Start Software und Technologie Warum „alles aus einer Hand“ zum Risiko wird

Warum „alles aus einer Hand“ zum Risiko wird

Die Logistik macht es vor: Wer nur einen Lieferanten nutzt, der geht ein Risiko ein. In der IT ist die Szenarienbetrachtung bislang selten. Auch hier gilt es jedoch, Abhängigkeiten zu vermeiden. Die Systeme sollten schließlich auch dann robust laufen, wenn sie unter Druck geraten.

Cyber-Resilienz
Quelle: ©Orhan Turan | istockphoto.com

In physischen Lieferketten haben Unternehmen über Jahrzehnte gelernt, was Abhängigkeit bedeutet. Wer nur einen Zulieferer hat, der spart vielleicht Kosten. Aber nur solange bis genau dieser ausfällt. Deshalb ist Diversifikation heute kein Luxus mehr, sondern Standard – mit Zweitlieferanten, alternativen Routen und strategischen Redundanzen. IT-Resilienz ist längst fest eingeplant.

Digital dagegen beobachten wir das Gegenteil. Unternehmen konsolidieren ihre IT-Landschaften, setzen auf integrierte Plattformen, auf das Prinzip „alles aus einer Hand“. Ein Anbieter, ein Ökosystem, eine Oberfläche. Das ist bequem, effizient und auf den ersten Blick wirtschaftlich sinnvoll.

Genau hier entsteht allerdings ein Risiko, das viele unterschätzen. Der Single Supplier wird im Digitalen schnell zum Single Point of Failure. Und noch schlimmer: zum Single Point of Control. Die Risiken gehen dabei weit über Systemausfälle hinaus. Fällt der Anbieter aus, steht nicht nur ein Teil der Wertschöpfung still, sondern im Zweifel das gesamte Unternehmen. Doch auch ohne Ausfall entstehen Abhängigkeiten: durch den Zugriff auf geschäftskritische Daten, durch Fragen der Datensouveränität oder durch einseitige Änderungen von Geschäftsbedingungen, Preisen oder Schnittstellen. Cyberangriffe, Systemstörungen oder geopolitische Spannungen können diese zentralisierten Strukturen zusätzlich destabilisieren und massive Kettenreaktionen auslösen. Was als Vereinfachung und Effizienzgewinn gedacht war, entwickelt sich schnell zu einer vielschichtigen strategischen Verwundbarkeit.

Single Sourcing schafft Abhängigkeiten

Während im Einkauf längst Szenarien durchgespielt, Risiken bewertet und Alternativen aufgebaut werden, fehlt dieses Denken in der IT bislang häufig. Digitale Infrastrukturen werden primär unter Effizienzgesichtspunkten gestaltet und nicht unter dem Aspekt der IT-Resilienz. Dabei gelten die gleichen Prinzipien wie in jeder Lieferkette: Transparenz über Abhängigkeiten. Bewusste Diversifikation. Gezielte Redundanzen.

📥 Vertiefung: Multi-Cloud und Hybrid-Cloud strategisch nutzen

Unternehmen setzen zunehmend auf hybride Infrastrukturmodelle, um Abhängigkeiten zu reduzieren und Flexibilität, Datensouveränität sowie Ausfallsicherheit besser auszubalancieren. Die intelligente Verteilung von Workloads zwischen Cloud- und On-Premises-Umgebungen wird dabei zu einem zentralen Baustein moderner IT-Strategien.

Der Beitrag von Dr. Karsten Sontow zeigt, warum Unternehmen ihre Cloud-Strategien neu ausrichten und resiliente IT-Architekturen zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Artikel
Multi-Cloud und Hybrid-Cloud: Flexibilität statt Abhängigkeit
Cloud-Strategien im Wandel
Autor: Dr. Karsten Sontow, Trovarit AG
Erschienen: 2025-05-14
Schlagworte: Cloud, Cloud Computing, Cloud-Management, Hybrid-Cloud
Lange galt die Cloud als eine lineare Entscheidung: Wer modernisieren wollte, verlagerte seine IT in eine Public-Cloud und profitierte von Skalierbarkeit, Effizienz und Innovationskraft. Doch die Realität ist komplexer geworden. Immer mehr Unternehmen setzen heute nicht auf eine einzige Cloud-Umgebung, sondern kombinieren verschiedene Modelle – sei es, um Risiken zu streuen, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen oder technologische Vorteile gezielt zu nutzen.
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Das bedeutet keineswegs, jede Plattform infrage zu stellen oder Komplexität um ihrer selbst willen zu erhöhen. Aber es bedeutet, Abhängigkeiten aktiv zu managen und nicht stillschweigend in Kauf zu nehmen. Wer seine gesamte digitale Wertschöpfung an einen Anbieter bindet, trifft keine neutrale Entscheidung, sondern geht ein unternehmerisches Risiko ein. Und dieses Risiko gehört nicht in die IT-Abteilung delegiert.

IT-Sourcing ist eine Managementaufgabe. Eine Frage von Souveränität, von Steuerungsfähigkeit, letztlich von Wettbewerbsfähigkeit. In einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft entscheidet nicht nur, wie effizient Systeme laufen, sondern wie robust sie sind, wenn sie unter Druck geraten.

Mein Fazit: „Alles aus einer Hand“ ist bequem – aber Bequemlichkeit war noch nie ein verlässliches Risikomanagement. Wer digital auf IT-Resilienz verzichtet, spart heute und zahlt morgen den Preis. jf


Der Autor

Quelle: © FTAPI

Ari Albertini ist CEO des Security-Spezialisten FTAP.