Supply-Chain-Angriffe sind besonders gefährlich, weil die Kompromittierung eines einzelnen Anbieters zahlreiche Kunden oder sogar ganze Wirtschaftszweige betreffen kann. Angreifer nutzen dafür Schwachstellen in verbreiteten Softwarelösungen, manipulierte Komponenten oder unzureichend geschützte Fernwartungszugänge. Nach dem ersten Zugriff installieren sie bösartige Skripte auf den Zielsystemen – beispielsweise durch sogenannte Webshells – und führen damit Remote-Befehle aus. Ziel ist es, dauerhafte Hintertüren einzurichten.
In industriellen Umgebungen sind Unternehmen häufig stark von spezialisierten Dienstleistern abhängig. Deren Fernwartungszugänge vergrößern die Angriffsfläche. Wird ein externer Anbieter oder ein legitimer Wartungszugang kompromittiert, können Angreifer darüber in OT-Umgebungen eindringen.
„Cyberkriminelle machen sich die digitale Lieferkette zunutze, um Unternehmen zu kompromittieren“, sagt Andreas Süß, CEO DACH bei Advens. „Deshalb sollten sich Unternehmen stets darüber im Klaren sein, welche Partner auf ihre Systeme zugreifen, welche Berechtigungen sie besitzen und wie diese Zugriffe überwacht werden.“
Um das Risiko durch Supply-Chain-Angriffe zu reduzieren, sollten Unternehmen folgende Sicherheitsmaßnahmen umsetzen:
1. Systeme zügig aktualisieren
Kritische Schwachstellen in öffentlich erreichbaren Anwendungen und verbreiteten Unternehmenslösungen sollten priorisiert behandelt werden. Idealerweise installieren Unternehmen verfügbare Sicherheitsupdates innerhalb von 72 Stunden.
2. Dienstleister und Abhängigkeiten erfassen
Unternehmen sollten ein vollständiges Verzeichnis ihrer Softwareanbieter, Cloud-Dienste, IT-Partner und externen Fernwartungszugänge führen. Abhängigkeiten sollten anhand ihrer Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb priorisiert werden.