UX lässt sich wirtschaftlich bewerten
Ob eine digitale Anwendung funktioniert, lässt sich nicht allein nach ästhetischen Kriterien beurteilen. Viel wichtiger ist, ob Nutzer ihre Ziele erreichen, Prozesse effizient durchlaufen und digitale Angebote dauerhaft verwenden. Damit wird UX im B2B auch zu einem wirtschaftlichen Faktor.
Gerade im B2B-Umfeld können schlecht strukturierte Anwendungen beispielsweise zu Abbrüchen, zusätzlichen Supportanfragen oder unnötig langen Prozesszeiten führen. Umgekehrt können nutzerfreundliche Angebote Self-Service fördern, Abläufe vereinfachen und digitale Vertriebs- und Servicekanäle stärken.
Christian Otto Grötsch, Gründer von dotSource SE und Commerce-Experte, bestätigt aus über 20 Jahren Projekterfahrung: „Eine gute User Experience schafft klare Wettbewerbsvorteile. Doch viele verbinden damit nach wie vor nur ein schönes Design und ansprechende Buttons. Dass dahinter sehr viel mehr Expertise steckt, wissen die Kunden erst nach umfangreichen UX-Audits.“
Grundlagen einer starken UX
Unter User Experience (UX) versteht man die gesamte Nutzererfahrung mit einer Marke, einem Produkt oder Service – vom ersten Kontakt bis zur dauerhaften Nutzung im Alltag. Ein positives Nutzererlebnis ist stimmig und mühelos: Informationen erscheinen zum richtigen Zeitpunkt, der nächste Schritt ist offensichtlich, das System reagiert, wenn etwas nicht funktioniert.
Vier grundlegende Elemente definieren eine starke UX im B2B:
- Utility (Nutzen): Bietet das Angebot den richtigen Mehrwert für die Zielgruppe?
- Usability (Bedienbarkeit): Wie leicht erreichen Nutzer ihre Ziele mit dem System?
- Joy of Use (Nutzungsfreude): Wie angenehm und flüssig ist die Nutzungserfahrung?
- User Research (Nutzerforschung): Welche realen Bedürfnisse, Hürden und Erwartungen haben die Anwender?
Drei Messschritte für belastbare UX-Entscheidungen
User Experience ist keine reine Geschmackssache. Mit geeigneten Kennzahlen lässt sich systematisch untersuchen, wie Nutzer ein digitales Angebot wahrnehmen, wie sie sich darin verhalten und welchen Beitrag Verbesserungen zum Geschäftserfolg leisten. Dafür bietet sich ein dreistufiges Modell an:
1. Erlebnisindikatoren: Wie Nutzung empfunden wird
Zufriedenheitswerte (CSAT), Net Promoter Score (NPS) oder standardisierte Usability-Skalen zeigen, ob Nutzer ein Angebot als verständlich und stimmig empfinden. Gerade im B2B mit komplexen Produkten und potenziell weitreichenden Folgen von Fehlbedienungen kann diese Wahrnehmung wesentlich für Vertrauen und Akzeptanz sein.
2. Verhaltensindikatoren: Was Menschen tatsächlich tun
Task-Success-Rate, Abbruchquoten, Conversion-Raten, Verweildauer oder Micro-Conversions sind klare Indikatoren dafür, ob Nutzer ihre Vorhaben effizient erledigen: Produkte recherchieren, Ersatzteile finden, Angebote konfigurieren oder Servicefälle selbst lösen.
3. Wirtschaftliche Kennzahlen: Beitrag zum Business
Umsatz- und Conversion-Entwicklung, Kundenbindung und Churn, Supportticket-Volumen, Retourenquote oder Prozesskosten zeigen, welche wirtschaftlichen Effekte mit UX-Maßnahmen verbunden sind und ob sich Investitionen in Verbesserungen auszahlen.
Unternehmen mit hohem UX-Reifegrad verknüpfen diese Ebenen bereits mit konkreten Fragen, um ihre Budget- und Roadmap-Entscheidungen zu schärfen:
- Wird der Checkout-Prozess einfacher und sicherer?
- Reduziert ein Self-Service-Portal die Zahl der Anfragen im Callcenter?
- Stärkt ein überarbeitetes Interface das Vertrauen in ein digitales Produkt?
- Steigen Nutzerzahlen, Verweildauer und relevante Micro-Conversions?
- Geht die Retourenquote zurück?