KI-Kosten – Diese KI-Kostenfallen bedenkt kaum jemand

Der Druck auf Unternehmen, KI wirtschaftlich einzusetzen, wächst kontinuierlich. Gleichzeitig fällt es vielen schwer, die tatsächlichen KI-Kosten realistisch einzuschätzen. Fünf typische Kostenfallen sollten Unternehmen dabei berücksichtigen.

KI-Kosten
©Phiwath Jittamas | istockphoto.com

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz entwickelt sich zunehmend vom Pilotprojekt zum strategischen Wettbewerbsfaktor. Entsprechend steigt der Druck auf Unternehmen, KI-Anwendungen produktiv einzusetzen. Viele Unternehmen setzen dabei zunächst auf Cloud-basierte KI-Dienste. Die eigentlichen KI-Kosten entstehen dabei häufig nicht in der Infrastruktur selbst, sondern in der Vorbereitung, Integration und dem späteren Betrieb der Lösungen. Welche Kostenfallen Unternehmen im Blick behalten sollten, zeigt die aktuelle Enterprise AI Infrastructure Survey von Cloudian.

Kostenfalle #1: Datenaufbereitung wird zum größten Kostentreiber

Die größte Kostenfalle bei der Einführung von KI liegt in der Aufbereitung und Integration von Daten. So sehen es 45 Prozent der für die Studie Befragten. KI-Systeme benötigen große Mengen strukturierter, qualitativ hochwertiger Daten. Diese liegen in Unternehmen jedoch häufig verteilt, unvollständig oder in unterschiedlichen Formaten vor. Dadurch entsteht ein hoher Aufwand, denn die Daten müssen die Mitarbeitenden der IT für die KI-Nutzung aufbereiten, standardisieren, teilweise anreichern und kennzeichnen. Auch die technische Anbindung des KI-Systems an bestehende ERP-, CRM- oder Produktionsplattformen kostet viel Zeit und damit Geld. Besonders kostentreibend ist, dass Unternehmen Probleme bei der Datenqualität oft erst während der Umsetzung erkennen. Zusätzliche Anforderungen an Datenschutz, Informationssicherheit oder die Anbindung weiterer Datenquellen erhöhen den Integrationsaufwand häufig zusätzlich und treiben damit auch die Projektkosten.

Kostenfalle #2: Spezialisten fehlen – und treiben die Personalkosten

Für 34 Prozent der Befragten sind die hohen Kosten für spezialisiertes KI-Fachpersonal eine zentrale Herausforderung, die kaum ein Unternehmen initial bedenkt. Die Einführung von KI erfordert Kompetenzen, die in klassischen IT-Abteilungen häufig nur begrenzt vorhanden sind. Selbst wenn Fachkenntnisse vorhanden sind, kommen die neuen Aufgaben zu den bisherigen hinzu. In der Regel benötigen Unternehmen daher Data Scientists, Machine-Learning-Engineers, MLOps-Spezialisten oder KI-Architekten. Deren Verfügbarkeit am Markt ist jedoch stark begrenzt, wodurch überdurchschnittliche Gehälter und steigende Rekrutierungskosten entstehen. Auch Ausgaben für Weiterbildung, Zertifizierungen sowie externe Berater oder Implementierungspartner berücksichtigt kaum ein Unternehmen zu Beginn seines KI-Fahrplans. Zudem steigen Personalkosten besonders in der Skalierungsphase, da neben der Entwicklung auch Betrieb, Monitoring, Governance und kontinuierliche Optimierung anstehen.

vertiefung
Lesetipp: Unternehmens-KI strategisch implementieren

Datenqualität, Integration und fehlende KI-Kompetenzen zählen zu den größten Hürden bei der Einführung von KI. Wie Unternehmen daraus eine tragfähige KI-Strategie entwickeln und Pilotprojekte systematisch in den produktiven Betrieb überführen, zeigt der Fachbeitrag von Volker LiestmannPeter Treutlein u. a. „Unternehmens-KI strategisch implementieren“.

