Start Industrie Von Handarbeit zu Hightech: KI-gestützte Pickroboter beschleunigen die Logistik bei OPO Oeschger

Von Handarbeit zu Hightech: KI-gestützte Pickroboter beschleunigen die Logistik bei OPO Oeschger

Ein eng getakteter Kommissionierprozess, ein automatisiertes Shuttlelager und mittendrin ein manueller Handgriff, der alles verlangsamt. OPO Oeschger suchte eine Lösung, die sich in vorhandene Strukturen einfügt, ohne sie zu verändern. Eine roboterbasierte Lösung, die mit künstlicher Intelligenz arbeitet und sofort funktioniert konnte überzeugen.

KI-gestützte Pickroboter
©Sereact

OPO Oeschger ist ein Schweizer Familienunternehmen mit Hauptsitz in Kloten, das 1926 gegründet wurde und heute rund 300 Mitarbeitende beschäftigt. Mit einem Sortiment von mehr als 70.000 Artikeln zählt OPO Oeschger zu den führenden Anbietern von Beschlägen und Bauteilen für Schreiner, Holz-, Glas- und Metallbau sowie für Schulen und Wiederverkäufer. Neben Möbel- und Küchenbeschlägen umfasst das Angebot auch Tür- und Baubeschläge, Maschinen und Werkzeuge. In seiner Logistik setzt OPO Oeschger konsequent auf hochautomatisierte Prozesse, um nicht nur kurzfristig, sondern auch zuverlässig zu liefern. Auch die Kommissionierung wird dabei mit neuen Technologien, wie KI-gestützte Pickroboter, gezielt weiterentwickelt, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.

Wenn Standardlösungen nicht weiterhelfen

Bei OPO Oeschger sind viele Prozesse in der Logistik bereits automatisiert. Dennoch war das Ziel, neue Potenziale zu identifizieren. Besonders im Bereich der Kommissionierung zeigte sich Handlungsbedarf. Zwar war ein automatisiertes Kleinteilelager vorhanden, die Entnahme der Artikel erfolgte jedoch nach wie vor manuell. Da das Lagergebäude nur begrenzt Platz bietet und die Prozesse im Zusammenspiel mit der Fördertechnik exakt aufeinander abgestimmt sind, sollte die neue Lösung ohne tiefgreifende Eingriffe realisierbar sein. Anpassungen an der Fördertechnik oder an vorgelagerten Steuerungsprozessen kamen nicht in Betracht. Die Lösung musste sich nahtlos in einen bestehenden Arbeitsplatz integrieren lassen, ohne neue Abläufe vorzugeben. Genau daran scheiterten andere Anbieter, die ausschließlich standardisierte Systeme anboten. OPO Oeschger hingegen suchte gezielt nach einer Lösung, die sich in das vorhandene System einfügt und das Verhalten eines menschlichen Kommissionierers realitätsnah nachbilden kann.


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Sie greifen, was passt: KI-gestützte Pickroboter

Sereact überzeugte OPO Oeschger mit einer Lösung für KI-gestützte Pickroboter durch die Bereitschaft, sich konsequent an den bestehenden Rahmenbedingungen zu orientieren. „Das Team von Sereact kam zu uns vor Ort, hat sich intensiv mit unseren Abläufen beschäftigt und sehr schnell verstanden, wie unsere Prozesse funktionieren“, erklärt Daniel Schütz, Operations Manager Logistik bei OPO Oeschger. „Während andere Anbieter Standardlösungen vorschlugen, konnten wir mit Sereact gemeinsam individuelle Anforderungen umsetzen.“ Die Integration des Pickroboters erfolgte an einem bereits vorhandenen Kommissionierarbeitsplatz. Statt das Umfeld anzupassen, wurde der Roboter so gestaltet, dass er die Aufgaben eines menschlichen Mitarbeiters möglichst realitätsnah übernimmt: Er greift angediente Zielkartons und platziert diese auf zwei Zielplätzen. Wenn angefordert wird einen Zielbehälter zu greifen, entfernt der Roboter vorher noch die Rutschmatte im Behälter. Aus einem angedienten Quellbehälter entnimmt der Roboter nun Artikel und legt diese in den vorbereiten Zielkarton oder -behälter. Im Anschluss gehen diese zur Weiterverarbeitung auf der Fördertechnik.

