Heinzelmännchen: Copilot Cowork ist ein KI-Agentensystem von Microsoft, das eng in das Office-Bundle Microsoft 365 integriert ist. Der klassische Copilot von Microsoft beantwortet hauptsächlich Fragen und erstellt Textentwürfe. Copilot Cowork hingegen führt als agentisches System komplexe und langlaufende Aufgaben autonom über mehrere Applikationen hinweg aus. Mit dieser neuen Arbeitsweise gewinnen auch die KI-Agenten Kosten an Bedeutung.
Seine Stärken spielt Copilot Cowork laut Microsoft bei der Koordination von Aufgaben aus, die bisher manuelle Eingaben in verschiedenen Programmen erforderten. Zum Beispiel das Vorbereiten von Kundenbesuchen: Statt dass der Anwender E-Mails, Besprechungsnotizen und Word-Dateien sichtet, wertet die Künstliche Intelligenz diese Informationen autonom aus, erstellt Briefing-Dokumente sowie eine Präsentation und speichert diese in Microsoft Sharepoint.
Ab sofort kostet jede Abfrage eine Gebühr
Mit dem Ende der Preview-Phase Anfang Juli hat sich für Copilot Cowork eine wichtige Änderung ergeben: zusätzlich zum Abonnement wird nun eine nutzungsbasierte Gebühr fällig. Basis ist das Abonnement für Microsoft 365 Copilot in Höhe von 28 Euro pro Nutzer und Monat. Hinzu kommen die nutzungsabhängigen Gebühren für die Arbeit von Copilot Cowork, die in sogenannten Copilot Credits abgerechnet werden.
Der Preis pro Aufgabe ergibt sich aus vier Faktoren: welches Modell zum Einsatz kommt, wieviel Kontext gesammelt wird, wieviele Tool-Aufrufe nötig sind und wie lange die Aufgabe läuft. Eine kurze Aufgabe auf einem leichten Modell ist günstig, während eine lange Recherche über viele Tools auf einem starken Modell spürbar mehr kostet. „Eine einfache Anfrage kostet 2 bis 3 Dollar, für eine schwierige Recherche können 7 Dollar oder mehr fällig werden“, rechnet Microsoft-Consultant Anni Douberly vor.
Den Hintergrund des Preismodells erläutert Torsten Hufsky, Gründer und CEO des Beratungshauses aithoris GmbH: „Die Phase, in der IT-Anbieter agentenbasierte Arbeit quersubventioniert haben, geht zu Ende. Ein Agent, der minutenlang mit Modellen und Tools arbeitet, verbraucht sehr viel Rechenleistung. Diese Kosten reichen die Hersteller über die verbrauchsabhängige Gebühr an die Kunden weiter.“
Jeder Anwendungsfall braucht einen Business Case
Die Folge des neuen Preismodells beschreibt Hufsky so: „Jeder Anwendungsfall braucht nun einen Business Case.“ Bevor die nutzungsabhängige Gebühr eingeführt wurde, spielte es keine Rolle, ob ein Agent zweimal im Monat oder fünfzigmal am Tag lief. Das Abonnement deckte sämtliche Kosten ab. Künftig kostet jeder Agentenlauf, sodass Unternehmen prüfen müssen, ob sich der jeweilige Use Case wirtschaftlich rechnet.
Die KI-Agenten-Kosten sollten deshalb für jeden Anwendungsfall dem erwarteten Nutzen gegenübergestellt werden. „Ein Agent, der einen mühsamen Vertragsvergleich von vier Tagen auf wenige Stunden verkürzt, hat einen klar positiven Return on Investment – auch wenn jeder Lauf Credits kostet“, erläutert Hufsky. „Ein Agent, der eine nette, aber selten genutzte Spielerei automatisiert, rechnet sich vielleicht nicht mehr. Genau diese Fälle gehören jetzt auf den Prüfstand.“