Lieferkettenstörungen sind heute keine Ausnahme mehr. Geopolitische Spannungen, Engpässe auf Seewegen, überlastete Flughäfen oder Zollkonflikte können Warenströme jederzeit ins Stocken bringen. Unternehmen müssen die Auswirkungen schnell erkennen, Alternativen bewerten und flexibel reagieren. Agentenbasierte KI kann dabei helfen – vorausgesetzt, sie nutzt aktuelle, unternehmensweit verfügbare Daten.

Wie weitreichend solche Störungen sein können, zeigt die angespannte Lage rund um die Straße von Hormus. Sie betrifft nicht nur die Ölversorgung, sondern auch andere kritische Güter wie Düngemittel und Helium – mit möglichen Folgen für Landwirtschaft, Halbleiterproduktion, Medizintechnik und Industrie. Doch die Straße von Hormus ist nur ein Beispiel für eine Entwicklung, die Unternehmen weltweit beschäftigt: Lieferkettenstörungen sind zur neuen Normalität geworden.
Die neue Realität der Lieferkettenstörungen
Erinnern Sie sich noch an die Krisen um den Panamakanal und den Suezkanal vor wenigen Jahren, durch die der weltweite Handel zum Erliegen kam? Die bittere Realität ist, dass Lieferkettenstörungen mittlerweile an der Tagesordnung sind und dass große wie kleine Unternehmen damit zurechtkommen müssen.
Denn natürlich ist nicht nur die Schifffahrt betroffen. Nadelöhre gibt es überall. Dazu gehören Flugkorridore wie die „Gulf Skies“ am Persischen Golf und der schmale Korridor zwischen Armenien und Aserbaidschan. Da über diese Strecken ein Großteil des Verkehrs zwischen Europa, Asien und dem Golf abgewickelt wird, können sie jederzeit zu Flaschenhälsen werden. Auch große Drehkreuzflughäfen wie Hongkong oder Dubai können Lieferketten belasten, wenn ihre Kapazität plötzlich durch Wetterbedingungen, logistische Probleme oder geopolitische Störungen eingeschränkt ist.
Berücksichtigt man zudem die massiven Auswirkungen der seit April 2025 andauernden Zollkriege, ist davon auszugehen, dass es solche Engpässe auch künftig immer wieder geben wird.
Intelligente „Was-wäre-wenn“-Analysen können helfen, Störungen der Handelswege zu umgehen
Diese Engpässe in der Lieferkette machen deutlich, dass Untätigkeit für Unternehmen das größte Risiko darstellt. Und doch ist Untätigkeit ihre einzige Option, solange ihnen die notwendigen Lieferdaten fehlen, um effektive Maßnahmen zu ergreifen. Unternehmen, die sich nicht anpassen, sind strukturell anfälliger für den nächsten Schock, noch bevor sie sich von dem vorherigen vollständig erholt haben.
Eine Batchverarbeitung und -planung über Nacht reicht einfach nicht aus. Unternehmen erhalten damit nicht die notwendigen Erkenntnisse, um zu erkennen, wie der einzelne Container auf dem Schiff ihre Liefertermine, ihre Umsatzprognosen und ihren Cashflow beeinflusst – oder wie sich diese Veränderungen entlang der Lieferkette auswirken.
Unternehmen benötigen vollständig integrierte und digitalisierte Lieferketten, die in Echtzeit relevante Informationen bereitstellen. Nur so können sie Ressourcen umverteilen und Kosten steuern, sobald sich die Datenlage ändert. Alle Bereiche – von der Ressourcenplanung über das Transportmanagement, die Lagerhaltung und die Logistik bis hin zum Finanzwesen – müssen in die Lage versetzt werden, zeitnah zu handeln, zu reagieren und Was-wäre-wenn-Szenarien zu analysieren. Das setzt den Zugriff auf geschäftskritische Datenquellen voraus.