Voraussetzung für die Inbetriebnahme war eine gezielte Anpassung der Schnittstelle im Lagerverwaltungssystem, die in Zusammenarbeit mit TGW Logistics problemlos umgesetzt wurde. So werden nur die Aufträge an den Roboter weitergeleitet, die sich für das automatisierte Picking eignen. Die Auswahl der geeigneten Artikel erfolgt dabei im Artikelstamm direkt durch OPO. Die eigentliche Pick- und Platzierungslogik – also die Entscheidung, wie er Artikel im Karton ablegt und stapelt – liegt vollständig bei der KI-gestützten Steuerung von Sereact. Das Anlernen von Produkten war nicht notwendig. Die KI-Lösung übernimmt das Produkterkennen, Auswählen und Picken autark. Besonders bei Artikeln, für die die Kartonage exakt berechnet wurde, zeigt sich die Präzision der Lösung. Die gezielte Vorauswahl ist dabei entscheidend für die Stabilität des Prozesses.

Ein Mitarbeiter, der keine Pause braucht

Mit dem Einsatz des Pickroboters hat OPO Oeschger einen wichtigen Schritt in Richtung zukunftsorientierter Logistikprozesse gemacht. Der Roboter übernimmt zuverlässig standardisierte Pickaufgaben, die zuvor durch manuelle Arbeit abgedeckt wurden, und schafft so spürbare Entlastung im Tagesgeschäft. Besonders bei Artikeln, die klar definierten Kriterien entsprechen, arbeitet er stabil und prozesssicher. Technisch wäre der Roboter zu einer deutlich höheren Leistung fähig. Bei OPO wurde die Geschwindigkeit jedoch bewusst gedrosselt, um die vorhandene bauliche Struktur nicht zu überlasten. In der aktuellen Konfiguration entspricht seine Leistung etwa der eines halben Vollzeitmitarbeiters. Diese bewusste Begrenzung ist Teil eines strategischen Ansatzes: OPO nutzt das Projekt, um gezielt zu lernen, wie sich KI-basierte Robotik in bestehende Prozesse einfügt und welche Voraussetzungen für eine spätere Skalierung geschaffen werden müssen. Gleichzeitig bleibt die Kompetenz der Mitarbeitenden zentral: Sie konzentrieren sich heute stärker auf komplexe Pickprozesse, bei denen etwa flexible oder empfindliche Produkte verarbeitet werden müssen. Die Kombination aus robotergestützter Automatisierung und menschlicher Erfahrung erhöht insgesamt die Effizienz und Prozessqualität. Artikel, die sich nicht für den Roboter eignen, werden im Lagerverwaltungssystem gezielt ausgeschlossen. Der Einsatz der Technologie war für OPO Oeschger keine Maßnahme zur Personalreduzierung. Vielmehr steht der Erkenntnisgewinn im Vordergrund. Ziel ist es, das System gezielt weiterzuentwickeln und skalierbar zu machen.

KI-gestützte Pickroboter als Basis für skalierbare Logistikprozesse

Die Erfahrungen aus dem Projekt bilden bei OPO Oeschger die Grundlage für zukünftige Automatisierungsvorhaben. Bereits jetzt arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit Sereact und TGW Logistics an der Weiterentwicklung der Schnittstellenlogik. Ziel ist es, künftig noch gezielter zu steuern, welche Artikel der Roboter übernehmen kann, auch bei komplexeren Aufträgen mit gemischten Positionen. Mittelfristig soll der Pickroboter so in ein intelligentes Zusammenspiel mit manuellen Arbeitsplätzen treten und dort automatisieren, wo es wirtschaftlich und prozessual sinnvoll ist. „Wir haben das Projekt bewusst als Investition in Know-how verstanden“, erklärt Daniel Schütz, „Uns ging es auch darum, frühzeitig zu lernen, wie sich KI-gestützte Pickroboter sinnvoll in unsere Prozesse integrieren lassen, mit Blick auf den heutigen Betrieb und auf zukünftige Logistikstrategien.“ Auch eine höhere Auslastung des bestehenden Roboters wird angestrebt. Perspektivisch ist zudem der Einsatz weiterer Einheiten geplant. Dafür soll auf Basis der jetzt gewonnenen Erkenntnisse eine skalierbare Lösung entstehen, die sich nahtlos in zukünftige Infrastrukturen einfügt und das Automatisierungspotenzial konsequent ausschöpft. Mit den gewonnenen Erkenntnissen arbeiten OPO Oeschger und Sereact gemeinsam daran, die Logistikprozesse weiter zu optimieren, um langfristig den vollen Nutzen aus der Automatisierung zu ziehen.


Der Autor

©additiv

Jan Leins ist B2B-Kommunikationsstratege mit Faible für Tech, Logistik & Start-ups bei additiv.|