Kostenfalle #3: Lizenzmodelle werden schnell komplex

Drittgrößte Kostenfalle bei der KI-Einführung (von 31 Prozent der Befragten genannt) sind die Software-Lizenzkosten. Viele Unternehmen kalkulieren zunächst nur die Kosten für das eigentliche KI-Modell oder die Entwicklungsplattform. In der Praxis kommen jedoch weitere Lösungen für Datenmanagement, Modellbereitstellung, Monitoring, Sicherheit und Governance hinzu. Viele Anbieter arbeiten zudem mit nutzungs-, nutzer- oder funktionsbasierten Lizenzmodellen, wodurch die Ausgaben mit intensiverer Nutzung automatisch steigen. Da gerade bei Pilotprojekten in der Regel ein begrenzter Funktionsumfang und geringe Nutzeraccounts ausreichen, schlagen bei produktiver Nutzung dann schnell deutlich höhere Lizenzgebühren zu Buche. Hinzu kommen dann oft professionelle Funktionen, Supportleistungen oder Compliance-Module. Ein weiterer Risikofaktor ist die potenzielle Abhängigkeit von einzelnen Plattformanbietern.

Kostenfalle #4: Gesamtbetriebskosten bleiben schwer kalkulierbar

Rund ein Viertel der Befragten (25 Prozent) nennt die schwierige Prognose der Gesamtbetriebskosten von KI-Anwendungen in der Cloud als potenzielle Kostenfalle. Unternehmen können zu Projektbeginn oft nur schwer abschätzen, welche Gesamtkosten über den kompletten Lebenszyklus hinweg tatsächlich entstehen. Neben offensichtlichen Rechenkosten fließen gerade bei der Cloud auch Speicher, Datenbanken, Netzwerknutzung, Sicherheitsdienste, Monitoring, Support, Updates und Modellwartung in die Gesamtkalkulation ein. Mit wachsender Nutzung steigen die Betriebskosten häufig deutlich schneller als ursprünglich geplant – insbesondere dann, wenn neue Anwendungsfälle, größere Datenmengen oder zusätzliche Nutzer hinzukommen.

Kostenfalle #5: Verbrauchsmodelle erschweren die Budgetplanung

23 Prozent der Befragten sehen in verbrauchsabhängigen Cloud-Preismodellen eine wesentliche Kostenfalle. Gerade die Gebühren für die Nutzung von KI-Anwendungen in der Cloud berechnen Anbieter häufig nach tatsächlicher Nutzung. Unternehmen bezahlen dann kontinuierlich für API-Aufrufe, GPU-Stunden, Tokens, Speicherzugriffe oder Datentransfers. Bereits eine steigende Zahl von Nutzern, zusätzliche API-Aufrufe oder umfangreichere Modelle können die laufenden Betriebskosten deutlich erhöhen. Diese Dynamik erschwert die Budgetplanung erheblich und macht die laufenden Betriebskosten schwer kalkulierbar.

KI-Kosten über den gesamten Lebenszyklus bewerten

Die Studie macht deutlich: Wer KI-Kosten realistisch bewerten möchte, sollte den gesamten Lebenszyklus eines KI-Projekts betrachten – und nicht nur die anfänglichen Investitionen.

„Wer Künstliche Intelligenz zur DNA seiner Unternehmensstrategie machen möchte, sollte weitsichtig kalkulieren und sinnvoll investieren“, erklärt Sascha Uhl von Cloudian. „Die Cloud ist beispielsweise als primäre Infrastruktur für den KI-Betrieb nicht immer die beste Wahl. Sie kann für Pilotprojekte und in der Testphase günstig als Sandbox herhalten, für umfangreiche KI-Anwendungen sind On-premises-Infrastrukturen allerdings oft die bessere Wahl.“

Unabhängig von der gewählten Infrastruktur zeigt die Studie: Über den wirtschaftlichen Erfolg von KI-Projekten entscheiden weniger einzelne Technologien als vielmehr Datenqualität, organisatorische Vorbereitung und eine realistische Kostenplanung.

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