Legacy bleibt Legacy – auch in der Cloud

Immer mehr deutsche Unternehmen migrieren ihre Anwendungen in die Cloud. Bleibt der Code dabei weitgehend unverändert, ziehen jedoch auch technische Altlasten mit um. Das kann spätestens dann zum Problem werden, wenn KI auf Daten, Anwendungen und Prozesse zugreifen soll.

IT-Modernisierung
©anyaberkut | istockphoto.com

Unternehmen wollen Künstliche Intelligenz zunehmend in ihre Abläufe integrieren. Dafür muss KI auf Daten und Anwendungen zugreifen können. In vielen deutschen Unternehmen verhindern veraltete Kernsysteme genau das. Laut der Lünendonk-Studie „IT-Modernisierung zwischen Legacy, Cloud und KI“ betrachten 62 Prozent der Unternehmen Teile ihrer geschäftskritischen Anwendungen als veraltet und erneuerungsbedürftig. Doch 91 Prozent wollen bis 2028 mindestens 40 Prozent ihrer Anwendungen in die Cloud verlagern.

Dem Technologieberatungsunternehmen Slalom Germany zufolge ist die Cloud-Migration zwar ein wichtiger Schritt, ohne eine Modernisierung der Anwendungen greift sie jedoch häufig zu kurz. „Die Cloud ist kein Ziel, sondern das Fundament für skalierbares Wachstum. Wer Anwendungen nur verschiebt, bringt alten Code, starre Schnittstellen und technische Schulden auf neue Plattformen. Das funktioniert so lange, bis Unternehmen KI einführen wollen. Ohne Modernisierung sind die Anwendungen oft eine Sackgasse für KI“, erklärt Dr. Stephan Theis von Slalom Germany.

Legacy-Anwendungen: Das Erbe vergangener Jahrzehnte

Viele Unternehmen haben über Jahrzehnte Anwendungen für spezifische Aufgaben entwickelt, erweitert und miteinander verbunden. Solche historisch gewachsenen Systeme können im Betrieb zunehmend aufwendig werden. Sicherheitslücken lassen sich mitunter schwerer schließen, und für ältere Programmiersprachen oder individuelle Architekturen fehlen zunehmend Fachkräfte.

Laut Lünendonk-Studie planten 83 Prozent der befragten Unternehmen, ihre Budgets für die IT-Modernisierung im Jahr 2026 zu erhöhen. Für Slalom ist dies ein Hinweis darauf, dass die Modernisierung gewachsener Anwendungslandschaften für viele Unternehmen an Bedeutung gewinnt. „Unternehmen bezahlen ihr Alter jeden Tag mit hohen Betriebskosten, Sicherheitsrisiken und langen Entwicklungszeiten“, so Theis.

IT-Modernisierung schafft die Grundlage für KI

Insbesondere Unternehmen, die KI tiefer in ihre Abläufe integrieren wollen, benötigen zugängliche Daten, geeignete Schnittstellen und Anwendungen, die sich mit anderen Systemen verbinden lassen. Bei vielen Legacy-Anwendungen erschweren fehlende oder eingeschränkte Schnittstellen sowie historisch gewachsene Datenstrukturen diese Integration.

„Applikationsmodernisierung schafft die Grundlage für wirksame KI. Fehlen Datenzugang und Schnittstellen, bleibt KI ein isoliertes Werkzeug. Moderne Anwendungen verbinden KI mit den Abläufen des Unternehmens. Erst dann kann sie im gesamten Unternehmen wirken, Aufgaben übernehmen und Ergebnisse verbessern“, erklärt Theis.

Unternehmen, die Anwendungen im Zuge einer Cloud-Migration gleichzeitig modernisieren, können zudem vermeiden, ähnliche Arbeiten später erneut durchführen zu müssen und schaffen die technische Grundlage für KI. Ein weiterer Vorteil: Moderne Systeme sind ein entscheidender Faktor, um IT-Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. So hat Theis bemerkt: „Auch Entwickler wollen heute lieber gestalten, als den Großteil ihrer Zeit damit zu verbringen, veraltete Systeme am Laufen zu halten. Moderne Anwendungen schaffen Raum für neue Produkte und attraktivere Aufgaben.“

Cloud-Transformation: Schrittweise statt alles auf einmal

Die Modernisierung einer gewachsenen Anwendungslandschaft gelingt nicht über Nacht. Anwendungen sind häufig eng mit Geschäftsprozessen, Daten und anderen Systemen verbunden. Unternehmen sollten daher schrittweise vorgehen und dort beginnen, wo veraltete Anwendungen besonders hohe Kosten verursachen, Risiken bergen oder die Weiterentwicklung des Geschäfts behindern.

vertiefung
Webinartipp

Die eigene IT-Landschaft im Blick behalten

Wie lassen sich bestehende Anwendungen, Schnittstellen und Prozesse strukturiert bewerten und sinnvoll weiterentwickeln? Im Trovarit-Webinar „IT-Bebauungsplan – Essentieller Pfeiler einer Digitalisierungs-Roadmap“ erfahren Unternehmen, wie sie Transparenz über ihre IT-Landschaft schaffen und Modernisierungsvorhaben gezielt priorisieren.

Dabei geht es nicht nur um Technologie. Neue Anwendungen und Architekturen verändern häufig auch Arbeitsweisen, Verantwortlichkeiten und Prozesse. Change Management und Qualifizierung können deshalb dazu beitragen, neue Lösungen nicht nur technisch einzuführen, sondern auch im Arbeitsalltag zu verankern.

„Unserer Erfahrung nach scheitern Unternehmen selten an der Technologie. Modernisierung wirkt dann, wenn Mitarbeitende, Prozesse und Systeme gemeinsam und gleichzeitig verändert werden. So wird aus der Migration eine umfassende Transformation, die sich auf die Arbeitsweise und letztlich auch auf das Geschäft auswirkt“, resümiert Theis. bs

 

Der Experte

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