Kundenservice: KI allein reicht nicht aus

Steigende Anfragen, komplexe Anliegen und eine wechselnde Technologielandschaft setzen Unternehmen unter Druck. Künstliche Intelligenz schafft nur dann messbaren Nutzen, wenn Fachabteilungen Prozesse so überarbeiten, dass der Kunde im Mittelpunkt steht.

KI-Agenten im Kundenservice
©demaerre | istockphoto.com

Der Kundenservice entwickelt sich vom Kostenblock zu einer strategischen Schaltstelle für Reputation, Kundenbindung und Unternehmensentwicklung. Dabei rückt auch das Zusammenspiel von KI und Kundenservice stärker in den Fokus. Gleichzeitig steigen die Kontaktvolumina, die Anliegen werden anspruchsvoller und die technische Infrastruktur wird immer stärker vernetzt. „Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) sollten deshalb ihre Serviceprozesse, Kompetenzprofile und Technologieentscheidungen auf den Prüfstand stellen und gegebenenfalls neu ausrichten“, erläutert Stephan Fehlmann, Vice President DACH bei Spitch, einem Anbieter von Collaborative-Agentic-AI-Lösungen.

Vom Kostenfaktor zum Reputationsrisiko

Lange galt der Kundenservice vor allem als Kostenstelle, deren Kontaktvolumen möglichst niedrig gehalten werden sollte. Diese Sichtweise greift nach Fehlmanns Einschätzung nicht mehr. Unternehmen müssen heute mehr Anfragen bewältigen, obwohl viele einfache Vorgänge bereits in digitale Selbstbedienungsangebote verlagert wurden. Im persönlichen Kontakt verbleiben dadurch häufig gerade die komplexen, dringlichen oder emotional belasteten Fälle.

Zugleich wächst die öffentliche Wirkung jeder einzelnen Serviceerfahrung. „Bewertungen und Kommentare in digitalen Kanälen entstehen oft dann, wenn sich Kunden nicht ernst genommen, ungerecht behandelt oder allein gelassen fühlen.“, berichtet Fehlmann. „In einer digitalen Welt können sich Unternehmen nicht mehr allein über ihre Produkte differenzieren. Stattdessen wird herausragender Kundenservice zum entscheidenden Reputationsfaktor.“

Der Service gewinnt damit auch für die Unternehmenssteuerung an Bedeutung. Im Contact Center melden sich Kunden aus eigenem Antrieb und benennen unmittelbar, was sie erwarten, vermissen oder als problematisch empfinden. „Hier können Unternehmen ihre Kunden tatsächlich spüren“, erläutert Fehlmann. „Wer diese Informationen systematisch auswertet, kann Produktentwicklung, Prozesse und Marktauftritt näher an den tatsächlichen Bedürfnissen ausrichten.“

Komplexere Anliegen verändern die Arbeit im Contact Center

Mit der wachsenden Zahl digitaler Produkte und Selbstbedienungsangebote steigt auch die Komplexität der verbleibenden Anfragen. Beschäftigte im Kundenservice benötigen deshalb mehr als grundlegendes Produktwissen. Sie müssen bei technischen Problemen mit digitalen Angeboten helfen, emotionale Situationen auffangen und Produkte sowie Dienstleistungen genau kennen. Dazu gehört auch, Fragen zu beantworten, für die sich online keine einfache Lösung findet.

Für Unternehmen verschärft sich damit die Personalfrage. Gefragt ist eine seltene Kombination aus Fachwissen, IT-Verständnis, Problemlösungskompetenz und Empathie. Weiterbildung und Wissenszugang werden zu dauerhaften Aufgaben, nicht nur zu Bestandteilen der Einarbeitung. Zugleich müssen Arbeitsabläufe so gestaltet sein, dass Beschäftigte in komplexen Gesprächssituationen schnell auf verlässliche Informationen zugreifen können.

vertiefung
Vertiefendes Webinar
CRM-Trends 2025

Kundenbeziehungen ganzheitlich gestalten

Ein guter Kundenservice braucht verlässliche Informationen und durchgängige Prozesse.

Das Webinar der Trovarit Academy „CRM – Vom Lead zum Stammkunden“ zeigt, wie moderne CRM-Lösungen Marketing, Vertrieb und Service verbinden, Datensilos überwinden und eine zentrale Sicht auf Kunden schaffen. Außerdem erfahren Unternehmen, worauf es bei der Auswahl eines passenden CRM-Systems ankommt.

Vernetzung erhöht das Investitionsrisiko

Eine zweite Herausforderung liegt in der immer engeren Verknüpfung der IT-Systeme. Änderungen an einer Stelle können sich auf zahlreiche weitere Abläufe auswirken. Unternehmen sollten neue Technologien deshalb nicht isoliert nach einzelnen Funktionen auswählen. Entscheidend ist, ob eine Lösung zur bestehenden Architektur passt, sich flexibel erweitern lässt und auch bei weiteren technologischen Veränderungen tragfähig bleibt.

