E-Rechnung: Deutsche Unternehmen überschätzen ihren Fortschritt

Viele deutsche Unternehmen überschätzen offenbar ihren Fortschritt bei der E-Rechnung. Laut einer aktuellen Quadient-Studie beschreiben drei Viertel der befragten Fach- und Führungskräfte ihre Rechnungsprozesse als digitalisiert. Tatsächlich erfüllen jedoch erst 6 Prozent die gesetzlichen Anforderungen an die E-Rechnung.

E-Rechnung für KMU
Quelle: ©Jakub Żerdzicki | unsplash.com

Die Ergebnisse zeigen, dass zwischen digitaler Selbstwahrnehmung und regulatorischer Umsetzung eine deutliche Lücke besteht. Gleichzeitig setzen viele Unternehmen auf einen risikoarmen Weg: Sie wollen die E-Rechnung überwiegend über ihr bestehendes ERP-System oder in Kombination mit spezialisierten E-Invoicing-Plattformen umsetzen.

Gesetzliche Fristen rücken näher

Die vom Marktforschungsinstitut OpinionWay im Auftrag von Quadient durchgeführte Studie basiert auf einer Befragung von 300 deutschen Unternehmen und zieht rund ein halbes Jahr vor dem nächsten gesetzlichen Stichtag eine Zwischenbilanz. Ab dem 1. Januar 2027 müssen Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz von mehr als 800.000 Euro elektronische Rechnungen versenden. Ein Jahr später gilt diese Verpflichtung für alle Unternehmen im B2B-Bereich.

Viele Unternehmen arbeiten noch mit Papier und PDF

Die Ergebnisse zeigen, dass viele Unternehmen ihre Ausgangssituation positiver einschätzen, als sie tatsächlich ist. Zwar bezeichnen 75 Prozent der Befragten ihre Rechnungsprozesse als digitalisiert, gleichzeitig haben jedoch 56 Prozent bislang kein gesetzeskonformes Rechnungsformat eingeführt. Zudem versenden 48 Prozent zumindest einen Teil ihrer Rechnungen weiterhin in Papierform, während mehr als zwei Drittel PDF-Rechnungen nutzen. Beide Formate erfüllen die gesetzlichen Anforderungen nicht. Als konform gelten strukturierte, maschinenlesbare Formate wie XRechnung, ZUGFeRD oder EN16931-konformes EDI.

Die Mehrheit der befragten Unternehmen hat noch kein gesetzeskonformes Rechnungsformat eingeführt, Papierform und PDF sind weiterhin stark verbreitet. (©Quadient)

Unternehmen bleiben trotz Rückstand optimistisch

Trotz dieses Rückstands überwiegt der Optimismus. 89 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, die gesetzlichen Fristen einhalten zu können. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Einführung der E-Rechnung vielerorts nicht nur als Compliance-Projekt verstanden wird. Unternehmen, die ihre Prozesse bereits umgestellt haben, berichten von höherer Produktivität, geringeren Prozesskosten, kürzeren Forderungslaufzeiten und einer sinkenden Fehlerquote.

ERP-Systeme bleiben zentrale Grundlage

Auch bei der technischen Umsetzung zeichnet sich ein klarer Trend ab. 71 Prozent der befragten Unternehmen möchten die E-Rechnung über ihre bestehende ERP-Landschaft realisieren – entweder ausschließlich innerhalb des ERP-Systems oder in Kombination mit einer spezialisierten E-Invoicing-Plattform. Wirtschaftliche Gesichtspunkte wie Investitionsschutz, Nutzwertmaximierung und Vermeidung hoher Wechselkosten sind die Gründe, die für dieses Vorgehen sprechen. Aber auch unter den Aspekten Business Continuity und operative Systemstabilität gehen die Unternehmen mit diesem Ansatz kein unnötiges Risiko ein. Besonders der hybride Ansatz gewinnt an Bedeutung, da viele Unternehmen ältere ERP-Versionen einsetzen, die aktuelle Anforderungen nur eingeschränkt unterstützen. Diese weisen häufig Schwächen bei der XML-Fähigkeit auf. Spezialisierte E-Invoicing-Plattformen können solche technologischen Lücken überbrücken, indem sie aktuelle Formate unterstützen und regulatorische Änderungen schneller abbilden. Zudem unterstützen sie unterschiedliche Rechnungsformate und schaffen damit die Flexibilität, die ältere ERP-Versionen oft nur eingeschränkt bieten.

