Der Technologiewandel erzwingt Änderungen in der Führungsebene. Da Künstliche Intelligenz künftig in viele Arbeitsbereiche vordringt, brauchen Unternehmen laut einer IBM-Studie einen Chief AI Officer. Mitarbeiter benötigen Umschulungen und Weiterbildung, während Talent- und Technologieführung zusammenwachsen.

Chief AI Officer: Angesichts der zunehmenden Verbreitung von Künstlicher Intelligenz (KI) stehen CEOs unter dem Druck, Führungsstrukturen, Entscheidungsprozesse und Organisationsmodelle neu zu denken, um die Wirkung im gesamten Unternehmen zu erhöhen. Das zeigt die aktuelle IBM CEO Studie, für die weltweit 2.000 CEOs befragt wurden – darunter 100 aus Deutschland und 40 aus der Schweiz
Das IBM Institute for Business Value führte in Zusammenarbeit mit Oxford Economics von Februar bis April 2026 eine Umfrage unter 2.000 CEOs und vergleichbaren leitenden Führungskräften in 33 Regionen und 21 Branchen durch. Die Untersuchung geht der Frage nach, wie Führungskräfte Geschäftsmodelle, operative Strukturen und Umsetzungskompetenzen in einer KI‑getriebenen Wirtschaft gestalten. Ergänzende Analysen betrachten, wie Unternehmen ihre KI‑Ambitionen in unternehmensweite Umsetzung und geschäftlichen Mehrwert überführen.
„Die Rolle des CEO bestand schon immer darin, Unternehmen durch Disruption zu leiten“, berichtet IBM Vice Chairman Gary Cohn. „Künstliche Intelligenz verändert die Geschwindigkeit und die Tragweite von Führung. Erfolgreiche Unternehmen operieren ‚AI-first‘ und nutzen intelligente IT-Systeme nicht als zusätzliche Technologieebene, sondern als neues Betriebsmodell.“
Die Versprechen dieses Ansatzes sind groß: Entscheidungszyklen sollen sich verkürzen und Grenzen zwischen Funktionen sich auflösen. „Wettbewerbsvorteile erzielen diejenigen, die schneller lernen, sich anpassen und handeln können als ihre Wettbewerber“, prognostiziert Cohn.
Vier Ergebnisse stechen aus der Studie heraus
Intelligente IT-Systeme setzen sich in den Unternehmen nach und nach durch und erzwingen Änderungen in der Führungsebene:
- 76 Prozent der weltweit befragten Unternehmen verfügen 2026 über einen Chief AI Officer. Noch vor einem Jahr lag dieser Wert bei 26 Prozent. In Deutschland haben 76 Prozent der Unternehmen diese Führungsrolle etabliert, in der Schweiz 65 Prozent.
- 64 Prozent der weltweiten CEOs fühlen sich nach eigener Angabe wohl dabei, strategische Entscheidungen auf Basis von KI-generierten Erkenntnissen zu treffen. Schweizer CEOs haben mit 70 Prozent europaweit das größte Vertrauen in KI-generierte Inhalte. Bei deutschen Führungskräften liegt dieser Wert bei 54 Prozent
- 83 Prozent der weltweit Befragten (Deutschland: 86 Prozent, Schweiz: 83 Prozent) halten KI‑Souveränität für einen zentralen Bestandteil ihrer Geschäftsstrategie. Das unterstreicht die Bedeutung geeigneter Kontrollmechanismen, da KI eine immer größere unternehmensweite Rolle spielt.
- Weltweit nutzen laut Aussage der CEOs 25 Prozent der Mitarbeiter Künstliche Intelligenz regelmäßig im Arbeitsalltag. In der Schweiz sind es ebenfalls 25 Prozent, in Deutschland lediglich 23 Prozent. Dennoch sind 86 Prozent der global Befragten der Meinung, dass ihre Belegschaft über die erforderlichen Kompetenzen verfügt, um mit KI zu arbeiten. Die deutschen Befragten sind mit 83 Prozent etwas skeptischer, die Schweizer CEOs mit 93 Prozent hingegen zuversichtliche.
