Das hohe Innovationstempo der SAP rund um Künstliche Intelligenz können nur wenige Unternehmen mitgehen. Die Anwendervereinigung DSAG untersucht auf den Technologietagen die Potenziale sowie die Hürden im Einsatz und fragt in Walldorf Unterstützung für die Kunden an.

SAP KI: „Lights on Layers – Clarity by Design?“ lautet das Motto der diesjährigen Technologietage der SAP-Anwendergruppe DSAG, zu dem sich aktuell 3300 Mitglieder in Hamburg treffen. Die Aufmerksamkeit richten die Anwendervertreter auf drei Hebel, die einen großen Einfluss auf die digitale Transformation haben: Künstliche Intelligenz (KI), Daten und IT-Sicherheit. „Diese drei Bereiche ordnen aktuell nicht nur den Technologiesektor neu, sondern die komplette Wertschöpfung“, berichtet Stefan Nogly, der seit Herbst 2025 als DSAG-Fachvorstand Technologie unterwegs ist.
Künstliche Intelligenz ist ein zentraler Hebel, weil diese Technologie künftig jede IT-Architektur und alle Business-Capabilities verändert. Richtig eingesetzt, kann diese Technologie Entscheidungen beschleunigen, Prozesse verändern und Aufgaben erleichtern. Die Hürde dabei: SAP hat insbesondere im Bereich Agentic AI viele Lösungen entwickelt, aber in den Unternehmen kommen diese bisher noch nicht flächendeckend zum Einsatz. Die Walldorfer arbeiten daran, intelligente Lösungen in möglichst vielen Geschäftsprozesse zu platzieren. Die DSAG begrüßt diese Strategie laut Nogly: In ein Multi-Agenten-System zu investieren, ist richtig. KI darf nicht nur eine Ansammlung isolierter Use Cases sein, sondern muss als orchestriertes System entlang klarer Richtlinien funktionieren“, erläutert Nogly. „Zudem ist es nötig, Modelle unterschiedlicher Anbieter miteinander zu integrieren und auch ein SAP-spezifisches Modul wie SAP RPT1 zu haben, das strukturierte Geschäftsdaten nativ versteht.“
Um Künstliche Intelligenz Enterprise-ready zu machen, reichen KI-Agenten alleine laut Nogly nicht aus: „Performance, Sicherheit, Compliance Stabilität und Integration müssen von Anfang an mitgedacht und garantiert werden. SAP hat bereits viele KI-Funktionalitäten geliefert, nun kommt es darauf an, den Unternehmen das Implementieren und Nutzen dieser Technologie zu vereinfachen.“
Integration, Compliance und Skalierung
Wollen Unternehmen Künstliche Intelligenz optimal nutzen, benötigen sie eine möglichst große Transparenz über die dazu nötigen IT-Architekturen. In der Praxis haben IT-Architekten nicht nur in SAP-KI investiert, sondern eigene Lösungen entwickelt. Die DSAG schließt daraus, dass vielerorts noch die Experimentierphase läuft. Zudem seien die Einstiegshürden für SAP-Lösungen oft zu hoch.
Soll Künstliche Intelligenz für Unternehmen den erwünschten Mehrwert schaffen, muss sie integriert und regulierbar ablaufen und gut skalieren. Anwender erwarten, dass die SAP-eigenen Module sowohl mit den Produkten von Drittanbietern als auch mit den kundenspezifischen Erweiterungen eng zusammenspielen. Nun sind in vielen Unternehmen die IT-Systeme heterogen und stark individualisiert. Diese Faktoren sowie die aktuell sehr komplexen Lizenzmodelle stellen laut DSAG große Hürden für den breiten Einsatz von SAP-basierter KI dar. „Unternehmen, IT-Dienstleister, die DSAG und die SAP müssen künftig eng zusammenarbeiten, um den Bedarf für individuelle Erweiterungen zu reduzieren“, fordert Nogly. „Wer das Clean-Core-Prinzip konsequent verfolgt, kann bestehende IT-Landschaften ohne große Schwierigkeiten in die Cloud überführen oder um Cloud-Komponenten erweitern.“
Eine weitere Hürde sind die Fiori-Apps, mit denen viele Unternehmen ihre Prozessanforderungen abbilden. Da diese oft tief im Tagesgeschäft verankert sind, fordern Unternehmen dafür von der SAP einen Investitionsschutz. „Während SAP mit Joule eine neuartige Benutzeroberfläche vorantreibt, ist es unseren Mitgliedern wichtig, dass bestehende Umgebungen weiterhin unterstützt werden“, berichtet Nogly. SAP hat die langfristige Unterstützung bestehender Fiori-Landschaften zugesichert.
