Ein Assistent erläutert Anwendern die Bedienung
Der erste Anwendungsfall für Künstliche Intelligenz ist ein Assistent, der Fragen zum Einsatz des Systems beantwortet. Anwender können sich beispielsweise von der KI erklären lassen, welche Daten nötig sind, um einen Artikel korrekt im System zu erfassen. Oder sie erfahren, wie sie am einfachsten nach bestimmten Daten suchen. Mit diesen Hilfen soll sich für Neulinge die Lernkurve im Umgang mit der ERP-Software deutlich verkürzen. Dieser Assistent wird in den kommenden Monaten mit Pilotkunden im Praxisbetrieb erprobt.
„Im Grunde ist dieser Assistent ein Online-Handbuch mit Chatbot“, erklärt Marco Bux. „Da sich die Antworten ausschließlich auf die offizielle Dokumentation des Systems stützen, sind sämtliche Auskünfte korrekt. Die bei öffentlichen KI-Chatbots immer wieder auftretenden Halluzinationen gibt es bei uns nicht.“
Hilfe bei der Texterstellung und in Workflows
In der Forschung befasst sich Planat mit weiteren Anwendungsmöglichkeiten für Künstliche Intelligenz im ERP-Umfeld. Dazu gehören beispielsweise die KI‑gestützte Textunterstützung oder die schrittweise Integration dieser Technologie in Workflows. Künstliche Intelligenz wird dabei gezielt als Ergänzung eingesetzt – etwa zur Unterstützung bei der Bedienung, zur schnelleren Informationsgewinnung oder zur Automatisierung einzelner Arbeitsschritte. Die Stabilität der Kernprozesse bleibt dabei erhalten. Bei der Gestaltung der künftigen Benutzeroberflächen arbeitet der Hersteller unter anderem mit der Stuttgarter Hochschule der Medien im Studiengang „Medien- und Wirtschaftspsychologie“ zusammen.
„Man kann sich ohne weiteres eine KI-basierte Business Intelligence mit Sprachsteuerung vorstellen“, gibt Entwicklungschef Marco Bux ein Beispiel für die Zukunft: „Wir werden allerdings ausschließlich solche KI-Funktionen einführen, welche die Grundanforderungen an Präzision, Wiederholbarkeit und Prozesssicherheit zu hundert Prozent erfüllen. Alles andere bleibt im Experimentalmodus, bis es ausgereift ist.“
Inhouse-Betrieb schafft Datensouveränität
Zu den Forschungsfeldern gehört auch die Betriebsvariante ‚AI on Premises‘, also der lokale Betrieb intelligenter Systeme vor Ort ohne Cloudzugriff. Einen wichtigen Aspekt stellt dabei die Frage nach der Datensouveränität dar. Hierbei entscheiden stets die Unternehmen, welche Datenbestände sie einem Hyperscaler anvertrauen, und welche im hauseigenen Rechenzentrum bleiben. „Wir sind für alle Betriebsmodelle offen“, stellt Bux klar. „Kunden mit hohen Anforderungen an Datenschutz, Compliance und Datenhoheit werden bei uns auf jeden Fall auch künftig eine sichere Heimat finden.“
Leuchtturmprojekte mit Pilotanwendern
Um Praxiserfahrungen zu sammeln, arbeitet der Software-Hersteller beim Entwickeln neuer KI-Funktionen eng mit ausgewählten Pilotkunden in Leuchtturmprojekten zusammen. Derartige Vorhaben gibt es beispielsweise in den Bereichen Dokumenten- und Belegerkennung sowie Conversational Business Intelligence. „Anhand dieser Projekte testen wir die Zuverlässigkeit, die Praxistauglichkeit und letztlich den Nutzen für die Kunden“, erläutert Marco Bux. „Für die Anwender muss stets ein nachweisbarer Return on Investment entstehen. Die wirtschaftlichen Vorteile und die Stabilität bleiben oberste Priorität.“
Bei der Auswahl der Projekte sowie der Bewertung von Praxistauglichkeit und Kundennutzen kooperiert Planat mit dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. Darüber hinaus profitiert der Stuttgarter ERP-Hersteller von der KI-Expertise der GSG GENII Software Group, zu der Planat seit Ende 2024 gehört. Die Unternehmensgruppe mit rund 3.000 Mitarbeitern an 35 Standorten operiert über sechs branchenfokussierte Geschäftsbereiche: Fertigung, Einzelhandel, Großhandel/Distribution, Automotive Aftermarket, Labore und öffentliche Verwaltung. „In allen Einheiten ist KI ein wichtiges Thema“, sagt Marco Bux, „und wir und vor allem unsere Kunden profitieren von einem regen Erfahrungsaustausch über KI innerhalb der Gruppe.“
Support, Entwicklung und Dokumentation
Intern kommt Künstliche Intelligenz beispielsweise in Support- und Entwicklungsprozessen, in der Analyse von Code und in der Dokumentation zum Einsatz. „Diese Projekte bilden die Grundlage für spätere produktive Anwendungen im ERP-System“, verrät Marco Bux. So wird Künstliche Intelligenz ein integraler Bestandteil von FEPA – schrittweise, kontrolliert und mit einem klaren Fokus auf dem praktischen Nutzen für Unternehmen.
Bei der Auswahl der Partner für fach- und anwendungsspezifische Ergänzungsprogramme ist KI-Kompetenz ein wichtiger Faktor. „Wir bauen gerade ein Ökosystem auf, in dem Künstliche Intelligenz sukzessive in allen Bereichen zum Einsatz kommt, in denen ein wirtschaftlicher Nutzen für unsere Kunden entsteht“, bringt Marco Bux die Strategie auf den Punkt.