeug sowie Schönheits- und Gesundheitsprodukten. Hier scheint das Bedürfnis nach persönlicher Entscheidungshoheit besonders ausgeprägt.
Für Händler bedeutet das: Der Erfolg agentenbasierter Einkaufsmodelle dürfte stark von der jeweiligen Produktkategorie abhängen.

Vertrauen entsteht über Zahlungsmodelle

Eine besondere Rolle spielt die Wahl der Zahlungsmethode. Mehr als 55 Prozent würden beim KI-Einkauf dem Rechnungskauf am stärksten vertrauen. Kreditkarte und Lastschrift folgen mit jeweils 13 Prozent deutlich abgeschlagen. Insgesamt geben 70 Prozent an, dass Rechnungskauf oder Buy Now, Pay Later ihr Vertrauen in automatisierte Käufe erhöhen würden.
Offenbar bevorzugen Verbraucher Zahlungsmodelle, die nachgelagerte Kontrolle ermöglichen – etwa durch Prüf- oder Reklamationsmöglichkeiten. Das unterstreicht: Nicht die Technologie selbst ist die größte Hürde, sondern das wahrgenommene Risiko.

Agentic Commerce: Vertrauen entsteht nur unter klaren Bedingungen

Die Ergebnisse zeigen kein grundsätzliches Misstrauen gegenüber KI im Handel. Vielmehr wünschen sich Verbraucher klare Leitplanken: transparente Entscheidungslogiken, jederzeitige Eingriffsmöglichkeiten und vertraute Zahlungsmodelle.
Agentic Commerce stößt auf Interesse – aber nur unter der Voraussetzung, dass Nutzer die Kontrolle behalten. Für Händler bedeutet das: Autonome Systeme müssen erklärbar, überprüfbar und reversibel sein. Erst dann dürfte aus technischer Innovation auch tatsächliche Akzeptanz entstehen.


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Über die Umfrage

Die aktuelle Verbraucherumfrage von Riverty und Adyen untersucht die Haltung der Deutschen zu KI-Einkäufen, bei denen KI-Agenten als digitale Assistenten agieren und Auswahl, Zahlung und Bestellung eigenständig abwickeln. Sie wurde vom 03.12.2025 bis 04.12.2025 unter 1.000 Befragten in Deutschland über das Umfrageinstitut Appinio durchgeführt. Befragt wurden jeweils 500 Frauen und Männer.