Viele Unternehmen haben ihre Produktion digitalisiert – und kämpfen trotzdem mit manueller Steuerung. Warum die Smart Factory nicht an der Technologie scheitert, sondern an fehlender Datenintegration und unklaren Systemrollen.

Viel Software – aber keine durchgängige Steuerung
In vielen Produktionsunternehmen ist die IT-Landschaft längst aufgebaut: ERP-Systeme steuern Aufträge und Materialflüsse, Shopfloor-Lösungen erfassen Betriebsdaten, Maschinen sind angebunden und Qualitätsprozesse digitalisiert. Auf dem Papier scheint damit alles vorhanden zu sein, was für eine moderne Produktion erforderlich ist. Und trotzdem zeigt der Alltag ein anderes Bild: Ein zentraler Engpass ist dabei die Datenintegration in der Produktion: Abstimmungen erfolgen manuell, Daten widersprechen sich, Entscheidungen werden verzögert oder auf Basis unsicherer Informationen getroffen. Produktionsplanung, Qualitätssicherung und Instandhaltung arbeiten nebeneinander – aber nicht wirklich zusammen. Der Shopfloor wird trotz Digitalisierung häufig über Zuruf stabilisiert.
Das eigentliche Problem liegt nicht in der Software
Der Grund dafür liegt selten in fehlender Software. Viel häufiger fehlt es an etwas Grundlegenderem: einer belastbaren Verbindung zwischen den Systemen. Denn die Leistungsfähigkeit einer Smart Factory entscheidet sich nicht an einzelnen Anwendungen, sondern daran, ob Planung, Ausführung und Rückmeldung in der täglichen Steuerung wirklich ineinandergreifen. In vielen Unternehmen ist genau das nicht der Fall. Daten sind zwar vorhanden, folgen jedoch unterschiedlichen Logiken, werden in getrennten Kontexten gepflegt oder lassen sich nicht konsistent zusammenführen. Die Datenintegration in der Produktion ist somit die zentrale Voraussetzung für eine funktionierende Steuerung. Damit verschiebt sich die zentrale Fragestellung: Weg von der Auswahl einzelner Systeme – hin zur Architektur der gesamten IT- und Datenlandschaft.
ERP und Shopfloor: Wenn Rollen unklar bleiben
Ein zentrales Element ist dabei die klare Rollenverteilung zwischen ERP und Shopfloor-Systemen. Während das ERP die betriebswirtschaftliche Klammer bildet und zentrale Stammdaten, Aufträge und Bestände steuert, liegt die Stärke operativer Systeme näher an der Ausführung. Hier werden Abweichungen sichtbar, Rückmeldungen verarbeitet und Prozesse stabilisiert. Probleme entstehen dort, wo diese Rollen nicht sauber definiert sind. Dann werden Daten doppelt gepflegt, Zustände unterschiedlich interpretiert oder Entscheidungen auf widersprüchlichen Informationen getroffen. Technisch sind die Systeme zwar verbunden – fachlich arbeiten sie jedoch aneinander vorbei.
Datenintegration entscheidet in der Produktion über Steuerungsfähigkeit
Noch deutlicher wird das bei der Datenintegration. In vielen Werken existieren über Jahre gewachsene Schnittstellen zwischen ERP, MES, Qualitätslösungen und weiteren Systemen. Doch diese Verbindungen erzeugen nicht automatisch ein konsistentes Gesamtbild. Unterschiedliche Begriffe, uneinheitliche Zeitstempel oder schwache Stammdatenqualität reichen aus, um aus vorhandenen Daten eine unsichere Entscheidungsbasis zu machen. Die Folge: Die Smart Factory scheitert nicht an fehlenden Daten, sondern an fehlender Konsistenz.
Was jetzt entscheidend wird
Was es stattdessen braucht, ist ein klar definiertes Zusammenspiel aus Systemrollen, Datenlogik und Integrationsarchitektur. Erst wenn festgelegt ist, welches System für welche Daten verantwortlich ist, wie Informationen übergeben werden und welche Begriffe unternehmensweit gelten, entsteht eine belastbare Grundlage für die Steuerung der Wertschöpfung.
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Die Autoren
Rolf Kipp ist Senior Manager bei Trovarit und Leiter des Aachener Beratungsteams.
Christian Müller ist Senior Consultant bei der Trovarit AG.


