Start ERP Der digitale Produktpass schafft Transparenz

Der digitale Produktpass schafft Transparenz

Der digitale Produktpass ist ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Industrie. Er bündelt Informationen über das gesamte Produktleben. So entsteht eine durchgängige Datenbasis für effizientere Lieferkettenprozesse.

digitaler Produktpass
Quelle: ©Maude Frédérique Lavoie | unsplash.com

Digitaler Produktpass im ERP-System: Lange galt der digitale Produktpass vor allem als bürokratische Auflage aus Brüssel. Das ändert sich gerade. Laut einer Prognose von Dimension Market Research soll der Markt für entsprechende Lösungen von aktuell rund 379,4 Millionen US-Dollar bis zum Jahr 2035 auf 6,34 Milliarden US-Dollar wachsen. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 36,7 Prozent. Europa ist dabei führend, angetrieben durch strenge Umweltauflagen und eine Politik der Kreislaufwirtschaft, während Japan als am schnellsten wachsender Markt nachzieht. Somit wird aus einem Pflichtthema ein eigenständiges Technologiesegment.

Treiber dieser Entwicklung ist die EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte, die den digitalen Produktpass in zahlreichen Branchen verbindlich vorschreibt. Für Batterien wird er ab 2027 zur Pflicht, bis 2028 folgen unter anderem Textilien und Elektronik. Parallel wächst der Druck durch Produktfälschungen, steigende Nachhaltigkeitsanforderungen und die Erwartung an eine nachvollziehbare Beschaffung. Deshalb führen Unternehmen Rückverfolgbarkeitslösungen nicht nur ein, um Vorschriften zu erfüllen, sondern auch, um ihre Lieferketten transparent zu machen und ESG-Berichtspflichten (Environmental, Social, Governance) zu bedienen.

Strukturierte Daten für den Lebenszyklus

Im Kern ist der digitale Produktpass ein strukturierter Datensatz, der ein physisches Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus begleitet. Er bündelt Informationen zu Materialzusammensetzung, Herkunft, Zertifizierungen und Umweltbilanz und enthält Hinweise zu Reparatur und Recycling. Anders als klassische Trackingsysteme ermöglicht er einen interoperablen Datenaustausch in Echtzeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Damit verändert sich der Charakter von Produktdaten grundlegend. Aus einem passiven Datensatz wird ein strategisch nutzbarer Vermögenswert, der nicht nur Compliance sichert, sondern auch operative Transparenz schafft und Entscheidungen verbessert.

Eine Chance für optimierte Lieferketten

Die Dringlichkeit ergibt sich aus dem ehrgeizigen Zeitplan der EU. Erste Branchen wie die Batterieindustrie, Textilhersteller und die Unterhaltungselektronik werden bereits in naher Zukunft zur Umsetzung verpflichtet. Wer den Anpassungsprozess verschläft, der riskiert nicht nur Bußgelder, sondern im schlimmsten Fall den Ausschluss vom EU-Binnenmarkt.

Sinnvoller ist es, den Produktpass nicht als reine Last zu begreifen, sondern als Chance, Lieferketten effizienter zu gestalten und das Vertrauen der Kunden durch den Nachweis der Nachhaltigkeit zu stärken. Die Vorbereitung braucht allerdings Zeit, denn es müssen zunächst Daten aus oft fragmentierten globalen Lieferketten zusammengeführt und standardisiert werden. Genau hier entscheidet sich, ob aus der Pflicht ein Wettbewerbsvorteil wird.

Digitaler Produktpass im ERP-System wird zum Datenrückgrat

Die eigentliche Herausforderung liegt weniger im Pass selbst als in den Daten dahinter. Materialstämme, Stücklisten, Lieferanten- und Chargeninformationen, Zertifikate oder Nachhaltigkeitskennzahlen entstehen typischerweise verteilt über viele Systeme und Abteilungen hinweg. Damit ein Produktpass verlässlich, prüfbar und aktuell bleibt, müssen diese Informationen zentral zusammengeführt und durchgängig gepflegt werden.

