Auch für Kunden mit On-Premises-Systemen will SAP künftig Anwendungen Künstlicher Intelligenz anbieten. Kunden können nun wieder die für sie am besten passende Betriebsform für ihre IT-Landschaft nutzen. Auch SAP-Konkurrenten begrüßen diese Flexibilität.

Keine drei Jahre ist es her, dass SAP-Chef Christian Klein die Kunden aufhorchen ließ: Innovationen rund um Künstliche Intelligenz (KI) sollten nur noch für Kunden mit SAP Cloud-Lösungen verfügbar sein. Die Anwendervereinigung DSAG sah darin einen Strategieschwenk bei SAP und forderte gleichen Zugang zu Neuerungen für alle Betriebsvarianten. Nun der erneute Schwenk der Walldorfer: Auch Unternehmen mit On-Premises-Systemen sollen die hauseigenen KI-Anwendungen bekommen. SAP-Kunden haben damit wieder die Wahlfreiheit beim Betriebsmodell.
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Im Mittelstand dürfte das gut ankommen: Kleine und mittlere Unternehmen haben hierzulande die Cloud bisher nicht wirklich als Form der Bereitstellungsform für Software akzeptiert. Meine Erfahrung aus Projekten und aus der Verbandsarbeit zeigt: Eine Vielzahl der mittelständischen Fertiger setzt beim ERP-Kern weiterhin auf bewährte On-Premises-Modelle. Ein Softwarepartner sollte sich daher an der individuellen Digitalisierungsgeschwindigkeit seiner Kunden orientieren, statt sie durch künstliche Innovationsbarrieren in bestimmte Lizenzmodelle zu drängen.
Für den Mittelstand sind drei Faktoren entscheidend:
- Wahlfreiheit – Unternehmen müssen selbst entscheiden, welche Workloads in die Cloud wandern und welche im eigenen Rechenzentrum verbleiben.
- Investitionsschutz – Lock-in-Effekte, die den Zugang zu technologischem Fortschritt blockieren, gefährden bestehende Investitionen und bremsen die Agilität aus.
- KI-Mehrwert im operativen Kern – Künstliche Intelligenz entfaltet ihre Kraft dort, wo die Wertschöpfung stattfindet. Dieser Nutzwert sollte nicht an ein spezifisches Bereitstellungsmodell gekoppelt sein.
Sicherheit und Stabilität sind gerade bei Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz die oberste Maxime. Der Mittelstand benötigt kein technisches Diktat, sondern einen verlässlichen Innovationspfad, der Flexibilität und echte Wettbewerbsvorteile garantiert. Unabhängig davon, wo die Server stehen. jf
Der Autor

Michael Finkler ist Vorstand im Bitkom Arbeitskreis ERP, Vorstand im VDMA Landesverband Mitte und Geschäftsführer der Proalpha Group.