„Künstliche Intelligenz verändert die Art und Weise, wie Arbeit funktioniert, indem sie Menschen und Software neu zusammenbringt“, berichtet Mohamad Ali, Senior Vice President, IBM Consulting. „CEOs, die mit dieser Technologie gute Ergebnisse erzielen, setzen diese Technologie nicht nur schneller ein. Sie gestalten zudem ihre Organisationen neu, um die besten Talente mit der besten Technologie zu verbinden.“
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Die Einführung von Künstlicher Intelligenz verändert nicht nur Prozesse und Technologien, sondern auch Rollen, Verantwortlichkeiten und die Zusammenarbeit im Unternehmen. Entscheidend ist, wie gut Mitarbeiter und Führungskräfte den Wandel mittragen.
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Andere Herausforderungen – neue Formen der Führung
Die Tatsache, dass sich viele Geschäftsentscheidungen künftig auf Künstliche Intelligenz stützen, ändert viele Verantwortlichkeiten der Manager:
- 85 Prozent der weltweit Befragten (Deutschland: 83 Prozent, Schweiz: 83 Prozent) sind der Meinung, dass alle funktionalen Führungskräfte in ihrem jeweiligen Bereich zu Technologieexperten werden müssen. Die Studienautoren werten das als Zeichen dafür, dass die Verantwortung für Künstliche Intelligenz über spezialisierte Rollen hinaus erweitert wird.
- Unter den Organisationen mit einem Chief AI Officer erwarten alle weltweit befragten CEOs, in Deutschland und in der Schweiz, dass der Einfluss dieser Rolle bis 2030 zunehmen wird – ebenso wie der wachsende Einfluss aller Mitglieder des C‑Levels.
- 59 Prozent aller weltweit befragten CEOs gehen davon aus, dass der Einfluss der Personalchefs in den kommenden Jahren steigen wird. Diese Ansicht teilen 58 Prozent der deutschen und 56 Prozent der Schweizer CEOs.
Governance und Kontrollmechanismen werden wichtiger
Die Governance über intelligente Anwendungen und die dabei eingesetzten Daten bekommt künftig einen hohen Stellenwert:
- Bis 2030 erwarten die weltweit befragten CEOs weltweit, dass 48 Prozent der operativen Entscheidungen, bei denen Konsistenz und Leitplanken kodifiziert werden können, von KI ohne menschliches Eingreifen getroffen werden – gegenüber heute 25 Prozent. Deutsche CEOs teilen diese Erwartung zu 48 Prozent, während Schweizer CEOs mit 46 leicht darunter liegen.
- 79 Prozent der weltweit befragten Führungskräfte bestätigen, dass sie Entscheidungsprozesse dezentralisieren und Verantwortlichkeiten verteilen, da KI unternehmensweit eine bedeutende Rolle spielt. Im Vergleich zu 85 Prozent der deutschen CEOs und 88 Prozent der Schweizer Befragten.
Erst Mitarbeiter machen die Technologie erfolgreich
Künstliche Intelligenz wird in viele Arbeitsbereiche vordringen. Mitarbeiter werden die KI-Agenten allerdings nach Meinung der befragten CEOs keineswegs ersetzen.
- 83 Prozent der weltweit befragten CEOs sagen, dass der Erfolg von KI stärker von der Akzeptanz durch die Menschen als von der Technologie abhängt, im Vergleich zu 78 Prozent der deutschen und 80 Prozent der Schweizer CEOs.
- Zwischen 2026 und 2028 erwarten die Befragten weltweit, dass 29 Prozent der Mitarbeiter eine Umschulung für eine andere Rolle benötigen (Deutschland: 28 Prozent, Schweiz: 29 Prozent) und 53 Prozent weltweit (Deutschland: 54 Prozent, Schweiz: 51 Prozent) eine Weiterbildung benötigen, um ihre aktuelle Rolle effektiver auszuüben.
- 77 Prozent der Befragten weltweit geben an, dass Aufgaben im Bereich Talent‑ und Technologieführung zusammenwachsen. Das deutet auf eine enge Verzahnung von Talent, Technologie und Unternehmensstrategie hin. Die deutschen CEOs kommen in dieser Frage auf 75 Prozent, die Schweizer Befragten auf 73 Prozent. Jürgen Frisch


