Beim SAP Business Warehouse naht das Wartungsende. Unternehmen müssen sich entscheiden zwischen BW/4HANA und der Business Data Cloud. Das ist keine rein technische Frage, sondern eine strategische Weichenstellung für die künftige Datenarchitektur.

SAP BW Migration: Unternehmen, die SAP Business Warehouse (SAP BW) nutzen, stehen unter Zugzwang, weil SAP den Mainstream-Support für klassische Systeme dieser Art bis Ende 2027 einstellt. Entscheiden sich Bestandskunden für eine Migration zu SAP BW/4HANA, kommen auf sie deutlich höhere Lizenzkosten zu, als sie bisher für SAP-BW NetWeaver fällig waren. Für den Einsatz von Reporting-Tools wie Analysis for Office (Microsoft-Excel-Integration), SAP Analytics Cloud sowie BusinessObjects (Web Intelligence) sind dann eigenständige Lizenzen erforderlich.
Der Betrieb von SAP BW erfordert spezialisiertes Know-how, was zu erhöhten Kosten für internes Personal und externe Berater führt. Zudem ist SAP BW primär IT-getrieben und bietet nur eingeschränkte Möglichkeiten für Fachbereiche, eigenständig Analysen durchzuführen. Neue Technologien rund um Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning, bleiben im klassischen SAP BW außen vor, denn SAP fokussiert Innovationen zunehmend auf Cloud-Produkte.
Bestandskunden von SAP BW stehen daher vor einer wichtigen Weichenstellung hin zu einem zukunftssicheren System. Sie sollten die anstehende Transformation jedoch nicht als Pflichtübung verstehen, sondern als eine Chance, die Grundlage für eine moderne und leistungsfähige Datenplattform zu schaffen. Zwei mögliche Szenarien werden im Folgenden erläutert.
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SZENARIO 1: Migration in die SAP Business Data Cloud
Der Umzug in die Business Data Cloud bringt für Unternehmen einen wichtigen Vorteil: Die Mainstream-Maintenance verlängert sich von Ende 2027 auf Ende 2033. Das entspannt für viele Unternehmen die Planung. Der Umzug lässt sich ohne Zeitdruck wohldurchdacht durchführen.
SAP BW Migration in die Business Data Cloud
Im ersten Schritt migrieren Unternehmen ihr SAP BW 7.5 in die Private Cloud. Es handelt sich um einen Systemumzug, den die SAP begleitet. Zu beachten sind hier insbesondere die Schnittstellen zu anderen Systemen. Im zweiten Schritt haben Unternehmen mithilfe des Data Product Generator die Möglichkeit, aus SAP-BW-Objekten Datenprodukte zu generieren und regelmäßig zu beladen. Perspektivisch soll es mit dem Data Product Generator möglich sein, SAP-BW-Lösungen in SAP Datasphere zu überführen. Sollten nicht alle bestehenden Lösungen vollständig migrierbar sein, ist für diese ein „reduziertes“ Upgrade auf SAP BW/4HANA erforderlich. Auch aus einem bestehenden SAP BW/4HANA-System heraus kann der Data Product Generator zum Einsatz kommen.

