Störungen in der Lieferkette, steigende Erwartungen und finanzieller Druck stellen Fertigungsunternehmen vor große Herausforderungen. Anpassungen in der Planung sind häufig notwendig, deren Auswirkungen auf das Betriebsergebnis lassen sich jedoch nicht immer sofort abschätzen. Die nötige Transparenz versuchen viele Unternehmen mit dem Monitoring von Kennzahlen (KPIs) herzustellen. Dabei liegt die Herausforderung weniger in der Erhebung von Daten als vielmehr darin, die passenden Metriken zu definieren.
Es genügt jedoch nicht, sich ausschließlich auf finanzielle Kennzahlen und Effizienzmetriken zu stützen. Untersuchungen zeigen, dass Unternehmen mit ausgereiften Supply-Chain-Strukturen profitabler arbeiten können. Gleichzeitig können externe Störungen solche Vorteile schnell relativieren. KPI-Systeme für die Supply Chain sollten deshalb Effizienz und Resilienz gleichermaßen abbilden. Ein möglicher Ansatz ist ein Set aus drei Arten von Kennzahlen. Diese messen die Leistung der Supply Chain und stellen den Zusammenhang zu Ertrag, Cashflow oder Risiko her.
Drei Gruppen von Supply-Chain-KPIs im Überblick
1. Planungs-KPIs: Margen stabilisieren, Volatilität reduzieren
Kennzahlen zu Prognosegenauigkeit oder Planstabilität vergleichen das Angebot mit der Nachfrage und machen Abweichungen sichtbar. Damit tragen sie zu einer höheren Planungsgenauigkeit und letztlich stabileren Margen bei: Eine präzise Planung reduziert Eilaufträge, verringert Sicherheitsbestände und verschafft Zeit für die Lösung von Problemen. Studien zeigen, dass ausgereifte Integrated-Business-Planning-Ansätze zu höheren Erträgen und geringeren Logistikkosten führen. Bessere Planung bedeutet also durchgängigere Prozesse, fokussierteres Arbeiten für die Teams und dadurch oft höhere Gewinne.
2. Service-KPIs: Umsatz und Kundenvertrauen sichern
Fill-Rate, On-Time-in-Full (OTIF) sowie Perfect Order messen die tatsächliche Lieferperformance aus Kundensicht, etwa die Quote der Lieferungen, die vollständig, pünktlich und in der gewünschten Qualität ankommen. Diese Zahlen sind damit Frühindikatoren für Umsatzentwicklung und Kundentreue. Hohe OTIF-Werte gelten in vielen Branchen als wichtiger Maßstab für eine zuverlässige Lieferperformance. Wichtig dabei: Erst die gemeinsame Definition dieser KPIs mit dem Kunden gewährleistet aussagekräftige Zahlen. Denn nicht immer haben Auftraggeber und Lieferant von Anfang an das gleiche Verständnis, was Qualität und Termintreue bedeuten. Erfolgt dann noch eine systematische Analyse der Fehlerursachen, wird aus der Service-Messung echte Umsatzsicherung.
3. Kosten-, Effizienz- und Resilienz-KPIs: Cash freisetzen, Robustheit erhöhen
Kennzahlen wie Cash-to-Cash-Zyklus, Lagerumschlag, Durchlaufzeit oder Cost-to-Serve geben Aufschluss, wie effizient Prozesse ablaufen und wie wirksam Kapital in der Supply Chain eingesetzt wird. Mit ihrer Hilfe lassen sich die operativen Kosten senken und das Working Capital optimieren. Allerdings gilt: Effizienz ohne Resilienz erhöht die Verwundbarkeit. Deshalb sollten neben klassischen Kosten- und Effizienzkennzahlen auch Resilienz-KPIs berücksichtigt werden – etwa zur Lieferanten-Diversifikation oder Wiederanlaufzeit nach Störungen.