Jeder große Technologiesprung bringt die Grenzen der Vorgänger ans Licht. Bei Künstlicher Intelligenz ist das nicht anders. In vielen Unternehmen drehen sich die Diskussionen noch immer vor allem um Modelle, Anwendungen und den Zeithorizont für die Einführung. Die Pioniere blicken tiefer und fragen sich, ob ihre Strukturen für Entwicklung, Betrieb und Governance überhaupt darauf ausgelegt sind, KI im großen Maßstab einzusetzen.
Die Broadcom-Studie „Private Cloud Outlook“ zeigt das Dilemma vieler Unternehmen. 52 Prozent der IT-Verantwortlichen in EMEA nennen die Integration von KI-Funktionen in bestehende Anwendungen als wichtigste Modernisierungspriorität. Gleichzeitig haben 75 Prozent bislang weniger als die Hälfte ihrer Anwendungen modernisiert. Damit wächst die Lücke zwischen KI-Ambitionen und operativer Einsatzfähigkeit. Unternehmen versuchen, KI auf Plattformen zu skalieren, die dafür ursprünglich nicht ausgelegt wurden. Hier kommt Platform Engineering 2.0 ins Spiel.
Die Plattform richtet sich nicht mehr nur an Entwickler
Platform Engineering entstand als Antwort auf die wachsende Komplexität. Mit der Verbreitung von Cloud-Native-Architekturen und der Weiterentwicklung von DevOps brauchten Unternehmen einen Weg, um Infrastruktur zu standardisieren, die Komplexität für Entwickler zu reduzieren und ihnen sicheren Self-Service-Zugriff auf die benötigten Werkzeuge zu ermöglichen. Internal Developer Platforms schufen dafür die nötige Grundlage.
Das Konzept hat sich durchgesetzt. Laut Googles DORA Report 2025 haben inzwischen rund 90 Prozent der Unternehmen eine Form von Platform Engineering im Einsatz. Damit ist Platform Engineering zu einem festen Bestandteil der modernen Softwareentwicklung geworden – und durchläuft gerade einen Paradigmenwechsel. Platform Engineering 1.0 war vor allem auf eine Zielgruppe zugeschnitten: Softwareentwickler. Heute richtet sich die Plattform an einen deutlich größeren Nutzerkreis. Data Scientists, Security-Teams, FinOps-Verantwortliche, Fachanwender und zunehmend auch KI-Agenten müssen auf dieselbe kontrollierte Plattform zugreifen können. Ihre Ziele unterscheiden sich, ihre Erwartungen an Geschwindigkeit, Sicherheit und Self-Service jedoch kaum. Die Plattform unterstützt damit nicht mehr nur Entwickler. Sie avanciert zur gemeinsamen Betriebsumgebung, in der Menschen und KI-Agenten Software entwickeln, bereitstellen und betreiben.
Dadurch bildet die Internal Developer Platform eine Grundlage für eine Agentic Development Platform, über die Menschen und KI-Agenten strukturierten Zugriff auf Services, Richtlinien, Sicherheitskontrollen und Kosteninformationen erhalten. Maschinenlesbare Schnittstellen sorgen dafür, dass beide sicher und skalierbar arbeiten können.