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Datenqualität als Grundvoraussetzung
Absolute Voraussetzung für den Erfolg mit Künstlicher Intelligenz sind gut gepflegte Stammdaten. Da diese Qualitätsstufe nicht überall vorliegt, wird das Datenmanagement künftig ein strategisches Handlungsfeld. Der nächste Schritt ist die Integration von Non-SAP-Daten. Die Walldorfer haben mit der Business Data Cloud ein Fundament für das übergreifende Harmonisieren von Daten geschaffen. Damit diese Plattform ihre volle Wirkung entfaltet, sind laut DSAG noch einige Erweiterungen nötig. „Die Unternehmen brauchen mehr vorgefertigte und dokumentierte Datenprodukte mit Kontrolle über die Domänen und dazu vordefinierte Schulungs- und Governance-Pakete“, fordert Nogly. „Nur eine stringente Data Governance stellt sicher, dass Datensilos und redundante Strukturen aufgelöst und unterschiedlich interpretierte Begriffe und Kennzahlen harmonisiert werden.“
Neben intelligenten Systemen und gut gepflegten Daten benötigen Unternehmen resiliente und gut abgesicherte Geschäftsprozesse. Da auch die Angreifer KI nutzen, steigt das Risiko. Die notwendigen Abwehrmaßnahmen sind laut Nogly noch nicht überall umgesetzt: „Mehr Daten, mehr autonome Systeme und der Einsatz von KI vergrößern die Angriffsfläche und die Komplexität. In einer resilienten Datenstrategie geht es um Data Ownership und die nachvollziehbare Herkunft der Daten.“
Technische Funktionen alleine reichen aus Sicht von Nogly für Resilienz nicht aus. Nötig seien darüber hinaus Best Practices für eine Governance: „Unternehmen müssen verstehen, wie die KI-Agenten arbeiten, welche Daten sie nutzen und welche Richtlinien und Heuristiken Entscheidungen steuern. In einer KI-getriebenen Welt brauchen wir transparente Entscheidungswege, klar definierte Freigaben und eine Vertrauen schaffende Nachvollziehbarkeit.“
In der Praxis kommt Innovation bislang selten an
Beim aktuellen Innovationstempo in den Bereichen Cloud, Künstliche Intelligenz und Analytics kommen manche Unternehmen kaum hinterher. Cloud-Technologien werden vielerorts gerade erst eingeführt, und die Betriebe benötigen laut DSAG Orientierung und Unterstützung aus Walldorf. „SAP muss das Entwicklungstempo halten, um im Wettbewerb nicht zurück zu fallen“, erläutert Phillip Herzig, Chief Technology Officer bei SAP SE. Er gibt gleichzeitig zu, dass die Schere zwischen dem Innovation Race der Anbieter und dem realisierten Nutzen bei den Anwendern aktuell weiter aufgeht.
Um die Akzeptanz hochzutreiben, arbeiten die Walldorfer an Szenarien, in denen Unternehmen den Nutzen einer IT-Modernisierung bereits während der Einführung einer Technologie erzielen. Auch mittelständische SAP-Kunden erarbeiten sich laut Herzig mit Künstlicher Intelligenz Vorteile. So beschleunigt zum Beispiel der Tiefkühlspezialist Frosta mit Document AI die Rechnungsverarbeitung.
IT-Agenten sollen Custom Code migrieren
Die größte Hürde ist in vielen Unternehmen nach wie vor der Umstieg von SAP ECC auf S/4HANA. Aufwändig ist hier die Migration von Custom Code von stark angepassten Systemen. Auch hier soll Künstliche Intelligenz helfen. So hat sich beispielsweise das deutsch-amerikanische Start-up Nova Intelligence rund um den früheren SAP-Manager und HANA-Miterfinder Alexander Zeier die KI-gestützte Migration von Legacy Custom Code in Richtung S/4HANA auf die Fahnen geschrieben. Eine ähnliche Funktionalität bietet laut Herzig SAP Joule for Developer.
„Derartige Tools unterstützen Unternehmen, die viel Custom Code im Einsatz haben“, bestätigt Nogly und ergänzt: „Die migrierte Code-Strecke muss validiert und dokumentiert werden, bevor sie zum Einsatz kommt.“ Auf eine andere Einschränkung verweist Rainer Jagoutz von Relite Consulting, der Trovarit-Kunden bei der Weiterentwicklung ihrer SAP-Systeme unterstützt: „KI-Tools erleichtern das Überführen von Custom Code nach S/4HANA. Es ist aber nicht sinnvoll, blindlings allen Custom Code zu migrieren. Smarter ist eine vorgelagerte Prüfung, ob eine bestimmte Codestrecke überhaupt noch notwendig ist. Es könnte beispielsweise sein, dass der SAP-Standard an einer Stelle funktional stärker geworden ist. Oder aber, der Geschäftsprozess, für den der Custom Code einstmals erstellt wurde, hat sich geändert oder entfällt ganz. Alleine durch diese Vorprüfung entfällt ein Großteil des Custom Code.“ Jürgen Frisch