Als Datenquelle dient beispielsweise SAP S/4HANA. Die darin enthaltenen Daten werden über SAP Datasphere aufbereitet und anschließend weiterverarbeitet – für Künstliche Intelligenz in Databricks oder für das Reporting, Dashboarding und für die Planung in SAP Analytics Cloud. Dabei ist die Integration zwischen SAP Datasphere und SAP Analytics Cloud deutlich enger als die bisherige Anbindung zwischen SAP BW und SAP Analytics Cloud.
SAP Business Data Cloud im Überblick
Die Business Data Cloud wurde entwickelt, um bestehende Barrieren zwischen Unternehmensbereichen aufzulösen und eine konsolidierte Sicht auf Geschäftsprozesse zu ermöglichen. Die Business Data Cloud schafft eine einheitliche semantische Ebene für Daten aus SAP- und Non-SAP-Systemen. Künftig vereint sie SAP BW, SAP Datasphere, Databricks und SAP Analytics Cloud in einer flexiblen Cloud-Plattform. Geboten werden dabei neue Möglichkeiten für Datenintegration, Künstliche Intelligenz und Analytics. Dabei löst die Business Data Cloud keine bestehenden Produkte ab, sondern verbindet sie unter dem Dach der SAP Business Suite.
Für Unternehmen bietet die Business Data Cloud Vorteile hinsichtlich Datenhaltung, Reporting und Planung. Anstelle isolierter Datenquellen erhalten Fachabteilungen eine einheitliche, verlässliche Datenbasis, die als Grundlage für fundierte Entscheidungen dient.
Vorteile für Anwender
• Fertige Lösungen und einfach nutzbare Bausteine
Aufbereitete Daten werden als Datenprodukte beschrieben, um einen geregelten Austausch von Daten zwischen Fachbereichen zu ermöglichen. Die dazugehörigen Apps umfassen betriebsfertige branchenspezifische SAP-Standardlösungen auf Basis Künstlicher Intelligenz.
• Enge Integration und Künstliche Intelligenz
Die Business Data Cloud ermöglicht eine einheitliche Datenbasis für Planung, Reporting und Dashboards – in Echtzeit und über Systemgrenzen hinweg. Dadurch entstehen konsistente Analysen und Planungen auf Basis aktueller, harmonisierter Daten, ohne redundante Datenhaltung oder komplexe Datenaufbereitungen in der SAP Analytics Cloud. Dank SAP Joule profitieren Anwender dabei von KI-gestützten Funktionen wie automatischen Report-Zusammenfassungen und intelligenten Prognosen.
Vorteile für die IT
• Datenintegration – einheitlicher Zugriff ohne technische Hürden
Sämtliche SAP- und Non-SAP-Daten werden in einem konsistenten Datenlayer integriert. Die Business Data Cloud verringert Komplexität und schafft die Grundlage für eine integrierte Datenstrategie.
• Hohe Skalierbarkeit und Flexibilität
Das Pricing der Business Data Cloud basiert auf Capacity Units. Möglich ist dabei eine freie Verteilung der Capacity Units zwischen Komponenten wie SAP Analytics Cloud, SAP Datasphere, SAP BW und Databricks.
Vorteile für beide Bereiche
• Investitionsschutz
Ein vorhandenes SAP BW lässt sich bruchlos in die Business Data Cloud einbinden und dann stückweise und bedarfsgerecht modernisieren. Unternehmen sichern dabei bestehende Lösungen ab und schaffen gleichzeitig Raum für zukünftige Innovationen.
• Zukunftsfähige Datenarchitektur
Die Business Data Cloud unterstützt Konzepte wie Data Lakes und Künstliche Intelligenz. Möglich wird dies durch leistungsstarke SAP-Technologien sowie strategische Partnerschaften, etwa mit Databricks oder mit Snowflake als Brücke zu intelligenten Anwendungen.
SZENARIO 2: SAP BW/4HANA On-Premises
Nicht für alle Unternehmen bietet sich die Business Data Cloud an. Eine Ablehnung kann folgende Gründe haben:
• Die Datenhaltung in der Cloud widerspricht den Unternehmensgrundsätzen.
• Kostenabwägungen: SAP BW/4HANA hat höhere Anschaffungskosten, aber geringe Betriebskosten. Die Kosten hängen vom Speicherbedarf ab.
• SAP BW/4HANA ist bereits beschafft und im Einsatz.
• Umfassende Lösungen von SAP Business Objects, SAP Business Planning and Consolidation, SAP Strategic Enterprise Management oder SAP Business Consolidation System sind im Einsatz und sollen weiterbetrieben werden.

In diesen Fällen empfiehlt sich ein klassisches Upgrade auf SAP BW/4HANA, das bis 2027 abgeschlossen sein sollte und nun konsequent in Angriff genommen werden muss.
Zwei valide Lösungsszenarien
Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Zukunft von SAP BW keine rein technische Frage darstellt, sondern eine strategische Weichenstellung für die gesamte Datenarchitektur eines Unternehmens. Spätestens mit dem Support-Ende im Jahr 2027 stehen Unternehmen bei der SAP BW Migration unter Zugzwang, ihren weiteren Weg klar zu definieren. Wie oben dargestellt, gibt es zwei valide Zielbilder.
Mit SAP BW/4HANA entscheiden sich Unternehmen für Kontinuität, Kontrolle und eine stabile Weiterentwicklung bestehender Strukturen. Das empfiehlt sich insbesondere dann, wenn regulatorische Anforderungen, bestehende Investitionen oder organisatorische Rahmenbedingungen gegen die Cloud sprechen.
Die Business Data Cloud hingegen eröffnet neue Möglichkeiten: eine integrierte, flexible und innovationsfähige Datenplattform, die Silos auflöst, Self-Service fördert und den Zugang zu modernen Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Data Lakes vereinfacht. Dieser Weg ist besonders für Unternehmen attraktiv, die ihre Datenstrategie zukunftsorientiert ausrichten möchten.
Entscheidend ist nicht allein die Technologie, sondern der individuelle Kontext: Unternehmensstrategie, Kostenstruktur, Innovationsziele, vorhandene Systemlandschaften und nicht zuletzt die organisatorische Reife bestimmen, welcher Weg der richtige ist. jf
Der Autor

Dr. Guido Helden ist Senior Manager und Mitglied des Managements des Centers of Excellence „Analytics & Planning” bei Convista. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt auf modernen SAP Analytics Architekturen, von SAP BW/4HANA über SAP Datasphere bis hin zur SAP Business Data Cloud.