Die aktuellen Krisen führen uns deutlich vor Augen, dass wir in einer ereignisgesteuerten Welt leben. Deshalb ist nur eine ereignisgesteuerte Plattform in der Lage, solche Herausforderungen zu bewältigen und die Flut an Daten sinnvoll zu interpretieren. Hier kommt der Echtzeit-Datentransfer ins Spiel: Er basiert auf ereignisgesteuerten Plattformen, die Datensilos beseitigt und dafür sorgt, dass aktuelle Daten in allen Systemen eines Unternehmens konsistent verfügbar sind. Dadurch können Entscheidungsträger jederzeit und überall direkt auf die benötigten Daten zugreifen.
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So können sich Unternehmen flexibel neu ausrichten
Betrachten wir das Beispiel eines Containerschiffs, das mit Tausenden von Produkten beladen ist. Mit einem isolierten Ansatz beim Daten-Streaming können Unternehmen keine ganzheitliche Sicht auf die Dominoeffekte in ihrer gesamten Lieferkette gewinnen. Moderne Event-Broker-Technologie spielt hier eine entscheidende Rolle, um Probleme zu vermeiden, die durch unerwartete Veränderungen bei Angebot oder Nachfrage verursacht werden.
KI-Agenten gehen noch einen Schritt weiter. Dank der Echtzeit-Datenübertragung in Verbindung mit agentenbasierter KI kann ein KI-Agent nicht nur jeden Container auf dem Schiff einsehen, sondern auch die gesamte Lieferkette überblicken, einschließlich der Verfügbarkeit von Lagerbeständen in anderen Regionen. Auf dieser Grundlage kann er alternative Szenarien modellieren, realisierbare Routen oder Liefermechanismen bewerten und Unternehmen dabei unterstützen, schneller fundierte Entscheidungen zu treffen.
KI-Agenten sind dabei keine isolierten Analysewerkzeuge. Sie können auf Basis aktueller Daten Handlungsoptionen bewerten, Abhängigkeiten berücksichtigen und unter definierten Vorgaben Maßnahmen vorbereiten oder auslösen. Gerade bei Lieferkettenstörungen ist diese Fähigkeit entscheidend, weil sich die Lage oft innerhalb kurzer Zeit verändert.
Flexible Entscheidungen werden zum Resilienzfaktor
Die Fähigkeit, Transportrouten und Planungen bei Bedarf automatisch flexibel anzupassen, entscheidet wesentlich darüber, wie gut Unternehmen die Kundenerwartungen bei bestehenden Aufträgen erfüllen können und wie sie es langfristig schaffen, Lieferkettenstörungen aufzufangen. Mit Echtzeit-Datenübertragung und agentenbasierter KI können sie jederzeit aktuelle Daten nutzen, um fundierte Geschäftsentscheidungen zu treffen und wesentlich schneller auf dynamische Marktbedingungen zu reagieren.
Der Einsatz moderner ereignisgesteuerter Technologien birgt ein enormes Potenzial, Engpässe in Geschäftsprozessen zu vermeiden und Störungen im Waren- und Datenfluss zu bewältigen. Ein leistungsstarkes Agent-Mesh verteilt Ereignisse dynamisch an KI-Agenten, unabhängig von der Art der Anwendung oder der Kapazität des Standorts. Dadurch werden Entscheidungen in Echtzeit ermöglicht, die eine optimale Auftragsabwicklung unterstützen und negative Auswirkungen auf die Kundenbeziehung vermeiden.
Durch den Einsatz agentischer KI in Verbindung mit Echtzeit-Datenübertragung können Unternehmen die Auswirkungen globaler Störungen in der Lieferkette abmildern. Umsetzbare Echtzeit-Erkenntnisse verschaffen ihnen dabei einen Vorsprung vor ihren Mitbewerbern. Unternehmen, die sich schon heute darauf vorbereiten, können künftigen Lieferkettenstörungen widerstandsfähiger begegnen – und schneller entscheiden, wenn globale Warenströme erneut unter Druck geraten.
Der Autor
Tom Fairbairn
ist ein erfahrener Systemarchitekt, der als „Distinguished Engineer” bei Solace arbeitet.