Kurzfristige Einzelprojekte schaffen andernfalls neue Schnittstellen, zusätzliche Arbeitsschritte und Abhängigkeiten. Angesichts des hohen Innovationstempos steigt das Risiko, dass technisch attraktive Lösungen schon nach kurzer Zeit nicht mehr zur Gesamtlandschaft oder zu den betrieblichen Anforderungen passen.

Künstliche Intelligenz braucht neue Prozesse

Viele Unternehmen investieren inzwischen in Künstliche Intelligenz (KI), erzielen damit aber nicht automatisch messbare Ergebnisse. Nach Fehlmanns Einschätzung entscheidet weniger die bloße Einführung einer Technologie über den wirtschaftlichen Erfolg als die Bereitschaft, den zugrunde liegenden Prozess neu zu gestalten. Automatisieren Unternehmen lediglich einzelne Schritte, während der bisherige Ablauf unverändert bleibt, könne die Komplexität sogar zunehmen.

„Wer den alten Prozess beibehält und nur einen Teil davon automatisiert, erreicht oft weder die erwartete Effizienz noch einen belastbaren Return on Investment“, warnt Fehlmann. „Erfolgreiche Vorhaben benötigen ein klares Zielbild, den Mut, bestehende Abläufe infrage zu stellen, und eine technische Grundlage, die sich kontinuierlich erweitern und verbessern lässt.“

Für Unternehmen ergibt sich daraus eine klare Priorität. Vor einer KI-Investition müssen sie festlegen, welches Kundenproblem und welcher betriebliche Engpass tatsächlich gelöst werden sollen. Erst danach sollten Prozesse, Rollen, Datenbasis und Technologie gemeinsam neu konzipiert werden. So kann Automatisierung Standardanfragen übernehmen, während komplexe Fälle schneller bei den passenden Fachleuten landen – ohne neue Brüche im Ablauf zu erzeugen.

Der Autor

Verwandte Artikel

Alle 14 Tage von unserer Redaktion in Ihr Postfach.

KI im CRM einführen
Artikel
KI im CRM als produktiver „Mit-Arbeiter“ Die Rückkehr der Heinzelmännchen von Köln

Wie KI im CRM als produktiver Helfer Marketing, Vertrieb und Service im Alltag unterstützt.

18.12.2026 | 11:00 – 11:45 Uhr | Live-Webinar
CRM - Vom Lead zum Stammkunden
In unserem Webinar zeigen wir, wie Sie Datensilos und manuelle Prozesse überwinden, den CRM-Kernprozess entlang der Customer Journey gestalten und das passende System auswählen.

Passende CRM-Lösungen finden

Sie suchen aktuell eine CRM-Software?

Vergleichen Sie passende CRM-Lösungen anhand Ihrer Anforderungen.

Mehr zum Thema

Kundenservice: KI allein reicht nicht aus

Wo steckt KI drin? KI-Transparenz beginnt in der eigenen Software-Landschaft

KI-Agenten verbinden ERP und Fertigung

Information

Vielen Dank. Sie erhalten in Kürze eine E-Mail mit dem Link zur Vollendung der Anmeldung für unser Webinar.

Information

Vielen Dank für Ihre Webinaranmeldung.

Wir prüfen die Verfügbarkeit und senden Ihnen in Kürze eine Mail mit den Webinardaten.

Information

Alle Downloads sind jetzt freigeschaltet.

Wir haben Ihnen soeben einen Freischaltlink geschickt, mit dem Sie in Zukunft ohne erneute Registrierung auf alle Downloads zugreifen können.

Information

Vielen Dank. Sie erhalten in Kürze eine E-Mail mit dem Link zum Abschluss der Registrierung für unser Download-Center.

Anmeldung Webinare

Sie haben die folgenden Webinare ausgewählt:

Sie wollen Sich für mehrere Webinare gleichzeitig anmelden? Dann klicken Sie auf 'Weitere Webinare anzeigen‘ und setzen für jeden Termin einen Haken.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an. Wir schicken Ihnen einen Bestätigungslink per Mail. Bitte folgen Sie diesem Link, um die Anmeldung abzuschließen. Der Link verliert seine Gültigkeit nach 3 Tagen.

Abschluss der Webinaranmeldung

Ihre gewählten Webinare

Fehler

Der Link ist nicht mehr gültig

Bitte starten Sie die Registrierung / Anmeldung erneut.

Abschluss der Registrierung
Download-Freischaltung

Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an. Wir schicken Ihnen einen Bestätigungslink per Mail. Bitte folgen Sie diesem Link, um die Registrierung abzuschließen. Der Link verliert seine Gültigkeit nach 3 Tagen.