Resilienz gilt als das neue Patentrezept, um aktuelle und kommende Krisen nicht nur zu meistern, sondern sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Doch Investitionen in die Krisenprävention können zu Lasten der Effizienz gehen. Dieses Dilemma lässt sich jedoch gut in den Griff kriegen.

Wer langfristig robust und erfolgreich bleiben will, muss präventive Maßnahmen ergreifen und in Sicherheitsbeständen investieren. Die damit verbundene, höhere Kapitalbindung steht aber einem anderen, speziell für den Standort Deutschland entscheidenden Ziel entgegen: der Effizienzsteigerung. Wer dagegen zu sehr auf höhere Produktivität setzt, schränkt seine Flexibilität ein und macht Prozesse anfälliger für Störungen. Elisa Industriq, ein Anbieter für operationale Intelligenz in der Fertigungsindustrie, kennt dieses Spannungsfeld aus Gesprächen und Kundenprojekten nur zu gut. Das Unternehmen sieht acht zentrale Trends, die Industrieunternehmen für die Produktionsplanung 2026 berücksichtigen sollten, um Resilienz und Effizienz optimal auszubalancieren.
1. KI-Erfahrungen anderer in Logistik, Lieferkette und Prozessoptimierung nutzen
Die Nutzung von KI hat in einigen Bereichen das Experimentierstadium bereits überschritten. Logistik, Lieferkettenmanagement und Prozessoptimierung sind die Bereiche mit dem höchsten Grad an KI-Integration, so eine Umfrage von Revalize. Unter den befragten Fertigungsunternehmen im DACH-Raum und den USA setzen hier schon mehr als 50 Prozent KI ein. Für alle Unternehmen, die noch überlegen, wo sie zuerst eine KI-Initiative starten sollten, gilt daher: Im Bereich Supply-Chain-Optimierung finden sie den höchsten Reifegrad und die meisten bereits erprobten Best Practises. Gerade im Kontext der Produktionsplanung 2026 ist das ein idealer Startpunkt.
2. Bedarfe präziser prognostizieren
Die Bedarfsplanung wird zunehmend komplexer, was die Produktions- und Kapazitätsplanung erschwert. Denn neben bekannten, traditionellen Aspekten wie saisonalen Schwankungen gewinnen geopolitische und wirtschaftliche Entwicklungen an Gewicht: Stichwort Zölle und Inflation. Hinzu kommen immer mehr extreme Wetterereignisse – wie etwa die Überschwemmungen im Sommer 2025 in Norditalien. Unternehmen müssen deshalb ihr Instrumentarium für die Bedarfsanalyse nachschärfen und neben eigenen historischen Daten auch externe Informationsquellen mit einbeziehen. Denn je vielfältiger die Datenbasis, desto robuster werden moderne Prognosemodelle. So lassen sich Überproduktion sowie Engpässe vermeiden. Für die Produktionsplanung 2026 wird eine präzise, datengetriebene Prognose daher zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
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3. Was-wäre-wenn-Betrachtungen öfter, früher und gezielter einsetzen
2026 reicht es nicht mehr, Veränderungen rechtzeitig wahrzunehmen. Es gilt auch, möglichst rasch die Auswirkungen auf den eigenen Betrieb und die Effekte verschiedener Korrekturmaßnahmen einschätzen zu können. Solche Was-wäre-wenn-Betrachtungen waren in der Vergangenheit hochkompliziert. Oft fehlte es an den geeigneten Modellen oder der statistischen Expertise. Inzwischen gibt es Software, die auch für die Produktionsplanung Szenarien simuliert und hilft, die Auswirkungen auf die einzelnen Prozesse zu verstehen. Weiter vereinfacht wird dies noch durch sogenannte „Virtuelle Manager“. Sie unterstützen Mitarbeitende dialogbasiert, indem sie beispielsweise alternative Produktionsprogramme, Schichtmodelle oder Materialflüsse simulieren – ohne statistisches Vorwissen. „Durch Agilität und Anpassungsfähigkeit können Unternehmen schneller auf Veränderungen reagieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten“, unterstreicht die VDI-Studie Unternehmensresilienz vom März 2025.
4. Lagerhaltung optimieren und Bestände anpassen
Solche virtuellen Manager helfen auch noch an anderer Stelle, die richtige Balance zu finden, etwa im Lager. Dies beginnt bei einer Bestandsanalyse in natürlicher Sprache, um Fragen nach Standorten mit Überbeständen zu klären. Als KI-gestützte Agenten übernehmen sie außerdem die automatische Erkennung von Inkonsistenzen und Anomalien, wie zum Beispiel negative Lagerbestände. Unter Berücksichtigung kundenspezifischer Service-Levels, finanzieller und logistischer Rahmenbedingungen berechnen sie jederzeit die optimalen Sicherheitsbestände und helfen so, unnötige Kosten zu reduzieren. Damit wird das Lager zu einem dynamisch steuerbaren Faktor, der Resilienz und Effizienz verbindet.