E-Rechnung
71 Prozent der befragten Betriebe planen, die E-Rechnung entweder ausschließlich über das ERP-System oder in Kombination mit einer spezialisierten E-Rechnungsplattform umzusetzen. (©Quadient)

Fazit: Prozesse, Systeme und Partner prüfen

„Ein Großteil der Unternehmen glaubt, dass sie auf dem besten Weg sind, die Vorschriften zur E-Rechnungsstellung einzuhalten. Die Daten unserer Studie erzählen dagegen eine ganz andere Geschichte“, sagt Oliver Rauschil von Quadient. „Es ist höchste Zeit, Prozesse, Systeme und Partner sehr genau zu prüfen und zuverlässig festzustellen, ob diese skalierbar konforme E-Rechnungen unterstützen. Diejenigen, die rechtzeitig aktiv werden, erreichen nämlich deutlich mehr als nur gesetzliche Konformität. Sie haben die Chance ihre Finanzprozesse weitreichend zu modernisieren und zu automatisieren. So lassen sich sowohl die Liquidität als auch der Cashflow verbessern.“

vertiefung
Vertiefung: Finanz- und Rechnungswesen zukunftssicher aufstellen
Finanz- und Rechnungswesen

Die Einführung der E-Rechnung ist für viele Unternehmen zugleich Anlass, ihre Finanzprozesse zu modernisieren. Der Fachbeitrag Finanz- und Rechnungswesen im Fokus: Die Qual der Wahl – Spezialisierte Lösung oder All-in-One-System?“ von Martin Dilthey erläutert, wann spezialisierte Lösungen sinnvoll sind und wann ein integriertes ERP-System die bessere Wahl ist.

Der Autor

Verwandte Artikel

Artikel
Modernisierung der ERP-Landschaft: Investitionsschwerpunkte und Zukunftstrends

Welche Investitionsschwerpunkte, KI-, Cloud- und Softwaretrends die Modernisierung der ERP-Landschaft prägen.

Business Software Guides

Entdecken Sie Fachartikel, Marktübersichten und Anbieterprofile zu Business Software und Digitalisierung.

Software-Auswahl mit smartRFI

Webinar: smartRFI – Der smarte Weg zur Auswahl der passenden Business-Software

Erfahren Sie, wie Sie mit smartRFI Software-Anforderungen strukturiert erfassen und passende Lösungen effizient vergleichen.

Die passende Lösung finden

Vergleichen Sie Business-Software-Lösungen, filtern Sie nach Ihren Anforderungen und finden Sie passende Anbieter.

Information

Vielen Dank für Ihre Webinaranmeldung.

Wir prüfen die Verfügbarkeit und senden Ihnen in Kürze eine Mail mit den Webinardaten.

Information

Vielen Dank. Sie erhalten in Kürze eine E-Mail mit dem Link zur Vollendung der Anmeldung für unser Webinar.

Information

Alle Downloads sind jetzt freigeschaltet.

Wir haben Ihnen soeben einen Freischaltlink geschickt, mit dem Sie in Zukunft ohne erneute Registrierung auf alle Downloads zugreifen können.

Information

Vielen Dank. Sie erhalten in Kürze eine E-Mail mit dem Link zum Abschluss der Registrierung für unser Download-Center.

Abschluss der Webinaranmeldung

Ihre gewählten Webinare

Anmeldung Webinare

Sie haben die folgenden Webinare ausgewählt:

Sie wollen Sich für mehrere Webinare gleichzeitig anmelden? Dann klicken Sie auf 'Weitere Webinare anzeigen‘ und setzen für jeden Termin einen Haken.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an. Wir schicken Ihnen einen Bestätigungslink per Mail. Bitte folgen Sie diesem Link, um die Anmeldung abzuschließen. Der Link verliert seine Gültigkeit nach 3 Tagen.

Fehler

Der Link ist nicht mehr gültig

Bitte starten Sie die Registrierung / Anmeldung erneut.

Abschluss der Registrierung
Download-Freischaltung

Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an. Wir schicken Ihnen einen Bestätigungslink per Mail. Bitte folgen Sie diesem Link, um die Registrierung abzuschließen. Der Link verliert seine Gültigkeit nach 3 Tagen.