KI-Projekte brauchen einen klaren Business Case und Governance

Auch die beste Technologie reicht für ein erfolgreiches Projekt rund um Künstliche Intelligenz (KI) alleine nicht aus. Unerlässlich sind der passende Business Case, gut gepflegte Daten und eine klar geregelte Governance. Change Management bindet die Mitarbeiter ein.

KI-Agenten in Business Software
©AndreyPopov | istockphoto.com

Sprachmodelle, autonome Agenten und Intelligent Document Processing versprechen große Effizienzgewinne. Um Künstliche Intelligenz (KI) erfolgreich einzusetzen, benötigen Unternehmen allerdings mehr als nur leistungsfähige Technologie. Neben verlässlichen Daten, klaren Governance-Regeln und einer wirksamen Qualitätssicherung ist insbesondere ein überzeugender Business Case für KI-Projekte entscheidend.

Business Case als Ausgangspunkt

Fachabteilungen kennen Bottlenecks, Medienbrüche und unnötig aufwendige Arbeitsschritte und können daher konkret benennen, wo KI einen echten Mehrwert schaffen kann. Sie sollten deshalb die ersten Ansprechpartner für den Einsatz von KI-Modellen sein und gemeinsam mit der IT mögliche Anwendungsfälle bewerten. Entscheidend ist stets der konkrete geschäftliche Nutzen. Erst wenn dieser klar definiert und messbar ist, lässt sich beurteilen, ob und wie KI die richtige Lösung dafür sein kann. „Nicht die Frage, was KI alles kann, sollte am Anfang ihrer Einführung stehen, sondern welches konkrete Problem wir damit lösen wollen“, betont Benedikt Weber, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters applord GmbH.

Die IT übernimmt in einem Projekt mit Künstlicher Intelligenz eine wichtige Rolle: Sie sorgt dafür, dass aus einer fachlichen Idee eine technisch belastbare Lösung wird, integriert die erforderlichen Systeme und schafft die Voraussetzungen für einen stabilen und skalierbaren Betrieb. „Die besten KI-Projekte entstehen dort, wo Fachwissen und Technologie zusammenkommen. Die Fachabteilung kennt den Bedarf, die IT die technischen Möglichkeiten“, erläutert Benedikt Weber.

Datenqualität prägt die Ergebnisqualität

Nach dem Prinzip „Garbage In – Garbage Out“ bestimmen sich die Resultate eingeführter KI-Modelle maßgeblich nach der Qualität der Eingabedaten. Minderwertige oder fehlerhafte Informationen führen selbst bei fortschrittlichsten Algorithmen zu unpräzisen oder gar falschen Ergebnissen. Für ein effizientes Training und einen zuverlässigen Betrieb ist es daher unerlässlich, die Daten kontinuierlich zu pflegen, also ihre Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit und Konsistenz permanent sicherzustellen.

Bei der Auswahl eines Anbieters von KI-Modellen sollten Unternehmen nicht alleine auf eindrucksvolle Technologie achten. Schließlich schafft ein leistungsfähiges Modell allein noch keinen Mehrwert. „Entscheidend ist vielmehr, dass der Anbieter realistische Leistungszusagen, transparente Kostenstrukturen, ein belastbares Datenschutzkonzept sowie wirksame Qualitätssicherungsmechanismen vorweist“, erläutert Benedikt Weber.

Flexible Skalierung versus nutzungsabhängige Kosten

Ob ein KI-Modell in der Cloud oder im eigenen Rechenzentrum betrieben wird, richtet sich nach den Anforderungen des Unternehmens. Die Cloud ermöglicht einen schnellen Einstieg, flexible Skalierung und geringe Anfangsinvestitionen. Dem gegenüber stehen laufende nutzungsabhängige Kosten sowie Abhängigkeiten vom Anbieter und dessen Infrastruktur.

Der On-Premises-Betrieb bietet dagegen maximale Kontrolle über Daten und Systeme und kann bei intensiver Nutzung langfristig wirtschaftlicher sein. Gerade bei sensiblen Informationen spielen Datenschutz, Compliance und digitale Souveränität eine wichtige Rolle. Auch die Betriebssicherheit ist zu berücksichtigen: Anders als bei einem Cloud-Dienst müssen Unternehmen allerdings beim Eigenbetrieb Verfügbarkeit, Wartung und Updates selbst organisieren.

Künstliche Intelligenz braucht Kontrolle

Mit der Einführung eines KI-Modells endet die Verantwortung nicht. Eine straffe Governance definiert, wie KI eingesetzt und wie mit ihren Ergebnissen umgegangen wird. Mitarbeiter sollten wissen, welche Daten sie in KI-Systeme eingeben dürfen und wann eine menschliche Kontrolle erforderlich ist. Im geschäftlichen Einsatz darf ein plausibel klingendes Ergebnis nicht automatisch als richtig gelten.

Für die Qualitätssicherung bieten sich verschiedene Verfahren an: Plausibilitätsprüfungen, Confidence Scores oder der Abgleich der Ergebnisse mehrerer Modelle können Unstimmigkeiten aufdecken. Mitarbeiter prüfen und korrigieren dann im Rahmen des Ansatzes „Human in the Loop“ die Ergebnisse. Dieses Feedback lässt sich nutzen, um die KI-Modelle kontinuierlich zu verbessern.

vertiefung
Vertiefendes Webinar
KI-Compliance Webinar

Compliance in KI-Projekten

Welche Daten darf eine KI nutzen? Wer trägt die Verantwortung für ihre Ergebnisse? Und welche Anforderungen ergeben sich daraus für den Betrieb?

Im Trovarit-Webinar „Compliance in KI-Projekten – Von der Idee zur passenden Betriebs- und Governance-Architektur“ erläutern Peter Treutlein und Dr. Karsten Sontow, wie Unternehmen KI-Anwendungsfälle systematisch bewerten und passende Anforderungen an Infrastruktur, Sourcing und Governance ableiten.

Erfolgsfaktor Change Management

Die Einführung von KI verändert nicht nur Prozesse, sondern auch die tägliche Arbeit der Beschäftigten. Um deren Akzeptanz zu gewinnen, sollten Unternehmen im Rahmen von Change Management den Mitarbeitern frühzeitig erklären, welchen konkreten Nutzen die neuen Lösungen bringen und wie sie die Tagesarbeit unterstützen, etwa indem repetitive Aufgaben entfallen und mehr Zeit für anspruchsvollere Tätigkeiten bleibt. Regelmäßige Informationen, Schulungen und verlässlicher Support helfen dabei, Unsicherheiten abzubauen. Zugleich sollte die Führungsebene den Einsatz sichtbar mittragen und damit Vertrauen schaffen.

KI erfolgreich im Unternehmen einzuführen bedeutet, technologische Möglichkeiten in nachhaltigen geschäftlichen Nutzen zu übersetzen. Dafür braucht es neben dem Blick auf das technisch Machbare insbesondere ein Verständnis dafür, was ein Unternehmen tatsächlich weiterbringt. „Am Ende entscheidet nicht das beste KI-Modell über den Erfolg, sondern die Frage, wie gut es zum Unternehmen, seinen Prozessen und seinen Menschen passt“, bringt Benedikt Weber die Herausforderung auf den Punkt.

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