Die Hacker-Abwehr benötigt Expertise und Tempo

Legen Cyberkriminelle geschäftskritische IT-Systeme lahm, sind viele Unternehmen mit dem Wiederherstellen überfordert. Ein Incident Response and Revcovery Team benennt die zehn größten Hürden und schlägt Lösungen vor.

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Quelle: Black_Kira | www.istockphoto.com

Cyberattacken können jedes Unternehmen treffen – unabhängig von seiner Größe oder der Branche. Eine gute Vorbereitung hilft dabei, die Auswirkungen möglichst gering zu halten und schnell wieder handlungsfähig zu werden. Häufig haben sich Unternehmen allerdings nur unzureichend mit dem Ernstfall beschäftigt oder nicht alle Eventualitäten bedacht, den Ernstfall nicht ausreichend trainiert oder kritische Abläufe unterschätzt. Das Incident-Response-and-Recovery-Team von Dell Technologies, das Unternehmen bei der Bewältigung von Angriffen unterstützt, benennt die zehn größten Herausforderungen:

Fehlende Notfallpläne

Ohne sorgfältig ausgearbeitete Notfallpläne ist es nahezu unmöglich, schnell und effektiv auf einen Hackerangriff zu reagieren. Am wichtigsten sind neben einem Business Continuity Plan auch ein Incident Response Plan sowie ein Disaster Recovery Plan. Der Incident Response Plan definiert alle zur Bewertung, Untersuchung und Eindämmung von Sicherheitsvorfällen notwendigen Maßnahmen und Tools. Der Disaster Recovery Plan legt fest, welche Daten und Systeme wie und wann gesichert und wie sie nach einer Störung wiederhergestellt werden. Der Business Continuity Plan liefert Vorgehensweisen und Checklisten, um kritische Geschäftsprozesse während und nach einer Störung aufrechtzuerhalten.

Kein Test des Ernstfalls

Alle Notfallpläne müssen regelmäßig getestet werden. Das ist wichtig, damit die Mitarbeiter Erfahrung sammeln und im Ernstfall mit einer gewissen Routine agieren können. Darüber hinaus liefern die Tests wertvolle Erkenntnisse zu möglichen Schwächen und notwendigen Anpassungen, etwa weil Ansprechpartner gewechselt, sich Kontaktdaten verändert haben oder neue Systeme und Anwendungen hinzugekommen sind. Die Tests sollten unbedingt auch die Backups umfassen. Diese sind schließlich nutzlos, wenn sie sich bei Bedarf nicht einspielen lassen.

Schlechte Kommunikation

Nach einem Angriff kommt es auf Geschwindigkeit an. Je länger Unternehmen für das Eindämmen des Schadens und das Wiederherstellen aller Systeme benötigen, desto größer sind die wirtschaftlichen Schäden. Die Suche nach Ansprechpartnern, die sich mit bestimmten Systemen auskennen, unklare Zuständigkeiten, wer Entscheidungen fällen darf, lange Abstimmungen, was konkret zu tun ist – all das kostet Zeit und verzögert das Einleiten dringender Maßnahmen. Bei der Incident Response gilt zudem: Schnelle Reaktionen sind wichtiger als perfekte. Die Angreifer sollen schließlich nicht noch größere Schäden anrichten können.

Unvollständiges Lagebild

Im Rahmen der Incident Response untersuchen Security-Analysten und IT-Forensiker, was genau passiert ist. Sie ermitteln, wie Angreifer ins Unternehmen eingedrungen sind, wie sie sich innerhalb der Infrastruktur vorgearbeitet haben und welche Systeme sowie Daten kompromittiert wurden. Dafür ist hochspezialisiertes Wissen nötig. Fehlt dieses, besteht die Gefahr, dass die eingeleiteten Maßnahmen unzureichend sind und missbrauchte Accounts, veränderte Einstellungen, Hintertüren oder Code-Fragmente übersehen werden. Können Angreifer nicht vollständig aus dem Netzwerk entfernt werden, haben sie für ihre nächste Attacke bereits einen Fuß in der Tür.

Fehlende Ersatzsysteme

Damit geschäftskritische Anwendungen schnell wieder zum Laufen gebracht werden, ist es sinnvoll, Ersatzsysteme vorzuhalten. Dann können IT-Teams direkt mit dem Einspielen von Sicherungen beginnen und müssen nicht warten, bis die forensischen Untersuchungen abgeschlossen und die von einem Angriff betroffenen Systeme wieder freigegeben sind. Allerdings entstehen dadurch nicht zu vernachlässigende Kosten – sowohl für die Anschaffung als auch die Pflege, denn die Ersatzsysteme müssen in einem Zustand gehalten werden, der es erlaubt, sie im Ernstfall sofort einzusetzen.

