KI und MES: So entsteht die intelligente Produktion

Autonome Produktionsprozesse, intelligente Assistenzsysteme und selbstlernende Algorithmen: Die Vision der Dark Factory gewinnt mit Künstlicher Intelligenz (KI) an Bedeutung. Ersetzen wird KI  Manufacturing Execution Systems (MES) wohl nicht. Denn diese Systeme bilden die Grundlage für den intelligenten KI-Einsatz.

MES und KI in der Produktion
SweetBunFactory | istockphoto.com

Die Dark Factory positioniert sich gerade als Zielbild einer vollständig autonomen Produktion. In diesem Zukunftsszenario treffen Maschinen, Anlagen und Softwaresysteme viele Entscheidungen eigenständig und steuern Produktionsprozesse weitgehend autonom. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen kurzfristig erreichbaren Zustand, sondern um eine langfristige Entwicklung hin zur Reife, wie Martin Heinz, CEO der iTAC Software AG erläutert. „In hochstandardisierten Fertigungsumgebungen werden Abläufe zunehmend autonom. In vielen Industrieunternehmen bestimmen jedoch weiterhin Variantenvielfalt, kleine Losgrößen und kurzfristige Änderungen den Produktionsalltag. Dort geht es nicht um menschenleere Fabriken, sondern um eine intelligente Zusammenarbeit zwischen Mensch, Produktionssystemen und KI.“

Menschen übernehmen in diesem Zielbild steuernde, überwachende und strategische Aufgaben, während Künstliche Intelligenz sie bei Analysen, Ursachenforschung und Entscheidungen unterstützt.

KI und MES: Produktionskontext als Grundlage

Damit KI Produktionsprozesse zuverlässig analysieren, Zusammenhänge erkennen und fundierte Handlungsempfehlungen ableiten kann, reichen große Datenmengen alleine nicht aus. Entscheidend ist der Produktionskontext: Hier geht es darum, welche Maschine welches Produkt bearbeitet und welche Materialien dabei zum Einsatz kommen. Zudem ist wichtig, welche Prozessparameter gelten und welche Qualitätsvorgaben einzuhalten sind. Erst dieser Kontext ermöglicht belastbare Analysen und fundierte Entscheidungen.

Genau hier übernimmt das Manufacturing Execution System heute und auch künftig eine wichtige Rolle. Es steuert und dokumentiert Produktionsabläufe, verknüpft Maschinen, Materialien, Mitarbeiter und Prozesse und schafft damit den Produktionskontext, den die KI-Algorithmen für belastbare Auswertungen und fundierte Entscheidungen benötigen.

Die Zukunft der Produktion liegt keineswegs darin, dass Künstliche Intelligenz das MES ersetzt, sondern vielmehr im intelligenten Zusammenspiel beider Welten. Während das MES Produktionsprozesse steuert und absichert, analysieren KI-Algorithmen Produktions- und Maschinendaten nahezu in Echtzeit und identifizieren Optimierungspotenziale. KI nutzt diese Erkenntnisse, um Ursachenanalysen, Handlungsempfehlungen und Assistenzfunktionen bereitzustellen. Gemeinsam schaffen MES und KI-Analysen die Voraussetzungen für eine zunehmend autonome Produktion.

 

vertiefung
Lesetipp
MES und KI in der Produktion

Wie MES den Weg für KI in der Produktion ebnet

KI-Anwendungen entfalten ihren Nutzen in der Fertigung erst, wenn Produktionsdaten im richtigen Kontext verfügbar sind. Der Fachbeitrag „MES neu denken: Wie Unternehmen KI-Potenziale in der Produktion erschließen“ von Christian Müller, Trovarit AG zeigt, welche Rolle moderne MES-Lösungen dabei spielen und wie Unternehmen die Grundlage für eine datengetriebene Fertigung schaffen.

Mit konkreten Anwendungsfällen starten

Viele Unternehmen starten ihre KI-Initiativen noch immer technologiegetrieben. Erfolgreicher ist ein anderer Ansatz, wie iTAC-CEO Heinz erläutert: „Am Anfang sollte nicht die Frage stehen, wo ein Unternehmen Künstliche Intelligenz einsetzen kann. Sinnvoller ist die Prüfung, welche Entscheidung sich womit verbessern lässt.“ Typische Anwendungsfälle sind beispielsweise die Ursachenanalyse bei Qualitätsproblemen, das Optimieren von Rüstzeiten oder das schnelle Bereitstellen von Produktionswissen für Mitarbeiter.

Unternehmen, die bereits über ein Manufacturing Execution System verfügen, können solche Anwendungen vergleichsweise schnell produktiv einsetzen, weil die erforderlichen Prozess- und Produktionsdaten bereits verfügbar sind. Moderne MES- und KI-Plattformen ermöglichen es, Produktionswissen, Echtzeitdaten und Künstliche Intelligenz in einem gemeinsamen Kontext zusammenzuführen und so neue Anwendungen effizient in die Fertigung zu integrieren.

In der Kombination beider Welten entstehen intelligente Assistenzsysteme, die Mitarbeiter unterstützen und gleichzeitig den Weg zu einer autonomen Produktion ebnen. Die Dark Factory wird damit zur konsequenten Weiterentwicklung einer digital vernetzten Produktion.

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