Hier kommt das ERP-System ins Spiel. Digitaler Produktpass bedeutet mehr als Compliance. Im ERP-System entsteht die zentrale Datenbasis für Transparenz, Nachhaltigkeit und effiziente Lieferketten. Als zentrale Steuerungsplattform bündelt es genau jene kaufmännischen und produktbezogenen Daten, die der digitale Produktpass benötigt, und stellt sie standardisiert bereit. Für den industriellen Mittelstand mit vielen Lieferanten, Varianten und Produkten ist das besonders relevant. Wer seine Stamm- und Bewegungsdaten ohnehin im ERP-System konsolidiert, der verfügt über eine gute Ausgangsbasis, um regulatorische Anforderungen effizient zu erfüllen, und kann darüber hinaus Produktdaten für Auswertungen und neue Geschäftsmodelle nutzen. Damit wird das ERP-System vom Verwaltungswerkzeug zum Datenrückgrat einer kreislauffähigen Wertschöpfung. Softwarehersteller setzen genau hier an. Ihre ERP-Lösungen führen Material-, Lieferanten- und Nachhaltigkeitsdaten so zusammen, dass sie sich standardisiert und interoperabel bereitstellen lassen.

ERP Software GuideERP-Systeme als Datenrückgrat der Digitalisierung

Der Digitale Produktpass stellt hohe Anforderungen an die Qualität und Verfügbarkeit von Produkt-, Lieferanten- und Nachhaltigkeitsdaten. ERP-Systeme übernehmen dabei eine Schlüsselrolle als zentrale Datenquelle für Transparenz, Compliance und effiziente Prozesse.

Der ERP-Guide bietet Expertenbeiträge, Anbieterprofile, Success Storys und Produktübersichten rund um moderne ERP-Lösungen. Unternehmen erhalten einen fundierten Überblick über den ERP-Markt und aktuelle Anforderungen an Datenmanagement, Lieferketten und Digitalisierung.

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Engineering-Plattform für heterogene Daten

Wie weit das Potenzial reicht, zeigt die aktuelle Forschung.

Am Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn arbeitet ein Konsortium aus Wissenschaft und Industrie am Projekt iPassPro. Ziel ist ein intelligenter Produktpass, der bestehende Konzepte um semantische, dynamische und KI-gestützte Funktionen erweitert.

Kernstück ist ein sogenannter Circular Intelligence Hub. Diese Engineering-Plattform integriert heterogene Datenquellen, verknüpft sie und bereitet sie mit Künstlicher Intelligenz zu entscheidungsrelevantem Wissen auf.

Dieser Ansatz setzt sehr früh an. Bereits in der Produktentwicklung fallen die wesentlichen Entscheidungen über Reparierbarkeit, Wiederverwendung und Recyclingfähigkeit. Werden diese Aspekte von Anfang an datenbasiert unterstützt, lässt sich Kreislaufwirtschaft in die Entwicklung integrieren. Das öffentlich geförderte Projekt läuft bis 2029 und verdeutlicht die Richtung: Der Produktpass wird vom statischen Nachweis zum intelligenten Werkzeug, das produktbezogenes Wissen über den gesamten Lebenszyklus nutzbar macht.

Vertiefendes Webinar

PLM / PDM als zentrale Datenquelle

PLM PDM
Quelle: DC Studio | Adobe Stock

Der Digitale Produktpass benötigt konsistente und aktuelle Produktdaten über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Viele dieser Informationen entstehen bereits in Entwicklung und Konstruktion. PLM- und PDM-Systeme schaffen die Grundlage, um Produktwissen zentral zu verwalten und bereichsübergreifend verfügbar zu machen.

Erfahren Sie im Live-Webinar PLM / PDM – Wissensquelle und Kommunikationszentrale für Produktdaten, wie Unternehmen Produktdaten strukturiert verwalten, Entwicklungsprozesse unterstützen und eine belastbare Datenbasis für Digitalisierung, Nachhaltigkeit und regulatorische Anforderungen schaffen.

Termine & Anmeldung

Der Startpunkt einer vernetzten Datenarchitektur

Insgesamt markiert der digitale Produktpass den Einstieg in eine datengetriebene und kreislauforientierte Wertschöpfung. „Dieser Datensatz standardisiert nicht nur Produktinformationen, sondern schafft erstmals eine durchgängige Datenbasis für mehr Transparenz, effizientere Prozesse und nachhaltigere Geschäftsmodelle“, erläutert Wolfram Menser, Strategic Account Manager bei Proalpha. Digitaler Produktpass im ERP-System wird damit zum Startpunkt einer modernen, vernetzten Datenarchitektur. „Für Unternehmen lautet die strategische Frage daher nicht mehr, ob sie den Produktpass umsetzen, sondern ob sie daraus ein isoliertes Compliance-Projekt oder die Grundlage einer modernen, vernetzten Datenarchitektur machen. Wer jetzt die richtigen Weichen stellt und den Digitalen Produktpass im ERP-System als zentrale Datenquelle aufbaut, der schafft die Voraussetzungen für effiziente Abläufe, gute Entscheidungen und eine hohe Resilienz.“