Viele Migrationsprojekte starten mit derselben Intention: Die Systeme wandern aus akuten Gründen schnell in eine neue Umgebung, oft in die Cloud. Eine Lift & Shift Migration erscheint dafür zunächst als pragmatischer Weg. Die eigentliche Modernisierung soll später folgen. Mit Blick auf den IT-Alltag ist dieses Vorgehen verständlich. Das Verschieben der Modernisierung birgt jedoch ein hohes Risiko: Nach dem Umzug kommen viele Projekte zum Stillstand – oft so lange, bis die Modernisierung ganz in Vergessenheit gerät.
Mit dem Cloud-Umzug entfällt der Handlungsdruck
Erklären lässt sich dieses Phänomen nicht allein mit fehlender Sorgfalt einzelner Projektbeteiligter oder mit falschen Strukturen. Es liegt an einem Mechanismus, der sich unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße wiederholt: Der eigentliche Anlass für die Migration verschwindet mit dem Umzug in die Cloud. Die Aufgabe, die eigentlich dahinterstand, bleibt ungelöst.
Wo ein akutes Problem gelöst werden muss, zum Beispiel ein auslaufender Support, eine Sicherheitslücke oder ein Auditor, der nicht mehr wegsieht, ist der Treiber selten architektonische Überzeugung, sondern ganz schlicht die Not. Sobald die Systeme in der Cloud laufen, verschwindet der Druck. Operation geglückt. Der Server gilt nicht mehr als veraltet, die Warnung läuft weiter. Verändert hat sich in Wirklichkeit wenig. Derselbe Code, dieselben Abhängigkeiten, dieselben technischen Schulden – nur an einem anderen Ort.