Ausgelaufene Support-Vereinbarungen

Eines der am häufigsten von Angreifern genutzten Einfallstore sind Systeme und Anwendungen, die Schwachstellen aufweisen. Ausgelaufene Support-Vereinbarungen stellen daher gleich ein doppeltes Risiko dar: Sie vergrößern die Angriffsfläche und erschweren nach einem Angriff die Wiederherstellung, weil aktuelle Firmware- oder Software-Versionen nicht verfügbar sind und IT-Teams keine erfahrenen Support-Mitarbeiter beim Anbieter kontaktieren können. Im Ernstfall kurzfristig abgeschlossene Vereinbarungen sind meist deutlich teurer als langfristig laufende Verträge.

Fehlendes Know-how zu Legacy-Systemen

Ältere Systeme stellen nach Angriffen eine große Herausforderung dar, weil das Wissen zu ihrer Funktionsweise, ihrer Wiederherstellung und ihren Abhängigkeiten zu anderen Systemen oft nicht mehr vorhanden ist. Die Mitarbeiter, die sich mit den Systemen auskannten, haben das Unternehmen verlassen, und ausführliche Dokumentationen fehlen – oder müssen erst nach Problemlösungen durchforstet werden. Das verzögert die Wiederherstellung.

Vertiefung

IT-Bebauungsplan – Essentieller Pfeiler einer Digitalisierungs-Roadmap

Im Ernstfall zählt jede Minute. Ein aktueller IT-Bebauungsplan schafft Transparenz über Anwendungen, Systemabhängigkeiten und Schnittstellen und erleichtert so die Wiederherstellung nach Sicherheitsvorfällen. Im Webinar zeigen die Experten der Trovarit AG, wie Unternehmen ihre IT-Landschaft systematisch dokumentieren und als Grundlage für fundierte Entscheidungen nutzen.

Unzureichende Recovery-Dokumentationen

Nur mit detaillierten und strukturierten Recovery-Dokumentationen lässt sich die Wiederherstellung reibungslos gestalten. Die Geschäftsprozesse laufen dann schneller wieder an, weil IT-Teams wissen, in welcher Reihenfolge sie Systeme wiederherstellen müssen und wo die dafür benötigten Backups, Snapshots oder Datenkopien liegen. Ebenso ist klar, welche Standorte und Systeme überhaupt genutzt werden können.

Geringe Ausdauer bei der Recovery

Überraschend häufig geben Unternehmen mögliche Recovery-Pfade zu früh auf, weil sie auf unerwartete Schwierigkeiten stoßen. Dabei lassen sich mit Geduld und externer Unterstützung viele Probleme lösen und auch anfangs aussichtslos erscheinende Wiederherstellungen durchführen. Ein Eingehen auf die Lösegeldforderungen nach einem Ransomware-Angriff sollten Unternehmen nicht als Alternative ins Auge fassen. Das Bezahlen ist schlicht keine Garantie, die Daten tatsächlich wiederzubekommen oder eine Veröffentlichung zu verhindern.

Keine Partner für Incident Recovery und Response

Schwerwiegende Sicherheitsvorfälle sind Extremsituationen, die nur selten vorkommen. Dadurch fehlt Unternehmen die Praxiserfahrung, wie sie am besten mit ihnen umgehen, und es lohnt kaum, tiefgehendes Wissen für bestimmte Tätigkeiten wie die forensischen Untersuchungen intern aufzubauen. Spezialisierte Dienstleister für Incident Response und Recovery sind daher eine unentbehrliche Hilfe beim Untersuchen und Eindämmen von Angriffen und beim Wiederherstellen des Geschäftsbetriebs. Unternehmen sollten sich nicht erst im Ernstfall auf die Suche nach ihnen begeben, sondern bereits vorab evaluieren und entscheiden, wen sie kontaktieren können.

Eine gute Vorbereitung zahlt sich im Ernstfall aus und kann die Wiederherstellungszeit deutlich verkürzen. Dennoch läuft erfahrungsgemäß nicht immer alles reibungslos, weil der Druck bei tatsächlichen Cyberattacken ungleich größer als bei Testläufen ist und eigentlich immer unvorhergesehene Situationen eintreten. Ein Partner für Incident Response und Recovery bringt Ruhe in die Abläufe, koordiniert alle Maßnahmen und unterstützt Unternehmen bei deren Umsetzung. So gelingt die Rückkehr zur Normalität vergleichsweise schnell. jf

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