Geht es um Datenabflüsse durch Insider, denken Unternehmen meist an Mitarbeiter oder Partner, die ihre Zugriffsrechte missbrauchen, um Daten zu stehlen. In der Realität kommt so etwas allerdings eher selten vor. Ein viel größeres Risiko stellen Datenschutz- und Sicherheitsverletzungen dar, die Mitarbeitern aus Unachtsamkeit unterlaufen. Aktuell sind mehr Daten und Tools im Einsatz, als je zuvor: Unablässig werden Daten zwischen Anwendungen, Endgeräten, Cloud-Services und Tools hin- und herbewegt, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basieren.
Traditionelle Ansätze, die nach einem Vorfall Untersuchungen starten, und Maßnahmen einleiten, eignen sich für diese Arbeitswelt kaum. Nötig ist vielmehr ein Insider-Risikomanagement, das sich nicht nur auf den Datendiebstahl durch böswillige Akteure konzentriert, sondern den fahrlässigen Umgang mit sensiblen Daten in den Mittelpunkt stellt. Das Ziel sollte sein, Datenabflüsse in Echtzeit zu verhindern, ohne Arbeitsabläufe zu stören. Das Cybersecurity-Unternehmen Forcepoint benennt die fünf wichtigsten Schritte beim Aufbau eines solchen Insider-Risikomanagements:
1. Daten und Kanäle sichtbar machen
Um ihre sensiblen Daten schützen zu können, müssen Unternehmen wissen, wo sie gespeichert sind und über welche Kanäle sie geteilt werden. Am Anfang stehen daher Data Discovery und Datenklassifizierung. Sie liefern einen detaillierten Überblick über den Datenbestand eines Unternehmens und bilden die Grundlage, um riskante Aktivitäten erkennen zu können. Allerdings müssen wirklich alle Datenquellen erfasst werden, strukturierte wie unstrukturierte, und im Anschluss wirklich alle Kanäle überwacht werden, inklusive Software-as-a-Service und KI-Werkzeugen. Andernfalls bleiben blinde Flecken, über die Daten abfließen können.
2. Risiken vorab reduzieren
Verkleinern Unternehmen ihre Angriffsfläche proaktiv, erschwert das nicht nur Cyberkriminellen die Arbeit, sondern verhindert auch viele Datenschutz- und Sicherheitsverletzungen durch Mitarbeiter. Eine wichtige Maßnahme dabei ist das Aufspüren und Beseitigen von zu weitreichenden oder veralteten Berechtigungen. Diese entstehen beispielsweise, wenn Mitarbeiter für ein Projekt zusätzliche Rechte erhalten, die nach Abschluss nicht wieder entzogen werden. Discovery-Tools sind hier eine wertvolle Hilfe, weil sie aufzeigen, wer auf die erfassten Daten zugreifen kann und wann zuletzt auf sie zugegriffen wurde. Darüber hinaus lohnt es sich, System- und Anwendungskonfigurationen auf riskante Einstellungen wie etwa Fernzugriffe hin zu überprüfen.
3. In Echtzeit individuell reagieren
Die meisten Aktivitäten, die sensible Daten betreffen, haben nur ein geringes Risiko. Wie groß das Risiko tatsächlich ist, ergibt sich aber erst aus dem Kontext: Werden vertrauliche Daten an einen internen Mail-Empfänger verschickt, birgt das beispielsweise weniger Gefahren als der Versand an externe Personen. Ebenso macht es einen Unterschied, ob eine einzelne Datei oder tausende Dokumente vom Fileserver heruntergeladen werden. Unternehmen benötigen daher Lösungen, die Risiken bewerten und daraus Maßnahmen ableiten. Dynamische statt starre Richtlinien. So müssen sie nicht jede Aktivität sofort blockieren, was Mitarbeiter im Arbeitsalltag behindern würde. Oft reicht schon ein kurzer Warnhinweis oder das automatische Verschlüsseln von Daten, die auf einem externen Speichermedium abgelegt werden. Wichtig ist es, die Maßnahmen sofort einzuleiten. Sind sensible Daten über ein KI-Tool erstmal abgeflossen, haben Unternehmen keinerlei Kontrolle mehr über sie. Zudem ist es sinnvoll, die eingeleiteten Aktionen zu erklären, um Mitarbeiter für einen sicherheitsbewussten Umgang mit Daten zu sensibilisieren.
4. Fragmentierung vermeiden
Setzen Unternehmen mehrere Lösungen ein, um Datenflüsse durch unterschiedliche Kanäle zu kontrollieren, entstehen schnell Lücken im Schutz, beispielsweise durch inkonsistente Richtlinien. Zentralisierte Ansätze auf Basis von Plattformen mit einem einheitlichen Richtliniensatz eignen sich besser, um Daten über alle Kanäle hinweg zu schützen. Zudem bieten sie eine bessere Sichtbarkeit und ein Reporting. Unbedingt sollten diese Plattformen auch KI-Tools abdecken, da diese zum Oversharing geradezu einladen: Mitarbeiter liefern lieber zu viele als zu wenige Informationen, um bessere Ergebnisse zu erhalten. Prompts und Uploads müssen daher sorgfältig daraufhin überprüft werden, ob sie sensible Daten enthalten.