5. Datensilos entlang der Wertschöpfungskette überbrücken
Laut einer Bitkom-Analyse vom September 2025 sind 56 Prozent der Unternehmen überzeugt, dass der digitale Austausch von Daten entlang der Wertschöpfungskette die Resilienz der deutschen Industrie stärken wird. In der Zusammenarbeit mit Lieferanten gelingen Daten- und Informationsaustausch heute nahtlos über Portale. Sie unterstützen in der täglichen Kommunikation oder geben einen schnellen Überblick über vorhandene Kapazitäten. Gleichzeitig erleichtern sie die Pflege von Profilen und dokumentieren aktuelle Zertifikate sowie die Einhaltung von ESG-Kriterien. Denn eines gilt 2026 mehr denn je: KI und Resilienz sind nur so gut wie die Datenflüsse, auf denen sie aufsetzen.
6. Nachhaltigkeit vorantreiben – und Kosten sparen
Selbst wenn die EU die Kriterien für das Lieferkettengesetz im November 2025 gelockert hat: Es ist zu erwarten, dass die betroffenen Großunternehmen Nachweispflichten an ihre Lieferanten durchreichen werden. Aber auch jenseits der Reportingpflicht werden Energieeffizienz, sparsamer Ressourceneinsatz und Kreislaufwirtschaft die Produktionsstrategien prägen – schon allein aus Kostengründen. Dies bestätigt Jürgen Peterseim, Director Sustainability Services bei PwC Deutschland, in einem Artikel über die Studie „Neue Pfade zu einer emissionsfreien Chemieindustrie”: „Die in der Studie untersuchte Elektrifizierung der Produktionsprozesse erfordert bspw. anfänglich hohe Investitionen in die elektrische Ausstattung. Dafür stabilisieren sich die Betriebskosten und die Emissionen aus elektrischen Prozessen nähern sich der Netto-Null. In der Summe bleiben erhebliche Kosteneinsparungen.” Nachhaltigkeit wird damit auch zum festen Bestandteil der Produktionsplanung – mit direktem Einfluss auf Kostenstrukturen, Kapazitäten und Materialbedarfe.
7. KI-Kompetenz ausbauen
Als Engpass betrachten viele produzierende Unternehmen – mehr als 40 Prozent laut einer Studie von Revalize – den Mangel an qualifiziertem Personal mit KI-Kompetenzen. Interne Widerstände der Teams wurden ebenfalls als Hürde erkannt. Gleichzeitig glauben 64 Prozent der von KPMG befragten Personen, dass KI-Implementierungen zwar Schulungen der Mitarbeitenden erfordern, die Zahl der Arbeitsplätze aber nicht grundlegend beeinflussen. Entsprechend rät auch Benedikt Höck, Partner, Head of AI, bei KPMG: „Unternehmen sollten verstärkt auf Weiterbildung, neue Rollenbilder und eine Kultur des aktiven Mitgestaltens setzen.” Damit wird 2026 das Jahr, in dem KI-Kompetenzen vom Randthema zum Produktionsfaktor werden.
8. KI meets Ethik: auf verantwortungsbewussten Umgang setzen
Apropos Mitgestalten: Knapp zwei Drittel der Unternehmen arbeiten aktuell daran, klare ethische Leitlinien für den Einsatz von KI zu etablieren, sowie sich mit Transparenz und Fairness in ihren Systemen zu beschäftigen. Denn eine aktuelle Studie von KPMG zum Einsatz Generativer KI in der deutschen Wirtschaft bestätigt: Eine gelungene Umsetzung einer Trusted AI ist sowohl die größte Herausforderung als auch ein Garant für eine erfolgreiche KI-Implementierung. Dies hat die Mehrheit der Unternehmen bereits erkannt. Governance, Compliance und Transparenz werden damit zu festen Bausteinen jeder KI-Initiative. Wer sich hier noch nicht auf den Weg gemacht hat, sollte dies also 2026 tun.
Fazit: Was 2026 für die Produktionsplanung wirklich zählt
Die Trends der industriellen Fertigung für 2026 zeigen deutlich: Digitalisierung, KI-Kompetenz und Nachhaltigkeit sind zentrale Bausteine einer erfolgreichen Produktionsstrategie. Sie helfen, Effizienz und Resilienz gleichermaßen im Blick zu behalten. „Es gibt allerdings kein Patentrezept, das für alle Betriebe anwendbar ist. In unseren Kundengesprächen zum Thema Operational Excellence sehen wir immer wieder: Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg finden, um die individuellen Herausforderungen zielgerichtet anzugehen“, unterstreicht Michael Fatum, von Elisa Industriq Deutschland. Die Chance liegt darin, die eigene Produktionsstrategie jetzt aktiv weiterzuentwickeln – mit klaren Prioritäten, neuen Kompetenzen und dem Mut zur Veränderung. Für Unternehmen, die sich strategisch aufstellen wollen, gilt die Produktionsplanung 2026 damit als ein entscheidender Orientierungspunkt.
Der Autor
Michael Fatum ist Managing Director bei Elisa Industriq Deutschland.


